Die Hamburger Reederei Ernst Russ hat heute ihren Geschäftsbericht 2025 vorgelegt. Die Zahlen, die sich darin finden, sind beachtlich und dürften so manchen Aktionär staunen lassen.
In der maritimen Wertschöpfungskette nimmt Ernst Russ die Rolle des sogenannten Shipowners / Tonnage Providers (Eigentümer der Schiffe) ein. Ernst Russ stellt somit Schiffe zur Verfügung, während der operativer Schiffsbetrieb dann von spezialisierten Dienstleistern erbracht wird. Dafür erhält Ernst Russ eine Charterrate, die sich von der Frachtrate für den Warentransport unterscheidet.
Derzeit hat Ernst Russ 25 (mittelgroße) Schiffe (vor allem Container-Schiffe) mit einem durchschnittlichen Alter von 17,3 Jahren auf dem Wasser für eher kürzere Routen, zwei weitere werden gerade für die Reederei gebaut. Im vergangenen Jahr war die Flotte bei einer Charterrate von 18.135 Dollar pro Tag zu 97,7 Prozent ausgelastet. Der Charter–Backlog von Ernst Russ beträgt aktuell 448,6 Millionen Euro, bei einer durchschnittlichen Restlaufzeit der Charterverträge von 26,0 Monaten (vorher: 13,7 Monate).
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Ernst Russ einen Umsatz von 158,1 Millionen Euro, nach 172,7 Millionen Euro im Vorjahr. Der Betriebsgewinn (Ebit) verbesserte sich von 67,7 auf 96,4 Millionen Euro und der konsolidierte Jahresüberschuss (nach nicht beherrschenden Anteilen) von 42,5 auf 73,5 Millionen Euro. Je Aktie ergibt das einen Gewinn von 2,18 Euro (Vorjahr: 1,26 Euro), woraus sich derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von lediglich 3,3 errechnet.
Zudem hat Ernst Russ viel Substanz vorzuweisen: Bei einem Börsenwert von aktuell 242,6 Millionen Euro beträgt das Eigenkapital 292,8 Millionen Euro und der Kassenbestand 114,3 Millionen Euro. In der Bilanz findet sich ein Schiffsvermögen von 241,2 Millionen Euro, dessen Marktwert Ernst Russ auf 543,0 Millionen Euro schätzt.
Beim Ausblick sieht die Reederei für das Gesamtjahr 2026 einen Umsatz zwischen 145 und 160 Millionen Euro und ein Ebit von 34 bis 44 Millionen Euro. Das Ebit und wohl auch der Jahresüberschuss werden deutlich unter den Werten von 2025, da im vergangen Jahr im Bereich Shipping desinvestiert wurde.
Im Geschäftsbericht heißt es dazu: „Im Berichtsjahr führte der Verkauf von drei Schiffen zu einem Anstieg des Investitionscashflows von 61,7 Millionen Euro.“ Die Ebit-Marge 2025 betrug 61,0 Prozent (2024: 39,2 Prozent), ohne Berücksichtigung von Gewinnen aus Schiffsverkäufen läge diese bei 33,9 Prozent (Vorjahr: 38,1 Prozent).
Die Kennzahlen von Ernst Russ machen auch ohne die Schiffsverkäufe Spaß, insbesondere die Marge. Dafür ist das KGV mickrig: Sollte sich der Gewinn je Aktie in diesem Jahr auf rund 0,80 Euro reduzieren, würde ich noch immer ein einstelliger Wert errechnen.
Es bleibt allerdings abzuwarten, was die Vorgänge in der Straße von Hormus für Auswirkungen auf Ernst Russ haben werden. Direkt ist Ernst Russ nicht betroffen, das die Schiffe der Reederei nicht in dieser Region tätig sind.
Schön ist auch die Dividenden von 0,25 Euro je Aktie (Hauptversammlung ist am 4. Juni), woraus sich eine Dividenden–Rendite von 3,5 Prozent ergeben würde.
Ernst Russ-Aktie (Tageschart): Widerstand im Bereich von 7,80 Euro



