Im Chart der Volkswagen–Aktie (Vorzüge) hat sich eine charttechnische Flagge gebildet (siehe auch Tageschart unten). Nach der reinen Lehre sind solche Formationen in aller Regel Bestätigungen des vorherrschenden Trend. Bei der Volkswagen-Aktie ist dieser derzeit klar abwärts gerichtet [Plusvisionen hatte zuletzt HIER berichtet]. Gibt es dennoch Hoffnung?
Sollte der der VW-Kurs aus dem Wimpel nach unten ausbrechen, wären aus technischer Sicht wohl weitere Kurs–Verluste wahrscheinlich. Diese könnten sogar recht kräftig ausfallen, da eine Flagge/Wimpel meist die Hälfte einer Bewegung markiert.
Der erste Abwärtsschub wäre somit von 90 auf 70 Euro – und der nächste von 70 auf rund 50 Euro. Sollte es tatsächlich dazu kommen, könnte der Kurs „schon“ bei rund 56 Euro stoppen, denn dort befindet sich noch eine Unterstützung aus dem Jahr 2010, 2009 und 2006.
Ob es letztlich zu diesem erneuten Absacken kommt, ist noch nicht ausgemacht. Noch besteht auch die Hoffnung auf eine Bodenbildung bei 70 Euro, da die VW-Aktie bereits schon gehörig an Wert verloren hat, wobei, aus technischer Sicht, durch den Wimpel, derzeit ein weiteres Abgleiten etwas wahrscheinlicher erscheint.
Fundamental hat die Börse bereits gehörig Risiken bei Volkswagen eingepreist. Aktuell ist der VW-Konzern gerade einmal 36,4 Milliarden Euro bewertet (206.205.445 Vorzüge / 295.089.818 Stämme). Im zweiten Quartal 2026 kletterte der Umsatz um zwei Prozent auf 82,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis fiel allerdings um 9,5 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro und das Ergebnis vor Steuern sogar um 23,4 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro, was zu einer mageren Umsatz-Rendite vor Steuern von nur 3,1 Prozent führt.
Erfreulich war die Cash-flow-Entwicklung aus dem laufenden Geschäft im zweiten Quartal im Automobil-Bereich mit einem Plus von 10,3 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro beziehungsweise plus 24,5 Prozent auf 13,0 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2026. Der Netto-Cash-flow verbesserte sich im ersten Halbjahr von minus 1,4 auf plus 3,2 Milliarden Euro im Jahresvergleich. Ende des ersten Halbjahrs stand in der Bilanz eine Netto-Liquidität (im Automobil-Segment) in Höhe von 32,8 Milliarden Euro.
Die Börse bewertet VW damit, mehr oder weniger, lediglich noch mit dem Cash–Bestand; der Absatz von 4,0 Millionen Fahrzeugen im ersten Halbjahr (minus 8,4 Prozent zum Vorjahr, minus 31,6 Prozent in China!) zählt offenbar nicht mehr.
Bei allen Problemen (jüngst die Umsatzprognose auf minus drei bis null Prozent gesenkt), die der Konzern hat und auch angesichts der Sanierungskosten, die auf VW zukommen werden, ist das schon eine außergewöhnlich niedrige Bewertung, immerhin werden nach wie vor ordentlich Autos verkauft und damit auch Cash generiert. Aber ja, VW muss effizienter werden, was traditionell, bei den Familien- und politischen Verhältnissen im Konzern, sehr schwierig ist. Dennoch, die Börse blickt schon sehr pessimistisch in die Zukunft.
Spannend: VW hat in China einen strategischen Meilenstein erreicht: Zum ersten Mal in der Geschichte des VW-Konzerns können neue Fahrzeugplattformen und Schlüsseltechnologien vollständig außerhalb Deutschlands entwickelt und mit allen Freigabeprozessen zur Marktreife gebracht werden. VW kann damit gezielter für den chinesischen Markt und den dortigen Wünschen (Auto ist dort mehr Wohnung als Fahrzeug) bauen.
Volkswagen-Aktie (Vorzüge, Tageschart): Wimpel mit weiterem Abwärtspotenzial?



