Und tschüss!

by • 10. Mai 2010 • PlusvisionenComments (0)705

Okay, der Euro ist wichtig. Finde ich auch. Zu lange gab es Kriege und Streitigkeiten in Europa. Der Euro eint da – zweifellos.  Und eine Nummer kleiner: Auch ein Rückfall in die währungspolitische Kleinstaaterei ist keinesfalls wünschenswert. ABER:

1.
Ist es wirklich so dramatisch, wenn der Euro gegenüber dem Dollar, dem Schweizer Franken, dem Yen, etc. an Wert verliert – vielleicht sogar nur vorübergehend?
Ich denke nicht. Also lasst doch die Spekulanten.

2.
Jetzt sind es 720 Milliarden Euro (welch‘ unvorstellbare Summe!) die als Garantien bereitstehen, falls, ja nur falls … Es bleibt zu hoffen, das dieses Geld nicht zu weiterem unseriösem Wirtschaften verführt. Motto: Irgendwer wird uns schon raushauen. Bekommen wir nun eine Transferunion? Eine Inflationsunion? Eine Legendenunion (die Spekulanten sind an allem schuld und nicht die Staaten, die sich überbordend verschuldet haben)?

3.
Was nicht vergessen werden sollte: die Realität! Nur weil Rettungspakete geschürt und Garantien bereitgestellt wurden, sind die Schulden noch nicht aus der Euro-Welt verschwunden. Schulden verschwinden gemeinhin nur durch Tilgung, Streichung oder Inflation.
– Tilgung bedeutet entweder, das die Staat hohe Einnahmen brauchen (Wirtschaftswachstum – woher soll das kommen) oder gespart werden muss (mit der Gefahr einer Rezession). Eher unbeliebt bei Politiker, zumal in guten Zeiten das Geld lieber ausgegeben wird.
– Steichung bedeutet Verzicht bei Banken und Anlegern. Nicht beliebt.
– Inflation war in der Vergangenheit immer wieder ein gerne eingesetztes Mittel. Leider gehen dabei auch die Geldvermögen verloren.
Ergo: Ein Preis muss gezahlt werden oder irgendjemand muss die Zeche zahlen.


Der französische Staatspräsident  Nicolas Sarkozy hat am Wochenende bereits wütend von der EZB gefordert, doch endlich Euro-Staatanleihen aufzukaufen (Monetarisierung). Bestätigten Gerüchten nach soll dies Dies geschieht auch schon geschehen. Vulgo bedeutet das: Geld drucken. Inflationsgefahr. Ein deutliches Stück weniger Unabhängigkeit der EZB (die den Franzosen schon immer sehr suspekt war). Und tschüss! Wer hätte das von den Nachfolgern der Bundesbank gedacht. Einst hatte Helmut Schlesinger das EWS für die Stabilität geopfert.
Was war uns nicht alles erzählt worden … Gilt offenbar alles nichts mehr. Wie schnell doch vermeintlich eherne Grundsätze über den Haufen geworden werden – traurig. Aus diesem Grund spricht langfristig einiges für Gold.

An den Aktienmärkten wird einstweilen heftig gefeiert. Aber ist das eine „echte“ Hausse? Ist das Teil eines Crack up Booms bei dem das wirklich dicke Ende erst noch folgt?
Entspannung auf den Anleihenmärkten. Deutsche Staatsanleihen (die noch am Freitag gekauft wurden, als gäbe es demnächst keine mehr) werden heute wieder verkauft, was die Umlaufrendite um gut 20 Basispunkte nach oben springen lässt.


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