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Tesla, Uber, Lyft, Wework, künstliche Intelligenz und Börsenwahnsinn

by • 14. November 2019 • Cash Test Dummy, FeatureComments (0)765

Nun geht es also ins Brandenburgische. Tesla will dort eine Gigafactory errichten und dort Autos (SUVs) und Akkus bauen. Das ist ohne Zweifel gut, gut für die Region, weil Arbeitsplätze und im Sog von Tesla sicherlich auch neue Unternehmen entstehen. Zudem wird es auch die erneuerbaren Energien stärken, weil sicherlich ein Standortargument für Tesla war, dort grünen Strom beziehen zu können, ohne diesen sieht es ziemlich schlecht aus mit einer CO2-Verträglichen Batterie-Produktion.

Die Investitionsentscheidung zeigt auch: Tesla investiert und glaubt somit an die eigene Zukunft, worüber es durchaus unterschiedliche Meinungen gibt. Schließlich sind die Gewinne eher mager (minus 5,78 Dollar je Aktie), aber gut, Tesla investiert eben auch in die Elektromobilität.

Ich finde, Tesla ist grundsätzlich ein spannendes Unternehmen mit Mut, aber als Börsianer frage ich mich, ob ein Börsenwert von derzeit knapp 55 Milliarden Euro gerechtfertigt ist, wo doch bislang noch recht wenige Fahrzeuge verkauft werden? Diese allerdings mit einer sehr guten Marge, was wohl auch am reizvollen Design und am Verkaufstalent von Firmengründer Elon Musk liegt.

Natürlich stehen die 55 Milliarden Euro im direkten Verhältnis mit dem Zauberwort künstliche Intelligenz. Nur für diese Zukunftsfantasie ist die Börse bereit einen derart hohen Preis zu bezahlen. Wäre Tesla nur ein normaler Autobauer, käme die Aktie vielleicht auf ein Zehntel der aktuellen Bewertung. Aber die Börse handelt die künstliche Intelligenz, denn wenn autonomes Fahren und andere Anwendungen des gesammelten Contents serien- und praxistauglich sind, funktioniert das Geschäftsmodell von Tesla. Wenn nicht, ist es ein völlig überteuerter Autobauer.

Doch wie steht es um die künstliche Intelligenz? China scannt – angeblich – alle [alle ist im philosophischen Sinne nicht die Gesamtheit] Gesichter, um in diesen – auch angeblich – Staatsfeindliches und Aufrührerisches zu entdecken. Ist das wirklich so? Oder glauben wir einfach nur daran? Oder wollen daran glauben, weil Dystopien schon von jeher eine gewisse Anziehungskraft haben?

Ich bin nach wie vor skeptisch, was die Fähigkeiten von künstlicher Intelligenz angeht. Wenn ich bei Amazon, sagen wir, Socken bestelle, bekomme ich, schwups, eine Email und ein Banner mit – na? – richtig, Socken geliefert. Intelligent ist anders. Auch Siri versteht mich nur unzureichend. Vielleicht nuschele ich. Unzureichend erscheint ebenso die Feinmotorik von Robotern.

Überhaupt der Begriff künstliche Intelligenz, er suggeriert schon eine gewisse, wenn auch künstliche, also nicht menschliche, Intelligenz. Gibt es so was (schon)? Ich zweifle. Meist stecken dahinter massenhafte Datenbankabfragen (Big Data), die ein Computer sehr gut erledigen kann. Das mit der künstlichen Intelligenz wird noch dauern, lange.

Auf künstlicher Intelligenz fussen letztlich auch die Geschäftsmodelle von Uber, Lyft oder Unternehmen wie Wework. Wobei auch eine gewisse Tendenz zu erkennen ist (typisch für die Börse): Es wird immer abenteuerlicher. Tesla baut noch was. Uber (Lyft) kutschiert „nur“ noch und ist somit noch dringender auf das autonome Fahren angewiesen.

Skurril wird es bei Wework dem Büroflächenanbieter. Vorbörslich mit zig Milliarden bewertet, obwohl von Börsen-Alchemisten, Ex-CEO Adam Neumann, nur Milliardenverluste produziert wurden. Der Börsengang wird gerade noch abgesagt und Wework vom Großinvestor Softbank übernommen. Nun, was ist an einem Büroflächenvermieter innovativ? Richtig. Nichts. Wäre da nicht die künstliche Intelligenz mit der Neumann – irgendwas? – machen wollte. Das riecht nach Hype und Blase. Wenn es soweit ist, ist zumindest Vorsicht angebracht, auch bei Tesla.

Inspirierendes dazu gab es auch auf dem Zündfunk-Netzkongress 2019 von Ines Montani von Explosion:

Bildquelle: Stefanie Leistner / pixelio.de

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