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Japan // Liebling, komm wir blasen die Börse auf

by • 9. September 2015 • BörsenvisionenComments (0)1793

Ich liebe die japanische Börse. Wenn sich eine Regierung so derart um steigende Kurse bemüht, das verdient schon eine gute Portion Zuneigung. Eigentlich ist in Japan wirtschaftlich nicht allzu viel los. Nach minus 0,1 Prozent im vergangenen Jahr, soll die Wirtschaft in diesem Jahr um 0,8 Prozent zulegen, laut Internationalem Währungsfonds (IWF). 2016 könnten es dann 1,2 Prozent Expansion sein, immerhin. Die Preisentwicklung bleibt nach dem Ausreißer im zurückliegenden Jahr mit plus 2,7 Prozent aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung in diesem und im nächsten Jahr mit plus/minus einem Prozent doch eher bescheiden. Man schrammt halt an einer Deflation vorbei.

Japan altert gewaltig. Die eigene Bevölkerung investiert nicht mehr so recht, die Alten, weil sie nicht mehr wollen und die Jungen, weil ihnen das Geld dazu fehlt. So ist Japan auf seine Exportstärke angewiesen. Doch da war erst die Finanzkrise und nun läuft es mit China nicht mehr so besonders.

Also muss Japan seine Wirtschaft und die Börse künstlich befeuern. Quantitative Easing (QE), der Aufkauf von Staatsanleihen durch die Notenbank, wurde sozusagen in Japan erfunden. In gewaltigen Mengen werden jeden Monat von der Bank of Japan am Markt Staatsanleihen abgeschöpft und in Geld verwandelt. Diese Geld finanziert dann die horrende Staatsverschuldung von knapp 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und weicht zugleich den Yen auf. Beides ist zunächst praktisch, denn Japan kann sich sorglos neu-verschulden (etwa für Konjunkturprogramme) und zugleich verbessert der niedrigere Yen die Exportchancen und importiert Inflation. Das ganze nennt sich dann Abenomics nach dem Premier Shinzo Abe, der diese Wirtschaftspolitik auf den Weg gebracht hat, um die Dauerdeflation zu bekämpfen.


Die Börse hat diese Politik in den vergangenen Jahren ausgiebig gefeiert: Der Nikkei 225 stieg von rund 8.500 auf mehr als 20.000 Punkte – und überschritt diese Marke erstmalig nach 15 Jahren wieder. Doch dann kam der China-Crash und mit ihm kamen auch die Kurse am Kabutocho gehörig ins Rutschen. Nun hat Shinzo Abe angekündigt die Unternehmenssteuern zu senken – von fallenden Kursen hat man in Tokio genug nach gut 20 Jahren Baisse. Die Nachricht hat gereicht, um den Nikkei um knapp 8 Prozent nach oben zu bringen.

Japan kann/darf seine Geldmaschine nicht stoppen. Zu hoch ist die Staatsverschuldung und zu niedrig ist das Wachstum. Die Regierung hat den festen Vorsatz die Wirtschaft zu inflationieren. Für die Anleihenkäufe steht zurzeit ein Volumen von 80 Billionen Yen (knapp 600 Milliarden Euro). Falls notwendig würde sicherlich weiter aufgestockt. Das wird den Yen tendenziell schwächen und den Nikkei weiter nach oben bringen. Liebling, komm wir blasen die Börse auf.

Grafiken zum Durchklicken

Japan_M1_Yen

Japan_M1_Yen

Inflationierung: immer mehr Geld wird in die Wirtschaft gepumpt

DollarYen_090915

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Seit 2012, dem Beginn der Abenomics, verliert der Yen gegenüber dem Dollar an Wert

Nikkei_090915

Nikkei_090915

Abenomics haben den Nikkei aus der Tiefe gehoben

Japan_Haushalt_2015

Japan_Haushalt_2015

Die Staatseinnahmen (Steuereinnahmen) wachsen zwar steil (zuletzt 54 Billionen Yen), aber es klafft immer noch eine gewaltige Lücke zu den Ausgaben.

Japan_Bond_Zinsen

Japan_Bond_Zinsen

Nur durch die extrem niedrigen Zinsen sind die Zinszahlungen angesichts der steigenden Bond-Emissionen im Griff zu behalten.

Japan_Schulden

Japan_Schulden

Japans steigender Schuldenberg: knapp 250 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt

Bildquelle: Helmut Brunken  / pixelio.de

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