Das überrascht: Die Wacker Chemie-Aktie legte in den vergangenen drei Monaten rund ein Viertel an Wert zu. Auf Jahressicht steht gar ein Plus von mehr als 80 Prozent. Vor dem Hintergrund der schwächelnden Chemie-Industrie ist dies tatsächlich verwunderlich. Und auch die frisch vorgelegten Zahlen für das erste Quartal sowie der Ausblick auf das Gesamtjahr sorgen eigentlich nicht für Optimismus.
Zunächst zu den nackten Fakten: Im ersten Quartal erzielte Wacker Chemie einen Umsatz von 1,41 Milliarden Euro, was einem Rückgang von rund fünf Prozent entspricht. Dem steht gegenüber, dass das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mit 173 Millionen Euro um 45 Prozent über dem Vorjahreswert lag. Dabei muss aber angemerkt werden, dass das Vorjahr sehr schlecht lief, weshalb ein Anstieg keine Überraschung darstellt, die Höhe jedoch schon positiv überrascht.
Dies ist auch an der Ebitda-Marge von 12,3 Prozent abzulesen, die durchaus positiv zu bewerten ist. Möglich war dies, da der Konzern Kosten reduzierte. Zudem haben vorgezogene Kundenbestellungen, die im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten stehen, das Ergebnis gestützt. So war es möglich, die Markterwartungen zu übertreffen.
Dabei fügte Konzernchef Christian Hartel jedoch an, dass er noch keine Trendwende erkennt. Vielmehr berichtet er von einer teilweise weiterhin schwachen Nachfrage. Zudem sieht er negative Effekte aus dem Konflikt im Nahen Osten. Aus diesem Grund gibt es auch keine Änderung bei der Ebitda-Prognose für das Gesamtjahr. Sie liegt unverändert bei 550 bis 700 Millionen Euro. Beim Umsatz kalkuliert der Firmenlenker nun allerdings mit einem Wachstum im einstelligen Prozentbereich, was bislang nicht der Fall war.
Dem Wacker Chemie-Kurs hat zuletzt auch geholfen, dass sich die Siltronic-Aktie (WAF300) gut entwickelt hat. Denn an Siltronic hält Wacker Chemie weiterhin rund 31 Prozent. Zudem erwies es sich tatsächlich als hilfreich, dass die Markterwartungen im Q1 übertroffen wurden und die Umsatzprognose leicht erhöht wurde.
Wir hatten die Wacker Chemie-Aktie (WCH888) zuletzt im März 2025 [HIER klicken] unter die Lupe genommen. Damals notierte der Titel im Bereich von 75 Euro. Heute sind es rund 30 Prozent mehr, trotzdem raten wir nicht zum Direktinvestment. Denn mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 34 auf Basis der Schätzungen für 2027 ist der Wert auf diesem Niveau sehr gut bezahlt. Zudem ist das zyklische Branchenumfeld zu negativ.
Im März 2025 hatten wir allerdings ein Discount-Zertifikat (SY65WC) mit Cap bei 80 Euro und Bewertungstag im September 2025 empfohlen [HIER klicken]. Da der Basiswert am Stichtag klar unter dem Cap durchs Ziel ging, wurden den Anlegern Aktien ins Depot geliefert, deren Einstiegspreis bei 67,99 Euro liegt. Dies entsprach dem damaligen Zertifikate-Kurs. Hier können Anleger nun das erhöhte Kursniveau der Aktie nutzen und ihre Papiere wieder mit einem Gewinn von rund 30 Euro pro Anteilschein oder mehr als 40 Prozent verkaufen.
Eine defensive Anlageidee ist nun erneut ein Discount-Zertifikat. Unser Favorit (FD4HCQ) läuft bis zum 18. Dezember 2026. Der Cap liegt bei 90 Euro. Geht der Basiswert unter dem Cap durchs Ziel, werden dem Anleger Aktien ins Depot geliefert. Der Einstandspreis liegt dann bei 81,21 Euro, was dem aktuellen Zertifikate-Preis entspricht. Verweilt die Wacker Chemie-Aktie hingegen über der 90-Euro-Marke, erhält der Anleger 90 Euro in Cash. Daraus ergibt sich eine Maximalrendite von 10,8 Prozent oder 16,3 Prozent p. a., was für den entgangenen Aktieneinkauf mehr als ausreichend entschädigt.
Wacker Chemie-Aktie (Tageschart): strammer Erholungskurs


