Deutsche Bank // Verworren in der Krise

by • 21. Mai 2015 • PlusvisionenComments (0)2208

Hochamt der Aktionärsdemokratie, Hauptversammlung bei der Deutschen Bank. Es prasselt viel Kritik. Die Aktionäre sind unzufrieden. Der Aktienkurs ist zu niedrig. Das Image ist schlecht. Man fragt sich, ob die Vorstände der Bank mehr im Gerichtssaal sitzen oder generell mit der Aufarbeitung eines der 7.000 anhängigen Verfahren beschäftigt ist. Ach ja, neben all den Rechtsstreitigkeiten ringt das Geldinstitut auch noch um die richtige Strategie für die Zukunft. Der Aufsichtsratsvorsitzende und Über-Vorstand Paul Achleitner hat schon mal klargestellt, dass bei einer globalen Universalbank aus Privatkundengeschäft und Investmentbanking bleibt. Dann wird es allerdings schwammig. Wie konkret soll das aussehen? Nun, jetzt wird die Postbank wieder abgestoßen und man hofft damit glücklich zu werden. Der Privatkundenvorstand Rainer Neske scheint von diesem Schritt nicht sonderlich angetan gewesen zu sein. Er geht – und wird gefeiert.

Hat sich damit Anshu Jain und seine Investmentbankergilde durchgesetzt? Mitnichten. Aber die Lage sei ernst, sagt zumindest Achleitner, weshalb er um Entschuldigung bitte, dass Jain nur auf Englisch spreche. So wird Jain zum Milli oder Vanilli der Banken-Branche. Er bewegt die Lippen, man hört ihn nicht, sondern nur den Übersetzer. HV im Vollplayback.

Der Aktien-Kurs der Deutschen Bank gibt um 0,5 Prozent nach. Aufbruch sieht anders aus. Es ist auch alles andere als klar, wohin die Bank unter Anshu Jain und Jürgen Fitschen steuert. Ist es zu viel verlangt, dass als Aktionär wissen zu wollen?

Nachtrag: Lediglich 61 Prozent wollten Jain und Fitschen auf der Hauptversammlung entlasten. Üblich sin auf HVs eher 90 plus. Das Ergebnis kommt einer Bewährungsstrafe gleich. Man wird bald sehen, ob sie noch die Richtigen für einen Neuanfang sind. 

Interessant im Geschäftsbericht/Finanzbericht der Bank ist noch die Seite 125. Dort findet sich das Volumen der Derivate-Kontrakte der Bank. Die gute Nachricht: es hat abgenommen. Die schlechte: es beträgt nach wie vor 52 Billionen Euro, wohlgemerkt bei einem Börsenwert der Bank von 40 Milliarden Euro. Das Bruttoinlandprodukt der Bundesrepublik Deutschland betrug 2014 übrigens 2,9 Billionen Euro.


Deutsche Bank Aktie

Charttechnisch muss nach wie vor der langfristige Abwärtstrend überschritten werden. Angekratzt wurde er schon, aber der Kurs ist wieder nach unten abgeprallt, wie soll das auch anders sein, wenn die Strategie so unklar bleibt.

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Kurz-Analysen von Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Bildquelle: Deutsche Bank


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