Leo Willert, ARTS, Asset, Management

Leo Willert / Arts Asset Management // Vermögensverwaltung mit strengen Regeln

by • 13. Dezember 2019 • Feature, Time_is_MoneyComments (0)1705

Time is money // Schnell ein paar Fragen an Leo Willert, CEO und Head of Trading von Arts Asset Management aus Wien. Er erklärt, warum Emotionen an der Börse zu Fehler führen und er deshalb dem Computer den Vorzug gibt. Der erfahrene Trader sagt aber auch, welche Parameter für die seit vielen Jahren im Markt erfolgreiche Anlagestrategie maßgeblich sind und warum an den Stellschrauben bei ARTS nicht gedreht werden wird, trotz der Veränderungen im Kapitalmarkt-Umfeld.

Herr Willert, welche Fehler können bei der Kapitalanlage vermieden werden, wenn ein Computer statt eines Menschen die Entscheidungen trifft?
Die Anlageentscheidungen eines Computers werden im Gegensatz zu denen eines menschlichen Fondsmanagers nicht durch Emotionen verzerrt. Gerade in volatilen Börsenphasen agieren Fondsmanager selten rational und neigen dazu, auf Kursverluste entweder panisch zu reagieren oder aufgrund ihrer Selbstüberschätzung zu lange an einem Investment festzuhalten.

Ein Computer orientiert sich stattdessen konsequent an den Daten und setzt Algorithmen systematisch um. Dadurch können Gewinne mitgenommen und Verluste begrenzt werden. Aufgrund seiner Rechenleistung kann der Computer auch eine breite Masse an Daten in kürzester Zeit verarbeiten und auswerten und somit fundierte Anlageentscheidungen auf der Grundlage einer viel breiteren Datenbasis treffen.

Aufgrund welcher Parameter trifft der Computer bei ARTS die Anlageentscheidungen?
ARTS verfolgt eine systematische Total Return-Anlagestrategie. Unser vollautomatisiertes Handelsprogramm folgt quantitativen Regeln und wertet Kursbewegungen von Märkten und Fonds nach diesen Regeln aus. Der Computer analysiert dafür rund um die Uhr die Daten von mehr als 10.000 Investmentfonds und ETFs. Insgesamt werden dabei rund 3,5 Millionen Datensätze ausgewertet.

Wir sind ein momentumbasierter Trendfolger und orientieren uns bei der Anlageentscheidung nicht an einer Benchmark, sondern versuchen längerfristig in allen Marktphasen einen absoluten Wertzuwachs zu erwirtschaften. Ziel des ARTS-Systems ist es nicht, Trends zu antizipieren, sondern erst zu investieren, wenn sich bereits ein positiver Trend etabliert hat. Dies erfolgt durch eine permanente Anpassung des Portfolios. Investiert wird in jene Sektoren, Regionen oder Länder, die ein mittelfristig positives Trendverhalten zeigen.

Wird ein negativer Trend für den Weltaktienmarkt angezeigt, reduziert das System die Aktienquote und schichtet in alternative Anlageklassen wie Anleihen- oder Geldmarktfonds um. Drehen einzelne Märkte ins Negative, generiert das Handelssystem aufgrund seiner Stopp-Loss-Systematik Verkaufssignale und steigt aus den Investments aus.

Juckt es als Asset Manager nicht trotzdem manchmal in den Fingern, einzugreifen, wenn die Maschine vermeintlich Fehlentscheidungen trifft?
Ins System selbst einzugreifen wäre fatal, auch wenn es manchmal verlockend erscheint. Vor allem dann, wenn man mit den jüngsten Ergebnissen nicht zufrieden ist. Man ist dann verleitet das System an die gerade zurückliegende Marktentwicklung anzupassen. Uns haben aber zahlreiche Berechnungen in der Vergangenheit gezeigt, dass Veränderungen im System zwar kurzfristige Renditesteigerungen bringen könnten, jedoch langfristig nicht erfolgsversprechend sind.

Wie sind Sie damals auf die Idee gekommen, das ARTS System zu entwickeln? Eigentlich kamen Sie ja aus einer ganz anderen Branche.
Das ist korrekt. Ich leitete ursprünglich eine Werbeagentur, die auch Finanzunternehmen, wie C-Quadrat, betreute. Den wesentlichen Grundstein legte ich mit meiner Trading-Ausbildung am renommierten Van-Tharp-Institute in North Carolina, wo ich auch die ersten Handelsprogramme entwickelte. Ich bekam damals die Möglichkeit, einen deutschen Fonds, der ein Volumen von 1,4 Millionen Euro aufwies, zu managen. Aktuell ist dieser Fonds, der heute als C-Quadrat ARTS Total Return Global AMI bekannt ist, über 460 Millionen Euro groß. Insgesamt verwalten wir mehr als 2,2 Milliarden Euro und das in 16 flexiblen Mischfonds.

Inwieweit muss das ARTS System im Zeitablauf justiert und angepasst werden?
Das System an sich wird nicht angepasst. Eben aus den davor genannten Gründen. Vor allem in Zeiten, in denen der Gegenwind von den Märkten schärfer und Kritik von außen lauter wird, ist es wichtig zu seinem System zu stehen und die Strategie konsequent durchzuhalten. Auch der langfristige Erfolg gibt uns recht. Unsere Kunden erzielten mit dem C-Quadrat ARTS Total Return Global AMI seit dessen Auflage im März 2003 einen durchschnittlichen Ertrag von 5,75 Prozent pro Jahr.

Ketzerische Frage: Wozu wird dann – wo das System steht und erfolgreich ist – ein Fondsmanager wie Sie überhaupt gebraucht? Würde eine Hilfskraft zur Bedienung des Computers nicht ausreichen?
Das ist kurzfristig korrekt. Der Computer läuft und die Systeme analysieren die Märkte selbständig und rund um die Uhr. Der Computer ist bei seiner Analyse aber nur so gut, wie die Algorithmen, hinter denen der Fondsmanager steht. Der menschliche Quant-Fondsmanager ist verantwortlich für die Programmierung, Weiterentwicklung und laufende Kontrolle der Algorithmen. Jede Order, die aus dem Handelsprogramm kommt, wird natürlich auf seine Validität bzw. Richtigkeit überprüft, aber niemals aufgrund einer diskretionären Entscheidungsfindung overruled.

Ihr System wird bislang ausschließlich für Investments in Fonds eingesetzt, wäre es nicht beispielsweise auch für Aktien, zum Beispiel internationale Blue Chips geeignet?
Das ARTS-System ist für Einzelaktien anwendbar und wir verfügen auch über entsprechende Erfahrung, da wir in der Vergangenheit bereits mit Einzeltiteln gehandelt haben und unsere Fondsprospekte dies auch zulassen. Derzeit ist unsere Strategie hauptsächlich in Investmentfonds zu investieren, da diese eine höhere Diversifikation und ein geringeres Einzeltitelrisiko aufweisen. Einzelaktien sind von Natur aus mit einem etwas höheren Risiko und mehr Volatilität verbunden. Aktuell arbeiten wir in einem Fonds -der nur in Österreich zum öffentlichen Vertrieb zugelassen ist – mit Einzeltiteln.

Wie würden Sie die Positionierung von ARTS Asset Management in Abgrenzung zu anderen Asset Managern beschreiben. Was sind die besonderen Stärken?
Wir haben ein System geschaffen, das für uns die Märkte analysiert und Investmententscheidungen unabhängig von Emotionen, vollautomatisiert trifft. Der Anlageerfolg orientiert sich dabei nicht an einer Benchmark, sondern versucht langfristig in allen Marktphasen absolute Gewinne zu erwirtschaften. Über allem steht das Ziel, das Verlustrisiko in Korrekturphasen so weit wie möglich zu begrenzen.

Eine der größten Stärken unserer Fonds ist sicher das hohe Maß an Flexibilität. Wir können in den dynamischen Produkten die Aktien-, Anleihen-, und Geldmarktquote flexibel zwischen null und 100 Prozent steuern. Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen ist dabei das oberste Motto. Unser Anlagekonzept ermöglicht Anlegern zudem eine hohe Diversifikation aufgrund eines breiten Anlageuniversums. So werden Anlagechancen aufgespürt, die aktiven Fondsmanagern verborgen bleiben können.

Noch eine Frage, die sich nicht an den Fondsmanager Leo Willert richtet und zur Weihnachtszeit passt: Womit verbringen Sie Ihre freie Zeit, wenn Sie nicht Ihr System optimieren und an der Börse handeln?
Meine Freizeit widme ich meiner Familie und meinen beiden Hobbies, Schlagzeug spielen und Tourenwagen-Rennen.

Herr Willert, besten Dank für das schnelle Gespräch

 

Bildquelle: Arts Asset Management

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Simple Share Buttons