ZeroCovid, NoCovid, Coronavirus Covid 19

ZeroCovid – NoCovid // Der Zauber der Null und die Börse

Von • 28. Januar 2021 • Cash Test Dummy, FeatureComments (0)1321

Was hat die Diskussion um ZeroCovid oder die abgeschwächte Variante, NoCovid, mit Aktien oder der Börse zu tun? Letztlich sehr viel, schließlich geht es um die Frage, wie Corona-Pandemie überwunden werden kann oder wie wir als Gesellschaft lernen mit dem Sars-Cov-2-Virus zu leben.

Einen „Aktionsplan für einen europaweiten koordinierten Schutz vor der neuen Sar-Cov-2-Variante“, wie es sperrig heißt, haben nun die Wissenschaftler Viola Priesemann (Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation), Melanie Brinkmann (Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung), Andreas Peichl (Ifo Institut) und andere entwickelt. Kernziel ist die „zügige Senkung der Fallzahlen in Europa“. Radikal, am besten bis auf Null, eine Nummer kleiner geht es nicht.

Das Ifo-Institut stellt den Aktionsplan während eines Zoom-Meetings (28. Januar 2021) mit Viola Priesemann, Melanie Brinkmann und Clemens Fuest vor – spannend und nachvollziehbar, zumindest bis zu einem gewissen Grad: da wird moduliert, simuliert und errechnet. Über Lockdown-Länge, Anzahl der Kontaktpersonen, Mutanten und Ansteckungsraten gesprochen. „Wenn es weniger Fallzahlen gäbe, dann wären diese leichter zu handhaben.“ Das leuchtet ein.

Die entscheidende Frage lautet jedoch: Wie dorthin kommen und wie diesen Status halten, schließlich gibt es genügend Beispiele, wo nach einem harten Lockdown die Zahlen auch wieder in die Höhe schnellten als gelockert wurde? Nein, eine Welt ohne Viren werde es nicht geben, das gelte auch Sars-Cov-2 und ZeroCovid, räumt Brinkmann ein.

Lockdown in Endlosschleife ist nicht praktikabel. Zu groß wären die gesellschaftlichen, sozialen, psychischen und wirtschaftlichen Folgen. Im Aktionsplan werden verschiedene Maßnahmen genannt.

Vereinfacht: testen, Reisen reduzieren, impfen, Quarantäne, gefährdete Personen besonders schützen, Masken tragen, Hygienemaßnahmen, Abstand und natürlich Kontakte reduzieren. Das heißt: „So wenig unterschiedliche Menschen wie möglich treffen; Home Office und Online-Unterricht implementieren und verbessern; kleine, stabile soziale Blasen und stabile Gruppen zu Hause und am Arbeitsplatz sollten gegenüber wechselnden Kontakten bevorzugt werden“.

All das ist schon bekannt. Letztlich komme es darauf an, dass alle möglichst gut alles mitmachen, sagt Priesemann. Doch leider sind alle auch schon sehr erschöpft und müde nach Monaten des Lockdowns. Also sind doch rigorosere, gar autoritäre oder semitotalitäre Maßnahmen notwendig? Brinkmann sieht das nicht, sie wolle Freiheit, statt Lockdown und favorisiere deshalb smarte Maßnahmen wie eine verbesserte App.

So richtig klar wird nicht, wohin die Reise gehen soll, zumal die kritischen Kontakte wohl systemimmanent in Pflegeheimen stattfinden. Stehen noch Monate mit Einschränkungen, auch von Grundrechten, bevor, eher wissenschaftlich festgelegte Inzidenz-Werte von unter 50 oder unter zehn erreicht werden?

Letztlich fehlt es auch an einer sauberen und ehrlichen Kommunikation. Was bedeutet NoCovid? Was sind die Ziele? Was sind die Maßnahmen? Vielleicht würden sich viel mehr auf einen zeitlich befristeten eingeschränkten Datenschutz für eine leistungsfähige App einlassen, wenn dafür beispielsweise wieder Gaststätten geöffnet würden, Schule, Sport, Freunde treffen, Einkaufen und ein maskenfreies Leben wieder möglich wäre.

Wer die Menschen nicht mitnimmt, überzeugt und begeistert, durch nachvollziehbare Lösungen, wird sich den Vorwurf eine „wissenschaftlichen Freiland-Experiments“ gefallen lassen müssen – und inzwischen hängen wir weiter fest, von der Politik in einem dystopischen Zustand zwischen Angst und Panik gehalten.

Fuest sagt: Rund 80 Prozent der Konsumeinbußen seien auf Furcht zurückzuführen und nur rund 20 Prozent auf den Lockdown. Menschen gingen aus Angst vor dem Virus nicht zu Veranstaltungen oder in den Shopping Center, auch bei einer Öffnung nicht.

Nach der Lufthansa und TUI braucht wohl auch Galeria Karstadt Kaufhof finanzielle Hilfe vom Staat. Nein, eine Art Sozialismus drohe nicht, sagt Fuest, auch wenn kurzfristig Staatshilfen fließen müssten. Jeder weiß allerdings: Auf Dauer wird das so nicht funktionieren, wirtschaftlich nicht und sozial schon gar nicht.

Leben ist Freiheit, Austausch und Nähe. Der Aktionsplan ist zumindest ein Gedankenanstoß, was ein Weg aus der Pandemie sein könnte, mehr nicht, dafür wirkt er zu technokratisch und utopisch: Wir machen jetzt mal richtig hart zu und dann ist alles gut. Vermutlich wird Covid-19 nicht verschwinden und saisonal immer wiederkehren.

Und die Aktienbörse? Sie hält sich auf Rekordniveau gestützt von Unmengen an billigem Geld und der Hoffnung auf eine Art Herdenimmunität (keine sterile Immunität) durch Ansteckung und Impfen.

Auch hier gibt es die Ahnung, dass Geld und Hoffnung allein langfristig nicht reichen, irgendwann müssen Gewinne her. Kurse auf Rekordniveau bedeuten: voll Kraft voraus, was in einem zermürbenden Dauer-Lockdown nicht möglich ist. Bröckelnde Kurse würden bedeuten: die Probleme werden größer, nicht kleiner.

Hier die Aufzeichnung der Ifo-Pressekonferenz:

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Bildquelle: Masum Ali / Pixabay

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