Rubrik: Cash Test Dummy

Verschwörungstheoretiker aufgemerkt! Der Ökonom Kenneth Rogoff will das Bargeld abschaffen. Das sei längst überflüssig. Sozusagen ein „Relikt aus der Vergangenheit“, wie es Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele auf einem Bargeld-Symposium im Mai abtat. Rogoff kommt aus den USA und lehrt an der renommierten Harvard-Universität und sprach dieser Tage auf einer Veranstaltung des Ifo-Instituts in München.

Bargeld ist Regierenden und vermutlich auch Notenbanken irgendwie ein Dorn im Auge, so scheint es. Das mag daran liegen, weil es in unserer vernetzten und technisierten Welt ein Anachronismus darstellt. Es passt nicht mehr so recht in unsere Zeit, in der man im Internet jeden Klick nachverfolgen kann, jeden Kauf, jede Zahlungsbewegung; Depots, Wertpapiere, Konten, alles ist im Prinzip transparent und einsehbar und damit letztlich kontrollierbar. Bargeld dagegen ist schrecklich anonym und frei, wenn man das so sagen will. Man kann damit shoppen, ohne das Paypal oder Payback oder Amazon weiß, was wir kaufen, man kann es unter das Kopfkissen oder in den Strumpf stecken, ohne dass davon jemand etwas mitbekommen muss.

9. November. 25 Jahre Mauerfall. Was heißt das eigentlich aus der Sicht der Wirtschaft? Hat der Kapitalismus/Liberalismus nun über den Sozialismus/Kommunismus gesiegt? Für was steht der Kapitalismus ein viertel Jahrhundert später? Steht längst wieder eine gesellschaftliche Mauer? Und, wird der Kapitalismus womöglich ebenso kläglich scheitern wie einst die sozialistische Wirtschaft der DDR? Am Ende war die DDR wirtschaftlich vor allem eins: total Pleite. Überkommene Industriestrukturen, geringe Produktivität, bröckelnde Straßen und Fassaden, Umweltverschmutzung, Mangelwirtschaft … Autos, Telefone und wer weiß noch alles, nur auf Zuteilung und langem Warten.

Es sind die Klassiker des Geldanlagefrusts: keine Lust, keine Zeit, kaum Wissen, wenig Vertrauen, Angst vor Fehlentscheidungen und das „allerletzte, was ein Anleger will, ist persönliche Beratung“, analysiert Stefan Mittnik, Experte für quantitative Risikoanalyse an der Uni München auf der Jahrestagung 2014 des Münchner Finance Forums. Was noch hinzukomme, sei ein schlechtes Image der Branche, diese sei oft zu teuer und liefere nur mäßige Performance, einmal abgesehen von einer zeitgeistfernen Kommunikation. Geldanlage bleibt daher ein Reizthema, für uns alle und wenn, so wie derzeit, am Markt für das Ersparte nur Zinsen in homöopathischer Dosis gezahlt werden, dann wird Investieren sogar zum Verzweifeln.

Ich bin sehr dafür, dass jeder das mit seinem Geld tut, was er will: ausgeben, unters Kopfkissen legen, auf dem Konto lassen, Aktien kaufen … Deshalb soll es hier auch nicht um dumpfe Renditemaximierung gehen, sondern um die Auseinandersetzung mit Geld, wovon wir tendenziell (gefühlt) alle viel zu wenig haben. Zudem hat Geld offenbar die Eigenschaft, sich über die Jahrzehnte an bestimmten Stellen zu sammeln. Der Volksmund sagt dazu: Der Teufel scheißt auf keinen kleinen Stein.

Zinsen sind ja eine sehr heikle Angelegenheit und deshalb auch immer wieder Anlass für mehr oder weniger heftige Kontroversen. Das das mag zu einem großen Teil daran liegen, dass der eine sie zahlen muss und der andere sie bekommt. Aber Zinsen wurden immer wieder auch ethisch angezweifelt. Sie galten/gelten als „größtes Unglück“ (Luther), als „widernatürlich“ (Aristoteles) und für Albert Einstein war es in der erweiterten Variante des Zinseszinses wahlweise die „größte Erfindung des menschlichen Geistes“ oder die „stärkste Kraft im Universum“.

Es wirkt wie ein Zweifrontenkrieg. Auf der einen Seite: „Nur Bares ist Wahres“ oder „Cash mach fesch“. Auf der anderen: „War on Cash“ oder „No Cash Day“ oder „Wir nehmen leider keine 200 oder 500 Euro-Scheine an“. Die Bargeldgegner sagen immer wieder, dass Bargeld die Kriminalität fördere, weshalb etwa in Italien Bargeldgeschäfte über 1.000 Euro verboten sind oder in Frankreich über 3.000 Euro. Die Frage ist allerdings: Würde einem Teil der Kriminellen wirklich die Geschäftsgrundlage entzogen, wenn sie kein Bargeld mehr hätten – oder würden sie andere Wege finden? Meist ist auch das Verbrechen recht findig. Kürzlich wurde getwittert und geliked, dass Geld unglaublich schmutzig und bestimmt sogar gesundheitsgefährdend ist. Es ist ein Wunder, dass die Menschheit am Gebrauch von Bargeld noch nicht ausgestorben ist, bei all den Keimen, die darauf lauern. Wie sagte schon Kaiser Vespasian im alten Rom? „Pecunia non olet!“ „Geld stinkt nicht!“Er führte für öffentliche Toiletten und das Sammeln von Urin für die Gerber eine besondere Steuer ein.

Er scheint den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Thomas Piketty, französischer Ökonom und Autor des 796-Seiten-Werks „Le capital au XXle siècle“ – „Das Kapital im 21. Jahrhundert“. Bislang ist das Buch in französischer und englischer Sprache erschienen. Im kommenden Frühjahr soll es auch auf Deutsch herauskommen. In der Amazon-Bestseller-Liste befindet es sich seit Wochen ganz oben. Es wurde in den USA auch schon als „Wirtschaftsbuch des Jahres, wenn nicht Jahrzehnts“ bezeichnet.

Hören Sie manchmal den Affen (Gott, den großen Programmierer oder was immer Sie wollen) im Universum lachen oder zumindest kichern? Ich schon. Nein, nein, nicht so, wie Sie nun vielleicht denken. Da sitzt er dann, um zu gucken, was er so codiert hat für den Planeten Erde – und was sieht er: Da fahren die Menschen sehr tief unter die Erde und holen von da unten diese winzigkleinen glänzenden Fitzel heraus, die ganz rar sind im Quellcode, weil irgendein Hilfsprogrammierer, eigentlich eine wunderbare Idee zu den Fitzeln hatte, diese dann aber beim Programmierermeeting nicht durchsetzen konnte, weil man ihm die gute Idee als Hilfsprogrammierer nicht gönnte, und so blieb dieser Anfangsrestcode stehen, da ihn auch niemand löschen wollte, man wusste ja nicht, wozu er gut war oder einmal gut sein könnte. Schließlich gewann die Fitzel dann noch einen Humorpreis, aber davon bekam der Hilfsprogrammierer schon nichts mehr mit, er codierte inzwischen an der schwarzen klebrigen Masse herum, die auch unter der Erde lagern sollte. Er blieb seinem Hang zu skurrilen Dingen somit treu.

Mal ehrlich, wieso muss der Staat ein Monopol zum Gelddrucken haben? Könnte nicht einfach jeder? Und wenn einer eine besonders vertrauenswürdige Währung hat, denn Vertrauen ist das Wichtigste in einem Papiergeldsystem, weil die Scheine an sich ja keinen Wert haben, dann setzt sich dieser mit seiner Währung durch. Im Prinzip kann auch jeder. Immer wieder gibt es Versuche mit Alternativwährungen wie beispielsweise dem Chiemgauer. In der Regel sind solche Währungen aber nur auf bestimmte Regionen begrenzt. Wer mit dem Chiemgauer etwa in Hamburg oder Berlin oder gar in Tokio oder London bezahlen will, stößt schnell an Grenzen. Mit dem Euro kommt er da weiter. Auch könnte es knifflig werden, den eigenen Chef davon zu überzeugen, das Gehalt künftig etwa in Chiemgauer auszuzahlen. Wie ist da eigentlich die Verrechnungseinheit? Und was ist mit der Steuer? Eine Währung braucht eine gewisse Allgemeingültigkeit, sie muss Zahlungsfunktion besitzen.

Tom Perkins, Multimillionär und Mitgründer des Venture-Capitalist Kleiner Perkins Caufield Byers, der die Diskussion um die Reichen auch schon mal mit den Pogromen gegen die Juden vergleicht, hat jetzt gefordert, dass Stimmengewicht bei Wahlen mit der Höhe der gezahlten Steuern zu koppeln. Ergo: Wer reich ist und viel Steuern zahlt, dessen Stimme solle auch mehr Bedeutung haben.

Sind Bitcoins nicht etwas wunderbares? Stellen sie nicht ein logische und notwendige(?) Weiterentwicklung unsers Geldsystems dar? Ist eine Kryptowährung nicht quasi tief in der DNS des Kapitalmarkts verankert und hat dort lediglich all die Jahre geschlummert?

Inzwischen werden Bitcoins ja auch schon bei der Sonntagskollekte (in London) akzeptiert. Die Kryptowährung scheint auf dem Vormarsch. Russland und China sprachen bereits Verbote und Einschränkungen aus. Die Nerd-Währung war lange ein Randphänomen, doch mit der Finanzkrise haben Bitcoins zunehmend an Bedeutung gewonnen. Bangen die Notenbanken bereits um ihr staatliches Geldmonopol? Wohl kaum. Aber vielleicht gilt ja: wehret den Anfängen. [hr]