Twitter Aktie // Chef stellt die Sinnfrage: Braucht die Welt Tweets?

by • 29. Juli 2015 • AktienvisionenComments (0)1387

Es wird nun ganz schwer für die Twitter-Aktionäre. Interimschef Jack Dorsey hat sozusagen die Frage aller Fragen gestellt, die Sinnfrage: Braucht die Welt Twitter? Natürlich hat er das nicht wörtlich so gesagt, aber zwischen den Zeilen scheint das doch sehr durch. „Die Menschen weltweit kennen Twitter“, analysiert Dorsey, „aber sie wissen nicht, warum sie Twitter nutzen sollen“. Das klingt gar nicht nach fröhlichem Gezwitscher bei Twitter, sondern eher Trübsal blasen. Den Aktien-Kurs von Twitter hat das um satte 13 Prozent nach unten gerissen. Warum auch in ein Unternehmen investieren, das selbst nicht so recht weiß, wozu es eigentlich gut ist.

Dabei ist Twitter, so Dorsey, durchaus zufrieden mit den Zahlen – BTW, der Verlust hat sich nur minimal von 114 auf 137 Millionen Dollar verringert –, aber man hadert doch erheblich mit dem nicht vorhandenen Wachstum der Anhängerschaft. „Das ist nicht akzeptabel und wir sind nicht glücklich darüber.“ Das dürfte eine starke Untertreibung sein. Die MAUs (monatlich aktiven User) haben um 15 Prozent von 308 auf 316 Millionen zugenommen. Andere Dienste wie Instagram, WhatsApp oder Snapchat wachsen da viel schneller. Das User-Wachstum von Twitter wird immer schwächer (siehe Grafik unten).

Twitter sei letztlich zu kompliziert, weshalb es ein Hauptziel sei, Twitter einfacher zu machen und diese besser zu vermitteln. Gut, nun weiß ich nicht, was an 140-Zeichen-Nachrichten kompliziert sein soll, aber in der Tat sind die Vorteile von Twitter nicht allzu bekannt – ein Manko. Zumindest im Wirtschafts- und Finanzbereich sowie in politischen Dingen ist Twitter als Newsticker überragend. Nachrichten werden wohl von kaum einem andern sozialen Medium derart schnell und schnörkellos übertragen. Hier will Twitter wohl auch ansetzen und „Fenster“ und „Mikrofon“ in und für die Welt sein. Relevante Nachrichten sollten noch schnell zugänglich gemacht werden, direkt von der Quelle, wie das bei Twitter üblich ist.

Ob das massenmarkttauglich ist? Ich mag dieses direkte sehr, zudem kann man auch man auch unter einem Avatar (anonym) tweeten und hat Follower und keine Freunde, das heißt, es hört und liest nicht immer die ganze Verwandtschaft mit. Es geht nicht oder weniger um Persönliches, sondern eher um Allgemeines. Das ist sehr angenehm, aber vielleicht auch eine Schwäche von Twitter, ebenso wie die immer wieder vor Eitelkeit triefenden Tweets oder die Userschaft fühlt sich moralisch so überlegen, dass sie immer wieder Entrüstungslawinen losbricht.


Twitter hat für mich vor allem als Nachrichtendienst eine Zukunft (so nutze ich Twitter auch) – und würde deshalb vermutlich auch gut zu Google passen (das ewige Übernahmegerücht). Spaß machen die neuen Twitter-Dienste Periscope (Live-Streaming) und Vine (6-Sekunden-Filme).

Die Aktie befindet sich nun auf dem Niveau ihres Allzeittiefs vom Mai 2014. Man muss abwarten, ob dieses Niveau hält. Für Twitter spricht seine Marke, die neuen Dienste und die Übernahmefantasie, aber Twitter darf in Zukunft deutlich weniger Geld verbrennen.

Twitter-Aktie: nahe dem Allzeittief

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Immer schwächeres User-Wachtum bei Twitter

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Bildquelle: Periscope

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