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IBU-tec Interview Ulrich Weitz // Hat die Börse die Großakquisition noch nicht bemerkt?

by • 20. Juli 2018 • Feature, Time_is_MoneyComments (0)3088

Time is Money // Schnell ein paar Fragen an Ulrich Weitz, Großaktionär und Vorstandschef bei IBU-tec (A0XYHT), deren Börsengang im März 2017 ein Erfolg war. Jetzt hat das Unternehmen groß eingekauft. Der Aktienkurs tritt allerdings noch auf der Stelle.

Herr Weitz, IBU-tec hat einen großen Schluck aus der Akquisitionspulle genommen und mit BNT Chemicals ein Unternehmen gekauft, das deutlich größer ist als IBU-tec selbst. Gilt also „big is beautiful“?
Die Größe von BNT ist nur ein Faktor, der diese Übernahme so besonders für uns macht – und sicher nicht einmal der wichtigste. Entscheidend ist, dass wir unser Geschäftsmodell und unsere Wertschöpfungskette damit ausweiten und zusätzlich jede Menge Potenziale heben können. IBU-tec wird durch diesen Zukauf ein anderes, noch attraktiveres Unternehmen. Bislang waren wir reiner Dienstleister für thermische Verfahren bei anorganischen Pulvern und Granulaten. Mit BNT sind wir auf Basis nasschemischer Verfahren nun auch in der Lage, die Stoffe, die wir später thermisch bearbeiten selbst herzustellen. Damit werden wir für Kunden als Partner noch interessanter. Zudem haben wir mit einem Schlag zusätzlich zu unserem Dienstleistungsprofil auch eigene Produkte.

Sie sprachen aber auch von zusätzlichen Potenzialen …
Damit meine ich Prozessverbesserungen bei BNT Chemicals, Synergien und gemeinsamen Perspektiven. Man muss wissen, dass BNT eine nicht ganz einfache Phase hinter sich hat, die glücklicherweise überwunden ist, aber uns trotzdem einen günstigen Erwerb des Unternehmens ermöglicht hat. BNT arbeitet nah an der Profitabilität, aber noch nicht auf dem Niveau, das wir durch Prozessverbesserungen auf Sicht erreichen können. Unser ganz klares Ziel ist, die Ebitda-Marge von BNT langfristig an ein Niveau von zehn bis 15 Prozent heran zu führen. Zusätzlich wollen wir Synergien zwischen BNT und IBU-tec heben, die sich alleine schon daraus ergeben, dass beide Unternehmen im Chemiepark Bitterfeld nur einen Steinwurf entfernt von einander angesiedelt sind. Dass eröffnet Möglichkeiten bei der Ressourcenplanung und bei der Bündelung administrativer Aufgaben. Bei den Potenzialen noch gar nicht erwähnt habe ich mögliche Gemeinschaftsprojekte mit der bisherigen Muttergesellschaft von BNT.

Das müssen Sie erklären.
Wir haben mit der bisherigen Muttergesellschaft von BNT, der TIB Chemicals, im Zuge der Übernahme eine strategische Partnerschaft vereinbart, die sich auch auf gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte erstreckt. Bislang ist die TIB im Bereich Zinn und auch Nickel aktiv, aber auch zukünftige Produktion von Rohstoffen für Batteriematerialien sind möglich. Es wäre aber verfrüht, jetzt schon konkret darüber zu sprechen.

Nicht verfrüht ist es, über die deutlich angehobenen Prognosen zu sprechen. Der Umsatz 2018 soll massiv steigen und auch der Gewinn einen deutlichen Sprung machen. Wie sehen die Planungen im Detail aus?
Schauen wir uns zunächst an, wie das Zahlenwerk von IBU-tec im vergangenen Jahr aussah. Der Umsatz lag bei 16,8 Millionen Euro und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, das Ebitda also, bei 4,3 Millionen Euro vor Kosten des Börsengangs. Im laufenden Jahr erwarten wir nun annualisiert einen Umsatz von 45 bis 50 Millionen Euro und ein bereinigtes Ebitda von 5,5 bis 7 Millionen Euro. Das sind natürlich deutliche Sprünge und man darf nicht vergessen, dass wir in den verbleibenden sechs Monaten des Jahres noch keine wirkliche Möglichkeit haben umfangreiche Synergien zu heben und Prozesse so zu optimieren, dass dies schon in den Zahlen sichtbar wird. Die Erfolge unserer Integration wird man also erst im Ergebnis ab 2019 sehen.

Wie sehen die Planungen dafür aus?
Das haben wir noch nicht kommuniziert, aber Sie dürfen sicher sein, wir möchten die genannten Potenziale heben und haben uns einiges vorgenommen.

Der Kapitalmarkt ist derzeit aber noch eher zurückhaltend…
So einen Quantensprung, wie IBU-tec ihn gerade erlebt, muss die Börse vielleicht erst einmal realisieren. Wir werden jetzt noch stärker als bislang den Dialog mit Investoren suchen und die neue Dimension unseres Unternehmens vermitteln, denn aus meiner Sicht ist unsere Aktie derzeit und vor allem nach der Akquisition deutlich unterbewertet.

Wo ist denn ihr persönliches Kursziel?
Wir sorgen für den operativen Erfolg – konkrete Kursziele müssen Analysten ermitteln. Ich finde nur, wenn wir unseren Gewinn im laufenden Jahr um 30 bis 60 Prozent steigern, wäre es nicht unangebracht, wenn der IBU-tec Aktienkurs eine ähnliche Entwicklung nähme. Das ist meine ganz persönliche Meinung als langfristig an das Unternehmen gebundener Großaktionär.

Das würde Aktienkurse für IBU-tec von gut 22 bis 28 Euro bedeuten?
Den Rechenweg kann ich nachvollziehen [lacht].

 

IBU-tec-Aktie (Tageschart): Kurs unter der 200-Tage-Durchschnittslinie

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Bildquelle: IBU-tec

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