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Interview André Mindermann – OTRS // Starke Nachfrage nach Cloud- und Security-Lösungen

Von • 7. Oktober 2021 • Anlagevisionen, Feature, Time_is_MoneyComments (0)409

Time is Money // Schnell ein paar Fragen an André Mindermann, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender der OTRS. Der Anbieter der Software- und Sicherheitslösungen OTRS, STORM und CONTROL, der unter anderem Airbus, IBM und Porsche zu seinen Kunden zählt, steigerte seinen operativen Gewinn im ersten Halbjahr 2021 um 38 Prozent auf 1,5 Millionen Euro. Die Ausrichtung auf nachhaltige Digitalisierungstrends soll weiteres Wachstum bringen.

Auf Ihrer Website heißt es, OTRS strukturiere die Kommunikation von Unternehmen, für den optimalen Informationsaustausch. Klingt kryptisch. Was genau soll sich ein Anleger darunter vorstellen?
André Mindermann: Im Ansatz lässt sich dies wohl am besten mit dem Begriff eines Ticketsystems erklären – auch wenn OTRS sehr viel mehr ist als das und insbesondere in Zukunft noch sein wird. Mit OTRS soll unter anderem die in Unternehmen noch weit verbreitete E-Mail-Kommunikation ersetzt werden, denn Erfolg und Wachstum basieren auf effizienter Kommunikation, klaren Strukturen sowie optimierten Abläufen und Prozessen.

Könnten Sie das bitte noch etwas detaillierter ausführen?
OTRS hilft dabei, Fehler im Kommunikationsprozess zu vermeiden und Aufgaben zügig abzuschließen. Dadurch steigt die Qualität im Servicemanagement. Unsere Software sorgt dafür, dass Anfragen gleich den verantwortlichen Fachabteilungen zugewiesen werden und so stets die richtigen Kontakte miteinander kommunizieren. Wer eine Frage hat, erwartet zurecht eine schnelle Antwort – mit OTRS ist gewährleistet, dass Anfragen nicht ins Leere laufen oder lange unbeantwortet bleiben. Durch Benachrichtigungen, Erinnerungen und ein professionelles Eskalationsmanagement sind schnelle Bearbeitung und Auswertung garantiert. Die lückenlose Dokumentation aller relevanten Informationen in einem Ticket erlaubt es auch neuen Kommunikationspartnern nahtlos und auf aktuellem Stand anzuknüpfen. Selbstverständlich haben auch die Absender zu jeder Zeit Einsicht in den Bearbeitungsstatus ihrer Anfrage.

Wo sehen Sie Wachstumsfelder für OTRS in den kommenden Jahren?
Ganz klar im Bereich der Security-Dienstleistungen, die eine gestiegene Nachfrage erfahren. Unser Produkt STORM powered by OTRS kann diese perfekt bedienen und hat dazu geführt, dass wir diesen Bereich verstärkt ausbauen und im Rahmen der Neugestaltung unserer Produktentwicklung eine exponierte Stellung einräumen. Wir sehen eine langfristige Etablierung unserer Lösung als Instrument zur Risikominimierung in Krisensituationen.
Auch der vermehrte Bedarf nach Cloud-Lösungen bedeutet für uns Wachstum, denn dadurch wird unser Produkt auch für Firmen mit begrenzter Infrastruktur und beschränkten Ressourcen interessant. Unter anderem deshalb liegt unser Schwerpunkt in der Produktentwicklung auf Managed-First, auch wenn wir natürlich nach wie vor zusätzlich eine On-Premise-Lösung anbieten.

Sehen Sie sich als Gewinner der Digitalen Transformation?
Der große Schub, den die Digitale Transformation in Unternehmen erfahren hat, kommt uns natürlich zugute, da wir Produkte und Services anbieten, für die durch die veränderten Arbeitsbedingungen ein erkennbarer Bedarf besteht.
Zudem wird der Fokus auf das Thema Solution Management unsere Fähigkeit, innovative Anpassungen, Erweiterungen und Neuerungen auf den Markt zu bringen, noch deutlich steigern – qualitativ, quantitativ und hinsichtlich der zeitlichen Frequenz.

Was machen Sie besser als die Konkurrenz?
Für OTRS gibt es keine Beschränkung des Marktes im Gegensatz zu Branchensoftware oder Speziallösungen. Unser Produkt kann jedem Unternehmen unabhängig von Branche und Unternehmensgröße einen Mehrwert bieten. Außerdem kann OTRS zur Optimierung von Kommunikation und Prozessen firmenintern UND extern mit Kunden eingesetzt werden. Mit STORM und CONTROL besetzen wir zudem zusätzliche Marktnischen im Security Umfeld. OTRS bietet ein wettbewerbsfähiges und kompaktes Portfolio, das agil und schnell, wir sprechen hier von wenigen Tagen, zu implementieren, zu warten und im Preisvergleich attraktiv und so konzipiert ist, dass alles Unnötige, wie zum Beispiel nicht anwendungsrelevante Features, den Kunden nicht belastet.

Kann das leicht nachgeahmt werden?
Nein.

Im ersten Halbjahr 2021 weisen Sie ein Umsatzwachstum von gut zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreshalbjahr aus. Wie sieht Ihre Prognose für das Gesamtjahr aus und wie würden Sie den Wachstumspfad für die nächsten Jahre beschreiben?
Für das Geschäftsjahr 2021 sollen die Umsatzerlöse trotz anhaltender Pandemie gesteigert werden. Wir gehen von einem Umsatzwachstum von zehn Prozent aus. Die prognostizierten Gesamtumsatzerlöse für das Geschäftsjahr 2021 werden voraussichtlich annähernd elf Millionen Euro betragen. Damit folgen wir erneut unserem Trend eines kontinuierlichen Wachstums.

Wie hoch ist der Anteil der wiederkehrenden Umsätze?
Die wiederkehrenden Erlöse, welche Jahresverträge mit Zugang zu unserer Software in verschiedenen Ausprägungen sowie Security, Software-Updates und Support beinhalten, konnten auf 4,7 Millionen Euro weiter gesteigert werden gegenüber 4,3 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2020. Trotz Erhöhung der wiederkehrenden Erlöse sank ihr Anteil am Gesamtumsatz gegenüber der Vorjahresperiode auf 88,5 Prozent. Der Grund dafür ist die überproportionale Steigerung der übrigen Umsatzerlöse um 40,1 Prozent von 424.000 auf 594.000 Euro. Dies ist die Folge des Anstiegs der Erlöse aus Consulting-Leistungen gegenüber dem ersten Halbjahr 2020. Das ist auf einen Nachholeffekt zurückzuführen, da Consulting-Leistungen im ersten Halbjahr 2020 aufgrund des Lockdowns infolge der Covid-19-Pandemie teilweise verschoben abgerufen und dann nachfolgend remote durchgeführt wurden.

Im Halbjahresbericht findet sich eine Cash-Position in Höhe von 3,9 Millionen Euro? Müssen Sie dafür Strafzinsen zahlen?
Ein Teil dieser Liquidität ist strafzinsfrei angelegt. Für den geringeren Teil haben wir uns auf eine verminderte Strafzinszahlung mit unserer Geschäftsbank geeinigt.

Was haben Sie mit dem Cash vor? Sind Zukäufe geplant?
Zukäufe sind aktuell nicht geplant. Wir befinden uns am Anfang eines unternehmensweiten Change-Prozesses hin zu einem vollständig agil arbeitenden Unternehmen, bei dem unter anderem auch künstliche Intelligenz eine wesentliche Rolle spielt, deren Implementierung liquide Mittel notwendig machen wird.

Oder Aktienrückkäufe, wobei Ihre Streubesitzquote mit 30 Prozent nicht besonders hoch ist?
Wir sind aktuell nicht daran interessiert, die Streubesitzquote zu verringern.

Bei einem aktuellen Börsenwert von 31 Millionen Euro beträgt das OTRS-Eigenkapital zum Halbjahr 4,7 Millionen Euro, der Halbjahresüberschuss lag bei 0,8 Millionen Euro und die Betriebsgewinn-Marge (Ebit) bei 20,8 Prozent. Sehen Sie für die Aktie, auch angesichts Ihrer Wachstumsziele, noch Bewertungsspielraum nach oben? Können Sie diese stattliche Marge halten?
Wir freuen uns darüber, dass sich unsere Entscheidungen trotz Corona-Krise nachhaltig bewährt haben und sich das auch in der derzeitigen Marge spiegelt. Natürlich ist unser Anspruch, diese zumindest aufrecht zu erhalten, was mit einem Bewertungsspielraum nach oben einhergeht.

Nach der Hauptversammlung am 24. August schütteten Sie für das Geschäftsjahr 2020 eine Dividende in Höhe von 0,07 Euro aus. Haben Sie schon eine Idee wie die Dividende für das laufende Geschäftsjahr ausfallen könnte? Wie sieht Ihre längerfristige Dividenden-Politik aus?
Wir sind zuversichtlich, dass unsere langfristig angelegte Dividendenpolitik, die sicher auch unsere Aktionäre zufriedenstellen wird, realisierbar ist.

Herr Mindermann, vielen Dank für das Gespräch!

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