Es geht munter auf und nieder bei den Aktien der Chip-Branche derzeit. Mal heißt es, der Bedarf sei unermesslich hoch, wegen KI, dann wieder, weil bei der künstlichen Intelligenz alles langsamer gehen solle, wieder doch nicht so immens. Entsprechend neurotisch reagieren die Börsianer, was zu einer ausgeprägten Volatilität – vulgo: Schwankungen – führt. Davon ist auch die Aktie des deutschen Wafer–Herstellers Siltronic betroffen. Vom Top bei rund 105 Euro (im Juni) ist sie zwischenzeitlich auf 68 Euro (im Juli und vor ein paar Tagen) gefallen. Nun geht es wieder aufwärts. Könnte das die Wende an der Unterstützungszone von 70 Euro sein?
Die jüngsten Zweifel am KI-Investionsboom [er müsse gedrosselt werden, siehe auch Plusvisionen HIER] haben auch die Chip-Industrie in Mitleidenschaft gezogen. Schließlich werden für all die KI–Rechenzentren und all die anderen KI-Anwendungen sehr viele Chips benötigt und wenn es nun doch nicht so schnell so viele KI-Rechenzentren geben sollte, dann würden – nachvollziehbar – auch nicht so viele Chips benötigt und demnach auch nicht so viele Wafer für diese Chips und Ausrüstung für die Chip-Produktion. Das hat die Aktien von Aixtron, Suss Microtec, Jenoptic, PVA Tepla, aber auch vom europäischen Super-Chip-Ausrüster ASML belastet. Unter Druck standen auch die Papiere des Standard-Wafer-Herstellers Siltronic und des französischen Spezial-Wafer-Produzenten Soitec, die sich zuletzt allerdings wieder kräftig erholt haben.
Die Chip-Industrie unterliegt traditionell heftigen Zyklen und reagiert deshalb sensibel auf mögliche Veränderungen in der Branche. So reichte jetzt eine zuversichtliche Aussagen von Nvidia–Chef Jensen Huang zum Chip-Absatz im kommenden Jahr, um den gesamten Sektor zu stützen. KI hat das Potenzial diese Zyklik, durch die hohen Investitionen, außer Kraft zu setzen. Ob das so kommt? Angesichts einer völlig neuen Technologie ist das durchaus wahrscheinlich.
Konsolidierungsphasen des Sektors wären demnach eher Kauf-Gelegenheiten. Konkret zu Siltronic: Bei rund 70 Euro befindet sich eine recht robuste Unterstützungszone, die durch die 200-Tage-Linie, die dort aktuell verläuft, noch verstärkt wird. Dort könnte bereits eine Kurs-Wende stattfinden. Wenn nicht, befindet sich die nächste Auffanglinie bei 58 Euro; spätestens hier sollte es wieder aufwärts gehen.

Etwas anders sieht der Kursverlauf volatileren französischen Soitec aus: Sie verzehnfachte(!) sich in der Zeit von Januar bis Mai fast, ehe sich er Kurs mehr als halbierte. Derzeit hat sich schon wieder ein kurzfristiger Aufwärtstrend etabliert, der auf weitere Kurs-Steigerungen hoffen lässt. Für beide Werte gilt: sie bleiben aufgrund ihrer Volatilität nur risikobereiten mit starken Nerven Anlegern vorbehalten.



