Berg

Mt. Gox wird zum Hügelgrab der Kryptowährung Bitcoin

by • 25. Februar 2014 • PlusvisionenComments (1)2306

So sehen Cyber-Bestattungen aus: weiß, sehr weiß. Man sieht nichts mehr. [Update 26. Februar: Inzwischen hat MtGox-Chef Mark Karpeles eine dürre Nachricht gepostet, dass er sei in Tokio und an einer Lösung der Probleme arbeite. Na dann.] Dort, wo eigentlich die Website von Mt. Gox [Mount Gox], einem Handelsplatz für die Kryptowährung Bitcoin, erscheinen sollte, ist nur noch digitales Pixelrauschen. Was ist passiert? Keiner weiß es (derzeit) so genau. Schon vor zwei Wochen hatte Mt. Gox den Handel mit Bitcoins ausgesetzt. Technische Probleme, hieß es. Hacker? Auch das ist nicht klar. Klar ist, seitdem kamen Anleger nicht mehr an ihre Bitcoins. Es blieb dubios: Der Firmensitz von Mr. Gox wurde nach Tokio verlagert. Dann: noch mehr technische Problem, wegen des Umzugs. Aber: Alles komme wieder in Ordnung. Nein. Stecker gezogen, Geld weg. Auch eine neue Erfahrung mit Geld. Nun ist von Betrug, Diebstahl, Schneeballsystem, Insolvenz die Rede.

Im Internet ist ein geleaktes Papier von Two Bit Idiot aufgetaucht, das davon spricht, dass 744.408 Bitcoins [4 Prozent aller Bitcoins weltweit oder 372 Millionen Dollar bei einem Kurs von 500 Dollar pro Bitcoin] durch Diebstahl oder was auch immer fehlen. „Der Bestand wurde durch ein Loch in der Brieftasche ausgelöscht.“ [„The cold storage has been wiped out due to a leak in the hot wallet.”] Aber auch hier gilt: Keiner weiß, ob dieses Dokument authentisch ist.

Die Branche reagiert inzwischen gereizt:

“Der tragische Missbrauch des Vertrauens der MtGox-Kunden ist das Ergebnis des Handel seiner Firma. Das ist nicht repräsentativ für die Stabilität und den Wert von Bitcoins und die gesamte Branche für digitale Währungen.“

[“This tragic violation of the trust of users of Mt. Gox was the result of one company’s actions and does not reflect the resilience or value of bitcoin and the digital currency industry.”]

Offenbar gibt es Vorwürfe an die japanische Finanzaufsicht, sie hätte doch einschreiten müssen. Seltsam, weil der Charme von Bitcoins ja gerade in der Unabhängigkeit von staatlichen Stellen liegt und dies von der Community auch immer betont wurde. Jetzt sagt die Aufsichtsbehörde nur: „Wir konnten nichts tun.“

Natürlich ist das auch der Nährboden für Verschwörungstheorien. Waren es gerade diese Aufsichtsbehörden (und Notenbanken), MtGox haben gegen die Wand fahren lassen, durch gezielte Angriffe, Abhebungen …, um mit den Bitcoins einen lästigen Konkurrenten für die staatlichen Währungen zu diskreditieren. Wurde das Papier von Two Bit Idiot bewusst platziert? Soll der Bitcoin-Kurs nach unten gedrückt werden, um günstig Bitcoins einzukaufen?


Der Protest gegen MtGox findet – natürlich – auch im Web statt:

„Es könnte der letzte Tag der MtGox Saga sein“, steht dort heute.

„Der Handel ist gestoppt.“

Wie es weitergeht weiß man auch dort nicht. Vielleicht bringen die kommenden Tage mehr Klarheit.

An der Bitcoin-Börse CoinDesk notiert der Kurs aktuell bei:


Er stand heute aber auch schon deutlich niedriger:

coindesk-bpi-chart

 

MtGox Situation: Crisis Strategy Draft by twobitidiot

 

Bildquelle: Jakob Ehrhardt_pixelio.de

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One Response to Mt. Gox wird zum Hügelgrab der Kryptowährung Bitcoin

  1. […] ab, weil die Dynamik nachlässt? Ach … Läuft! Vergessen sind die Ereignisse am Mount Gox [hier mehr dazu] bei denen Bitcoiner um ihre Wallets [hier ein Interview dazu] gebracht wurden. Aber damals ging es […]

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