Christian Nemeth, Zürcher Kantonalbank

Christian Nemeth / Zürcher Kantonalbank // Ausblick 2021

by • 29. Dezember 2020 • AußenvisionenComments (0)489

2020 stand ganz im Zeichen der Corona-Krise. Doch zumindest an den Finanzmärkten herrscht am Jahresende Aufbruchsstimmung. Wirkungsvolle Impfungen sind nicht mehr nur ein Silberstreif am Horizont. Entscheidende Fortschritte wurden erzielt und der Weg zurück zur Normalität ist vorgezeichnet. Das schlägt auch auf die Aktienkurse durch: Zusätzlich befeuert durch den Ausgang der US-Wahlen, war der November einer der stärksten Aktienmonate der letzten Jahre.

Die guten Nachrichten aus der Forschung sind Balsam für die Seele – auch für jene der Anleger. Es zeigt sich erfreulicherweise eine beschleunigte Entwicklung von wirkungsvollen Impfstoffen durch mehrere Anbieter. Hierbei handelt es sich um einen wahren Game Changer, weil dadurch die wirtschaftlichen Risiken erheblich reduziert werden.

Ein wirksamer Impfschutz ist die Voraussetzung für die Rückkehr zur Normalität und dafür, dass die Menschen wieder zu einem Mobilitätsniveau zurückfinden werden, wie wir es vor dem Ausbruch der Pandemie gekannt haben. Angesichts der jüngsten Fortschritte bei den Vakzinen hat die Zürcher Kantonalbank ihre BIP-Wachstumsprognosen 2021 für Europa und die USA deutlich angehoben: Für die Eurozone von 4,4 Prozent auf 5,0 Prozent und für die USA von 4,0 Prozent auf 4,8 Prozent.

Während bislang vor allem negative Berichte zum Lockdown und über den Anstieg positiver Testergebnisse und Todesfälle die Schlagzeilen dominierten, sollte sich in den nächsten Wochen und Monaten die Stimmungslage drehen. Regierungen schmieden Pläne, wie Personengruppen nach der Reihe in Tranchen geimpft werden und sind auf dem besten Weg, wieder Herr der Lage zu werden.

Auch wenn vor allem in der Eurozone im vierten Quartal 2020 die Wirtschaft nochmals schrumpfen wird, ändert sich der Blickwinkel. Die Finanzmärkte blicken durch dieses Wellental hindurch und antizipieren die besseren Aussichten für 2021 und 2022. Das Glas scheint nicht mehr halb leer, sondern halbvoll. Das hat sich im November auch in Form von Kursanstiegen an den Aktienmärkten manifestiert. Die Börsen richten den Blick auf das große Ganze und messen vereinzelten Rückschlägen nicht zu viel Bedeutung bei. Der Risikoappetit der Investoren hat wieder spürbar zugenommen.

Als die Aktienkurse im Sommer zu einem ersten Höhenflug ansetzten, war die Marktbreite noch sehr gering. Der Aufschwung wurde damals nur von einigen wenigen starken Titeln im Tech-Bereich getragen. Im November zeigten sich die Aktienmärkte von einer komplett anderen Seite: Eine Sektorrotation von defensiven hin zu eher zyklischen Werten wie Automobilindustrie oder Finanzen wurde vollzogen: Technologiewerte haben zuletzt schwächer performt als die 2020 in beispielloser Weise „geprügelten“ zyklischen Branchen.

In der Anlagepolitik sollte man auf diese Entwicklung Rücksicht nehmen. Der Anteil der europäischen Aktien kann wieder erhöht und insgesamt die Aktienquote auf „übergewichten“ gestellt werden.

Langfristig orientierte Anleger sollten jedoch von zu starken Änderungen in der Allokation Abstand nehmen und Tech-Aktien nicht ganz abschreiben. Viele der in den letzten Monaten beobachteten Marktverschiebungen lassen sich nicht wieder vollständig umkehren. Es ist nicht zu erwarten, dass beispielsweise der Online-Handel seine Marktanteilsgewinne wieder komplett abgeben wird oder dass alle Unternehmen geschlossen vom Home Office in den Büroalltag zurückkehren werden.

Zudem werden personalintensive und unterdurchschnittlich produktive Sektoren wie etwa freizeitnahe Branchen eine längere Erholungsphase benötigen. Wir empfehlen für die Depots daher eine Barbell-Strategie mit einer ausgewogenen Mischung aus Value- und Growth-Unternehmen.

Zentrale Vermächtnisse der Pandemie sind eine aktivere und expansivere Fiskalpolitik, eine höhere Staatsverschuldung sowie ein anhaltendes Tiefzinsumfeld. Die Regierungen und Notenbanken werden mit ihren zur Verfügung stehenden Instrumenten weiterhin für Unterstützung sorgen.


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Zusammen mit einem sich aufhellenden Wirtschaftsausblick ergibt sich ein positives Anlageumfeld. Der asiatisch-pazifische Raum hat einen zeitlichen Vorsprung in der Pandemie-Bekämpfung und wird 2021 die globale Konjunkturerholung anführen. Europa leidet derzeit stark unter den Auswirkungen der zweiten Lockdown-Maßnahmen. Mit Blick auf einen wirksamen Impfschutz sollte die Region 2021 aber aufholen und überproportional von der wirtschaftlichen Erholung profitieren. Von Christian Nemeth, Chief Investment Officer der Zürcher Kantonalbank Österreich.

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