Stephan Albrech

Albrech & Cie Vorstand Stephan Albrech // Das Aktienjahr 2015 dürfte positiv überraschen

by • 8. Januar 2015 • AußenvisionenComments (0)1610

Eine Außenvision von Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung in Köln. Er sieht aufgrund der kaum vorhandenen Inflation und der extrem niedrigen Anleihezinsen in diesem Jahr ein Plus von mehr als zehn Prozent am Aktienmarkt. Aber es gebe auch ein paar dunkle Wolken.

Erinnern Sie sich an das Jahresende 2013? DAX und Euro Stoxx 50 gewannen auf den letzten Metern mehr als 26 beziehungsweise 18 Prozent. Viele Häuser prophezeiten daraufhin für 2014 spektakuläre Zugewinne. Wir waren da etwas vorsichtiger – und behielten recht: Mit Ausnahme der USA wuchsen die Aktienmärkte nicht gerade in den Himmel.

Für 2015 sind wir aus mehreren Gründen optimistischer gestimmt. Zum einen schichten sehr große Kapitalanleger wie Pensionsfonds oder Versicherungen ihre Portfolios erfahrungsgemäß zum Jahresende um. Dann fließen Erträge aus der Gewinner-Anlageklasse des Vorjahres in den Kauf der Nachzügler, um die gewünschte Asset Allocation im Portfolio herzustellen. 2014 hatten Staatsanleihen klar die Nase vorn, was insbesondere den günstigen Aktien aus Euroland einen Schub verleihen könnte.

Zum anderen zeigt der Blick in die Statistik, dass Jahre mit einer 5 am Ende – wie 2015 – die stärksten Jahre in einem Jahrzehnt sind. So stieg der amerikanische Dow-Jones-Index in den entsprechenden zehn Jahren des 20. Jahrhunderts im Durchschnitt um sage und schreibe 35 Prozent an; es gab kein einziges Verlustjahr! Die Statistik der sogenannten Vorwahljahre macht ebenfalls Mut: Die Jahre vor der US-Präsidentschaftswahl, wie 2015 eines ist, sind im gesamten vierjährigen Wahlzyklus die stärksten Jahre nicht nur für den Dow Jones, sondern auch für den DAX. Beim Dow Jones reichen die Daten bis 1896 zurück, beim zurückberechneten DAX bis 1955.


Doch nicht nur Asset Allocation und Statistik sprechen für ein gutes Aktienjahr. Die 2014 erneut stark gesunkenen Anlagezinsen dürften ebenfalls dafür sorgen, dass neues Geld vorrangig in die Aktienmärkte fließt. Schließlich ist eine Rendite von 0,6 Prozent [inzwischen bei 0,48 Prozent] für die zehnjährige Bundesanleihe fast unterirdisch. Die Dividendenrendite von drei Prozent ist kaum konkurrenzfähig. Dank der (geplanten) Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank wird sich daran auch nichts ändern; eher könnten die Zinsen noch etwas sinken.

Schließlich könnte sich der einbrechende Ölpreis als veritables Konjunkturprogramm für die Industrie- und manche Schwellenländer entpuppen. Während Russland, Norwegen und etliche OPEC-Staaten von einem Ölpreis von 60 US-Dollar hart getroffen werden, sinkt die Ölrechnung für die USA, Japan, die Euro-Zone, China und Indien laut Expertenschätzungen um fast 400 Milliarden Dollar – viel Geld, das nicht nur dem Konsum, sondern auch den Unternehmensgewinnen zugutekommen dürfte.

Welche Risiken bestehen für dieses Szenario? Ein Störfeuer könnte zum einen von der Entwicklung in Russland und in der Ukraine kommen. Was passiert, wenn die Einnahmen und die Währung Russlands wegen des Ölpreises und des Vertrauensverlusts kollabieren und Präsident Putin deswegen in die (militärische) Offensive geht? Zum anderen könnte die US-Notenbank die Kapitalmärkte kräftig verunsichern, wenn sie die Leitzinsen zu schnell und zu kräftig anhebt.

Bildquelle: Albrech & Cie Vermögensverwaltung [bearbeitet]


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