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Francotyp Postalia-Aktie // Wem die Stunde schlägt

Thomas Schumm14. Oktober 2020aktualisiert:25. Oktober 20203 Min.0
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Francotyp Postalia
Bildquelle: Francotyp Postalia

Die Hauptversammlung von Francotyp Postalia und damit ein Showdown wurde bereits dreimal verschoben. Nun soll es am 10. November soweit sein. Einer der Tagesordnungspunkte: die Abwahl des Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Andreas Günther (früher bei Claas, Infineon, Arcandor und Jenoptik). Er ist in dem Berliner Unternehmen, das seit rund 100 Jahren Frankier- und Kuvertier-Maschinen herstellt, nicht mehr wohlgelitten. Dabei liefert Günther ordentliche Arbeit ab – und will seinen Vertrag erfüllen:

Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 0,7 Prozent auf 99,7 Millionen Euro. Im Kerngeschäft Frankieren und Kuvertieren lagen die Erlöse mit 62,3 Millionen Euro 2,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Das ist leicht enttäuschend, aber in Corona-Zeiten auch kein schlechtes Ergebnis. Positiv entwickelte sich der Mail-Services mit einem Plus von 11,8 Prozent auf 29,3 Millionen Euro. Abwärts ging es dagegen im Digital-Geschäft mit einem Rückgang von 8,5 Prozent auf 8,1 Millionen Euro. Vielleicht wird Günther daraus ein Strick gedreht. Letztlich steigerte Francotyp Postalia aber den Betriebsgewinn (Ebitda) von 11,7 auf 13,1 Millionen Euro im Halbjahresvergleich. Auf das Jahr gerechnet geht der Maschinenbauer von einem Ebitda in einer Bandbreite von 24 bis 28 Millionen Euro aus.

Loswerden möchte Günther wohl der aktivistische Investors Rolf Elgeti, der als Großaktionär über seine Obotritia Capital inzwischen 28,01 Prozent an Francotyp-Postalia hält. Elgeti scheint Francotyp Postalia nicht digital genug. Auf seine Seite hat Elgeti in der Personalie Günther wohl auch Aufsichtsratschef Klaus Röhrig gezogen. Röhrig hält über die Acitive Ownership (AOC) 9,5 Prozent an Francotyp und leitet das Kontrollgremium bereits seit 2013.

Pikant: Röhrig hat den Vertrag Günthers, in anderen Zeiten, um vier Jahre bis Ende 2022 verlängert. Günther hätte somit noch gut zwei Jahre bei Francotyp zu tun. Doch das ist Vergangenheit. Mit Carsten Lind, der von der Münchner Bavaria Industries kommt, gibt es sogar schon einen sogenannten Co-CEO, auch wenn es so etwas eigentlich nicht gibt.

Die „Zusammenarbeit“ zwischen Lind und Günther gestaltet sich sicherlich bizarr, aber vielleicht ist hier auch zu viel Fantasie im Spiel. Spannend auf jeden Fall: Während Linds Zeit bei Bavaria hat die Beteiligungsgesellschaft vom Francotyp-Wettbewerber und Weltmarktführer Pitney Bowes einige Bereiche übernommen. Soll hier etwas neu zusammengesetzt (fusioniert) werden?

Vielleicht ist Röhrig, der bei Paul Singers Hegdefonds Elliott gelernt hat, in der Causa Günther weich geworden als ihm auf der letzten Hauptversammlung knapp die Entlastung verweigert wurde, im Gegensatz zu Günther, der ohne diesen Makel aus der HV ging? Nun sind anscheinend auch Röhrigs Tage als Aufsichtsratsvorsitzender gezählt: Sei Nachfolger soll Alexander Granderath werden, der bislang nicht bekannt ist. Auch in den Aufsichtsrat einziehen soll Lars Wittan, der früher bei der Deutschen Wohnen tätig war.

Wie die Sache ausgeht erfahren die Aktionäre – hoffentlich – am 10. November auf der Hauptversammlung. Vielleicht herrscht dann auch Klarheit darüber, was Elgeti mit Francotyp Postalia anfangen will. Geht es um eine Filetierung, Fusion oder Neuausrichtung? Die Börse ist in Habachtstellung – der Kurs der Francotyp-Aktie bewegt sich seit Wochen seitwärts.

Francoty Postalia-Aktie (Tageschart): ohne Schwung

Francotyp Postalia Aktie

Bildquelle: Francotyp Postalia

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