The Forecaster // Verschwörung um den ewigen Traum

by • 7. Mai 2015 • PlusvisionenComments (0)2323

Der Film hat alles, was Börsianer lieben: Paranoia, Verschwörungen und vor allem geht es um den ewigen feuchten Traum aller, die nur irgendetwas mit den Finanzmärkten zu tun haben, die Formel, die alles erklärt, die Ereignisse vorhersagbar macht, die Universal-Welt-Börsen-Formel. Martin Armstrong will sie erfunden haben. Er ist „The Forecaster“, der Seher. Mit seinem magischen Pi-Code, einem aus Wetterzyklen und historische Konjunkturdaten gegossenen Algorithmus, will er die Börsen prognostizierbar gemacht haben. Was für ein Geschenk. Ein Einzelner besitzt die Gabe Börsen-Crashs zeitlich zu bestimmen.

Beim 1987er Zusammenbruch, beim Absturz des japanischen Nikkei 1989 und bei der Russland-Krise 1998 will Armstrong das gelungen sein. Klar, dass die Meute sofort die Köpfe hebt und die Witterung aufnimmt. Da soll es endlich einen geben … Seit Jahrhunderten versuchen Alchemisten aus Dreck Gold zu machen. Charles Mackey hat das in den Buch „Zeichen und Wunder: Aus den Analen des Wahns“ herrlich beschrieben. Und nun soll es Armstrong tatsächlich gelungen sein. Armstrongs Beratungsfirma Princeton Economics lockte Kunden aus der ganzen Welt an, die bereit waren viel Geld für die Vorhersagen zu zahlen. Damals hatte er zeitweise rund 3 Milliarden Dollar unter Verwaltung. Vermutlich macht man mit dem Einsammeln von Anlegergeldern besser Gold aus Nichts.

Dann beginnt eine irre Paranoia. Armstrong wird von New Yorker Investmentbanker gebeten einem dubiosen Club „beizutreten“. Keiner weiß, ob es diesen Club wirklich gibt. Freimaurer? Illuminaten? Sie wollen den Code. Er lehnt ab, immer wieder. Im September 1999 stürmte das FBI sein Büro. Er habe Finanzbetrug begangen, Ponzi Scheme, ein Schneeball-System mit einem Volumen von 3 Milliarden Dollar. Armstrong leugnet. Nun soll er unter anderem sein Computerprogramm herausrücken. Nein. Armstrong weigert sich. Also ordnen die Richter Beugehaft für 18 Monate an. Armstrong schweigt. Die Beugehaft wird insgesamt auf sagenhafte sieben Jahre verlängert. Dann endlich ein Prozess/Deal. Armstrong bekennt sich schuldig, schweigt ansonsten und bekommt noch einmal fünf Jahre aufgebrummt.


Ist Armstrong tatsächlich ein Finanzbetrüger, der mit seinem Schweigen und zwölf Jahren Haft sehr gut davongekommen ist? Schneeball-Experte Bernard Madoff wurde zu 150 Jahren Freiheitsentzug verurteilt.

Eines ist gewiss: Es gibt keine Welt-Börsen-Formel, wird es nie geben, ebenso wenig, wie es sichere Vorhersagen (an der Börse) gibt. Denn dies widerspricht der Logik. Gäbe es ein unfehlbare Prognose-Methode, würden diese prophezeiten Ereignisse nicht mehr eintreten.

Verwegen ist der Gedanke, dass irgendwo eine kleine Gruppe sitzt, die über eine Welt-Börsen-Formel verfügt und damit unermesslich reich wird. Dieser Gruppe würden schnell die Kontrahenten ausgehen, weil reihenweise pleite gingen.

So bleibt alles Träumen von der Börsen-Glaskugel ein schönes Märchen. Und der Film? Klingt sehr unterhaltsam und sehenswert, da man bei solchen Dokumentationen dennoch meist ein Gefühl dafür bekommt, wie die Branche tickt.

Ach ja, laut Armstrong soll im Oktober 2015 der Euro zusammenbrechen und der Anleihenmarkt gleich mit. Oktober ist schon mal ein guter Crash-Monat. Die anderen gefährlichen Monate sind, das wusste schon Mark Twain: Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, November und Dezember.

Der Film läuft unter anderem beim DOK.fest 2015 in München, am Montag, den 11. Mai um 20 Uhr im Rio. Anschließend gibt es ein Filmgespräch mit dem Regisseur und dem Protagonisten.

Trailer

6-Sekunden

 

Bildquelle: forecaster-movie.com


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