Aufschwung 2.0

by • 21. Januar 2011 • PlusvisionenComments (0)798

Der Wirtschaftsboom in Deutschland geht weiter, zunächst jedenfalls. Im Januar steig der Ifo-Geschäftsklimaindex zum vierten Mal in Folge. „Die deutsche Wirtschaft startet schwungvoll in das neue Jahr“, konstatiert Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch Jörg Zeuner, Chefvolkswirt des Liechtensteiner Vermögensverwalters, VP Bank, ist zuversichtlich, was die weitere Entwicklung Deutschlands (zumindest im ersten Halbjahr) und auch der Weltwirtschaft angeht. Er hat dafür sieben Thesen:

Erstens: Internationale Wettbewerbsfähigkeit durch Lohnzurückhaltung
Deutschland hat sich im Vergleich mit anderen Euroländern im zurückliegenden Jahrzehnt einen erheblichen Vorteil bei den Lohnstückkosten erarbeitet. Während diese in Frankreich um 20 Prozent und in Griechenland, Italien und Spanien um über 30 Prozent gestiegen sind, liegen sie in Deutschland lediglich 5 Prozent höher als um die Jahrtausendwende.

Zweitens: Intensive Handelsbeziehungen mit den Schwellenländern
Der deutsche Exportsektor profitierte im zurückliegenden Jahr besonders von den intensiven Handelsbeziehungen mit den Schwellenländern. Rund 13 Prozent der deutschen Exporte sind für diese Länder bestimmt.

Drittens: Einsatz von Kurzarbeit in einer kurzen Krise zahlt sich aus
Eine wichtige Ursache für die schnelle wirtschaftliche Erholung Deutschlands liegt im beherzten Einsatz der Kurzarbeit in der Finanzkrise.

Viertens: Fallende Zinsen verbessern Kreditkonditionen deutscher Unternehmen
Aufgrund der Leitzinssenkungen der EZB nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers fielen mehrheitlich auch die Renditen der Staatsanleihen der Euroländer. Da die Kreditzinsen meistens an die Renditen der Staatsanleihen gebunden sind, begünstigte diese Entwicklung die Finanzierung neuer Investitionen deutscher Unternehmen.


Fünftens: Hoher Anteil der Industrieproduktion am BIP
Ein vergleichsweise hoher Industrieanteil sorgte im beginnenden Aufschwung für eine rasche Erholung – gerade vor dem Hintergrund der exzellenten internationalen Handelsbeziehungen Deutschlands und des schwachen Euros.

Sechstens: International herausragende Produktivität der deutschen Wirtschaft
Neben den Lohnstückkosten zeigt sich die Produktivität der deutschen Wirtschaft auch in Form des Beitrags zum BIP, der in einer Arbeitsstunde geleistet wird. Dieser liegt mit derzeit gut 40 Euro deutlich vor den USA und Großbritannien.

Siebtens: Wachstum der deutschen Wirtschaft wird sich 2011 fortsetzen
Die Wachstumsraten werden in diesem Jahr niedriger ausfallen und die US-Wirtschaft wird mit 2 Prozent schneller wachsen als die Eurozone mit 1,5 Prozent. Innerhalb der Eurozone wird Deutschland – nicht zuletzt aufgrund seiner spezifischen Wettbewerbsvorteile – mit einem BIP-Wachstum von bis zu 2,5 Prozent die wesentlichen Impulse geben.


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