Pyramid Weber Empl

Interview Empl / Weber – Pyramid // Wir müssen jetzt Leistung bringen

Von • 22. September 2022 • Feature, Time_is_MoneyComments (0)419

Time is Money // Schnell ein paar Fragen an Andreas Empl (im Bild rechts) und Arne Weber, Vorstandsmitglieder der Pyramid (A254W5). Sie geben Auskunft zur inzwischen entstandenen Firmenstruktur nach der Umbenennung, den Synergien durch den erfolgten Zusammenschluss mit Faytech, zur aktuellen Prognose-Korrektur und den jüngsten Aktienkäufen.

Herr Empl, aus der Mic AG ist inzwischen Pyramid geworden. Wie kam es zu diesem Reverse-IPO?
Andreas Empl: Nach der harten Sanierung der „alten“ Mic verfolgten wir die Idee eines Reverse-IPOs schon seit Frühjahr 2020. Der Fokus lag hier auf profitable mittelständische Technologieunternehmen. Als damaliger Alleinvorstand habe ich mehr als einhundert Unternehmen gesichtet und lernte dabei auch die Gründer der Pyramid Computer GmbH kennen, die wir in unseren Gesprächen von unserem Konzept überzeugen konnten. Nach den erfolgreichen Finanzierungsrunden konnten wir die Akquisition wie geplant umsetzen und 100 Prozent der Pyramid Computer GmbH, eines echten deutschen Hidden Champion, übernehmen. Die beiden Gründer der Pyramid Computer GmbH sind noch immer die Großaktionäre der heutigen Pyramid AG.

Schritt zwei war die Übernahme der Faytech. Welche Strategie steckt dahinter?
Empl: Die Umsetzung einer Buy and Build-Strategie, also weiterer Zukäufe, lag nach der ersten erfolgreichen Akquisition auf der Hand. Als ich einen Artikel über den geplanten IPO der Faytech gelesen habe, rief ich den Gründer, Arne Weber, sofort an und versuchte ihn zu überzeugen, mit uns gemeinsam weiter zu wachsen und eine Erfolgsstory zu kreieren. Sie passt mit ihrer Kombination aus deutscher Ingenieurskunst und asiatischer Produktion ideal in unser Anforderungsprofil. Nach harten Verhandlungen ist es uns dann am Weihnachtsabend 2021 gelungen, die Verträge zu finalisieren. Eine echte Erfolgsstory, wie ein Blick auf die aktuelle operative Entwicklung zeigt.

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Um die Übernahme von Faytech gab es bis vor wenigen Tagen eine gewisse Unsicherheit, da der tatsächliche Kaufpreis nicht bekannt war. Warum war dies so?
Empl: Da wir für unsere Aktionäre nach der erfolgten Due Diligence der Faytech im vergangenen Jahr auf Nummer sicher gehen wollten, haben wir uns entschieden, den Kaufpreis auf der Basis der von einem Wirtschaftsprüfer bestätigten Geschäftszahlen 2021 zu ermitteln. Da die Faytech-Gruppe aus einer Vielzahl internationaler Tochterunternehmen besteht, konnte die Ermittlung des detaillierten Kaufpreises erst im September finalisiert werden.

Wie viel müssen Sie nun bezahlen für 100 Prozent der Anteile an der Faytech?
Empl: Da Umsatz und operatives Ergebnis – Ebit – der Faytech-Gruppe in 2021 über den Erwartungen lagen, kam die vertraglich vereinbarte Preisobergrenze zur Anwendung. Nach Abzug eines Korrekturpostens liegt der Kaufpreis damit bei 15,2 Millionen Euro. Das nach den Regeln des Kaufvertrages konsolidierte Ebit auf Pro-forma-Basis belief sich im Jahr 2021 auf zwei Millionen Euro, nach 1,2 Millionen Euro im Vorjahr, bei einem Umsatzanstieg von 21,5 Millionen Euro auf 24,5 Millionen Euro, womit der dynamische Wachstumskurs der Vorjahre bestätigt wurde.

Und wie erfolgt die Finanzierung?
Empl: Für die zweite Hälfte des Barkaufpreises von 2,3 Millionen Euro besteht eine Bankfinanzierung. Der weitere Kaufpreisteil beziffert sich auf 10,7 Millionen Euro und wird wie vereinbart in neuen Pyramid-Aktien zu einem Ausgabebetrag von 2,97 Euro je Aktie geleistet – rund 70 Prozent über dem aktuellen Aktienkurs. Im Wege einer Sachkapitalerhöhung werden 3.591.854 neue Pyramid-Aktien an die Faytech-Verkäufer ausgegeben. Das Grundkapital der Pyramid wird sich in diesem Zuge auf 22.146.196 Euro erhöhen. Hinzu kommen von den Faytech-Ergebnissen 2022 und 2023 abhängige Earn-out-Komponenten, die gegebenenfalls in neuen Pyramid-Aktien zu einem Kurs von 3,30 Euro je Aktie geleistet werden. Im Maximalfall werden weitere 2,36 Millionen Pyramid-Aktien ausgegeben.

Herr Weber, Sie sind Faytech-Gründer und nun Vorstand der Pyramid. Was ist das Besondere an Faytech?
Arne Weber: Gemeinsam mit meiner Frau haben wir Faytech in den vergangenen zwölf Jahren von einem typischen Start-up in ein globales Unternehmen mit mehr als 450 Mitarbeitern und einem für 2022 erwarteten Umsatz von über 45 Millionen Euro entwickelt. Dabei haben wir uns immer darauf konzentriert, jeden Tag einen Schritt vorwärtszukommen und jedes Jahr mehr Technologie-Know-how zu haben, um die Probleme unserer Kunden besser zu lösen.

Als Produzent hochwertiger Touchscreen-Geräte für die Industrie waren wir in China praktisch in einem Vakuum, es gab kaum Lieferanten oder kompetente Lösungen und so haben wir uns am Ende praktisch immer für die eigene Entwicklung, für die eigene Produktion entschieden. Im Laufe der Zeit hat dies zu einer enormen Fertigungstiefe und einem großen Know-how-Pool geführt, der uns aus meiner Sicht heute einzigartig macht.

Können Sie uns die wichtigsten Produkte und Kunden der Faytech nennen?
Weber: Wir produzieren sogenannte Front-Kits (Touchscreen, Display, Frontgehäuse) in Shenzhen und assemblieren diese Geräte dann zu fertigen Touchscreen-PCs, Monitoren oder embedded Devices an unserem neuen Standort in Suining, an dem wir auch eine eigene Gehäusefertigung haben. Gerne lösen wir unseren Kunden aber auch die gesamte Hardware-Problematik, so zum Beispiel bei unseren größten Kunden ButterflyMX und Pentland Firth.

Bei Faytech läuft es aktuell besser als erwartet – Umsatz und Ergebnis werden 2022 voraussichtlich deutlich über dem bisherigen Plan liegen. Woher kommt die große Nachfrage?
Weber: Durch unsere große Fertigungstiefe wussten wir früh über Lieferengpässe Bescheid und haben so vor unserer Konkurrenz Vorrat aufgebaut und uns auf die Situation vorbereitet. Dadurch haben wir einige größere Aufträge von unserer Konkurrenz gewonnen, die ab Mitte des vergangenen Jahres nicht mehr so lieferfähig war wie wir. Diese Situation dauert auch dieses Jahr noch an. Daneben haben wir eng mit unseren Kunden kommuniziert und den Jahresbedarf gemeinsam geplant. Anfang dieses Jahres haben wir zum Beispiel teilweise schon die Komponenten für Lieferungen im Jahr 2024 eingekauft.

Gibt es auch limitierende Faktoren?
Weber: In den vergangenen zwölf Jahren waren wir immer nur durch zwei Faktoren beschränkt gewesen in unserem Wachstum: Kapital und Personal. Durch den Zusammenschluss mit der Pyramid haben wir dieses Jahr ganz neue Möglichkeiten und das beweisen wir dann ja auch aktuell. China kann besonders eins gut – Produktion in großen Stückzahlen. Und entsprechend freuen wir uns über das Wachstum, es erleichtert vieles und macht uns noch konkurrenzfähiger. Wir wollen diesen Wachstumssprung aber auch nutzen, in Zukunft mehr regional zu fertigen. Wir erreichen langsam eine Größe, in der wir eben nicht mehr alles lokal an einem Ort machen müssen, vielmehr können wir nun auch Fertigungsprozesse direkt in die Zielländer auslagern. Diese Entwicklung in den nächsten Jahren aktiv umzusetzen, darauf freue ich mich in Zusammenarbeit mit dem Pyramid-Team außerordentlich.

Herr Empl, Probleme gibt es dagegen bei der Schwestergesellschaft Pyramid Computer GmbH. Zumindest deutet dies die aktuelle Prognosesenkung an, die vor allem auf der Seite des Ebit doch relativ deutlich ausfällt. Was sind die Ursachen?
Empl: Ein wichtiger Bestandskunde im Restaurant-Segment hat aufgrund des Ukraine-Krieges seine Investitionen für das laufende Jahr ausgesetzt und ein großer Bestandskunde für AKHET-Produkte hat umfangreiche Aufträge ins kommende Jahr verschoben. In Kombination mit der globalen Lieferkettenproblematik führte diese Verschiebung von Großaufträgen zu einer Reduzierung der Umsatz- und Ergebnisprognose bei der Pyramid Computer GmbH. Darüber hinaus ist auch unsere Pyramid-US-Tochter hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Wie haben Sie auf die Planabweichung reagiert? Und was soll künftig besser laufen?
Empl: Josef Schneider, der noch vor der Akquisition durch Pyramid die Geschäftsführung der Pyramid Computer GmbH übernommen hatte, wurde Anfang August 2022 durch Pyramid-Vorstand Peter Trosien als Geschäftsführer ersetzt. Per Ende August 2022 wurde auch die Bestellung von Josef Schneider als Vorstand der Pyramid beendet.

In der Folge kam es durch die Neubewertung des neuen Geschäftsführers Trosien zur angesprochenen Prognosekorrektur. Wichtig für uns ist nun der direkte Kundenkontakt und die Stimulierung des Vertriebs. Das kann nur durch Motivation und Teamgeist entstehen. Dies hat für uns erst einmal Priorität. Besser laufen muss zukünftig die interne Kommunikation und das frühzeitige Erkennen von möglichen Veränderungen. Das haben wir aber nun im Griff.

Herr Weber, wie passen Pyramid Computer und die Faytech zusammen?
Weber: Durch unseren CEO Trosien kennen wir Pyramid Computer sehr gut, im Jahr 2020 wollten wir die Gesellschaft sogar selbst kaufen. Wir hatten ein Übernahmekonzept ausgearbeitet, aus unserer Sicht ergänzen sich die beiden Firmen perfekt: Aus eins und eins wird hier nicht zwei, sondern mindestens drei. Ein großes Kompliment an Andreas Empl, der uns hier zuvorgekommen ist. Deswegen haben wir dann auch die Juniorrolle bei der Bewertung – zähneknirschend – akzeptiert, weil das Konzept einfach passt.

Welche Synergien gibt es zwischen den beiden Gesellschaften? Und wie soll die Zusammenarbeit künftig optimiert werden?
Weber: Da könnte ich Ihnen am einfachsten unser 60-seitiges Synergie-Konzept schicken [lacht, A.d.R.]. Im Ernst – es ist wirklich eine Traumhochzeit. Es beginnt damit, dass wir das gleiche ERP nutzen. Es gibt im Einkauf, in der Verwaltung natürlich viele Synergien. Es gibt beim Produktportfolio keinerlei Überschneidungen, weil Pyramid ein geschätzter Kunde der Faytech war und wir uns entsprechend aus Konkurrenzangeboten herausgehalten haben.

Auf der anderen Seite haben wir ein großes Kundenpotenzial, was jeweils Interesse an den Produkten der jeweils anderen Firma hat. Dann hat Pyramid bereits einen Brand und Image entwickelt, den Faytech sich erst noch erarbeiten muss. Es gibt ein tolles Sales- und Produktmanagement-Team, aber bisher wurde bei Pyramid die Entwicklung outgesourct. Hier kommt die Faytech wieder ins Spiel, die eine hervorragende Entwicklungsabteilung hat. Ich könnte stundenlang über die Vorteile und Möglichkeiten referieren. Peter Trosien und ich im Besonderen, aber natürlich alle Mitarbeiter der Unternehmen, sind gefordert, diese Möglichkeiten jetzt zu realisieren und gemeinsam eben viel stärker und erfolgreicher zu sein wie die Gesellschaften davor im Alleingang.

Herr Empl, die Börse schickte die Aktie zuletzt auf Talfahrt. Zweifelt der Kapitalmarkt im aktuellen Umfeld an den Wachstumschancen der Pyramid AG oder hängt es vor allem an der generellen Unsicherheit der Märkte?
Empl: An beiden Faktoren meiner Einschätzung nach. Denn wir wissen auch, dass uns die aktuelle Planungskorrektur zunächst einmal Vertrauen auf Seiten der Aktionäre gekostet hat. Zudem sehen wir natürlich eine enorme Unsicherheit an den Märkten durch extreme Ereignisse, wie den Ukraine Krieg, einer möglichen Energieknappheit, der Logistik- und Beschaffungskrisen sowie die immer noch herrschende Unsicherheit bzgl. der Covid-19-Pandemie. Eine ganze Reihe externer Extreme, die sich auch negativ im Kursverlauf der Pyramid-Aktie niedergeschlagen haben.

Sie kaufen aktuell Pyramid-Aktien zu, wie den neuesten Pflichtmitteilungen zu entnehmen ist. Wie sehen Sie die derzeitige Bewertung der Gesellschaft?
Empl: Bei einem Kurs von 1,75 Euro je Aktie sind wir gerade einmal mit einer Marktkapitalisierung von 38,8 Millionen Euro an der Börse bewertet, entsprechend attraktiv sehe ich die aktuelle Bewertung. Unser kommuniziertes Ziel für das laufende Geschäftsjahr sind im Konzern rund 100 Millionen Euro Umsatz bei immerhin noch mindestens 4,7 Millionen Euro Ebit – trotz der angesprochenen Auftragsverschiebungen auf das kommende Geschäftsjahr. Zudem sehen wir für 2023 deutliches Potenzial bei der Ergebnisentwicklung.

Weber: Ich habe nach Ankündigung der Faytech-Übernahme für meine Kinder bei einem Aktienkurs von mehr als drei Euro Pyramid-Aktien gekauft, weil ich der Meinung bin, dass das die beste Anlagemöglichkeit bei einem langen Anlagehorizont ist. Die kurzfristige Situation ist wie sie ist. Wir müssen jetzt mit Leistung glänzen, dann wird dies auch die Börse mittel- und langfristig honorieren.

Herr Empl, Herr Weber, besten Dank für die ausführlichen Antworten.

Bildquelle: Pyramid
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