Wenn die BaFin, also unsere staatliche Kapitalmarkt-Polizei, eine Überprüfung durchführt, dann ist dies meist ein schlechtes Zeichen. Betroffene Aktien werden dann schnell schwer verprügelt. So auch am heutigen Mittwoch bei Gerresheimer (A0LD6E). Denn der Pharma- und Kosmetikverpackungs-Hersteller ist ins Visier der BaFin geraten. Dies sorgte zunächst für einen Kursrutsch um rund ein Drittel. Nach einer ersten Stellungnahme des Konzerns schrumpfte das Minus aber auf „nur noch“ rund 15 Prozent bis zum Mittag zusammen.
Im Detail geht es um den Konzernabschluss 2023/24, also das Geschäftsjahr welches Ende November 2024 bereits beendet wurde. Hier will die BaFin konkrete Hinweise haben, dass Gerresheimer gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen habe. Dabei sollen Bestellungen, die erst etwas später zu Umsätzen führten, im vergangenen Geschäftsjahr verbucht worden sein. Die Frage ist nun, ob dies richtig war, oder ob der Umsatz erst in das nun laufende Geschäftsjahr gebucht werden darf.
Allerdings gibt auch die BaFin bekannt, dass es sich „nur“ um einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag handelt. Zum Vergleich: Der Konzernumsatz von Gerresheimer im vergangenen Geschäftsjahr lag bei rund 2 Milliarden Euro. Fakt ist also, dass es sich eher um „Kleinigkeiten“ handelt. Der legendäre Ex-Deutschbanker Hilmar Kopper wurde wohl von „Peanuts“ sprechen, wie er es einst bei Handwerkerechnungen in der Schneider-Immobilien-Pleite machte.
Die Fakten hat auch Gerresheimer bereits entsprechend kommuniziert. Trotzdem nehmen die Manager die Sache sehr ernst und haben daher auch eine vollumfängliche Kooperation mit der BaFin signalisiert.
Für die Gerresheimer-Aktie bedeuten die heutigen Kursverluste abermals neue Rekord-Tiefstände. Bereits im Juni [HIER klicken] hatten wir uns, nachdem der Konzern seine Prognosen senken musste, verhalten zur Aktie geäußert. Bei dieser Einschätzung bleibt es auch jetzt, da erst alle Unklarheiten beseitigt werden müssen. Zudem waren auch die jüngsten Geschäftszahlen von Gerresheimer nicht sonderlich erfreulich, sodass Direkt-Engagements weiterhin zu riskant sind.
Das bereits im April [HIER klicken] und im Juni [HIER klicken] vorgestellte Discount-Zertifikat (LB5M9H) mit Cap bei 45 Euro läuft noch bis 19. Dezember 2025. Es dürfte schwierig werden, dass der Basiswert das Cap-Level wieder übersteigt. Somit ist eine Tilgung via Aktienlieferung wahrscheinlich. Der Einstandskurs liegt dann beim damaligen Zertifikate-Kurs von 41,12 Euro, also rund 6,00 Euro unter dem aktuellen Aktienkurs. Anleger die im Zertifikat investiert sind, sollten das Papier aber trotzdem halten, denn der Rücknahmekurs liegt aktuell mit 35,05 Euro sogar klar unter dem Aktienkurs, was wir als ein extrem schlechtes Pricing des Emittenten LBBW bezeichnen. Mit Blick auf die kurze Restlaufzeit ist allerdings verständlich, dass die LBBW nur noch Rückgabepreise für dieses Papier stellt.
Durchaus spannend ist aber ein Discount-Zertifikat (HT70SX), welches mit einem Cap bei 30,00 Euro versehen ist und dessen Bewertungstag am 19. Juni 2026 ansteht. Verweilt die Aktie dann über dem Cap-Niveau von 30,00 Euro, erhält der Anleger diese 30 Euro in Cash ausbezahlt. Daraus ergibt sich auf Basis des aktuellen Zertifikate-Kurses eine Maximalrendite von 11,6 Prozent oder 15,5 Prozent p. a. Rutscht die Gerresheimer-Aktie hingegen unter das Cap-level, dann tilgt der Emittent via Aktienlieferung im Verhältnis eins zu eins. Der Einstandskurs beträgt dann 26,60 Euro, was dem aktuellen Zertifikate-Kurs entspricht und einem Rabatt gegenüber dem Direkt-Engagement von hohen 26 Prozent gleichkommt.
Gerresheimer-Aktie (Tageschart): Scharfe Dauerkorrektor



