Francotyp Postalia

Francotyp Postalia-Aktie // Filetieren oder neue Strategie?

by • 12. November 2020 • Anlagevisionen, Börsenvisionen, FeatureComments (0)731

Rüdiger Andreas Günther kämpfte bis zuletzt [siehe Plusvisionen auch hier]. Sein Bericht als Vorstandsvorsitzender der Francotyp Postalia auf der Hauptversammlung am 10. November (2020) war ordentlich. Der Spezialmaschinenbauer (Kuvertier- und Frankiermaschinen) arbeitet profitabler und Günther hat ein Restrukturierungsprogramm angestoßen.

Dennoch entzog ihm die HV mit 84 Prozent der virtuell anwesenden Stimmen, was 57 aller Aktien entsprach, das Vertrauen. Die entscheidenden Stimmen sind vor allem Obotritia Capital, dahinter steht der aktivistische Investor Rolf Elgeti (28,01 Prozent), und dem Aufsichtsratsvorsitzendem Klaus Röhrig (9,51 Prozent), der den Vertrag von Günther erst im vergangenen Jahr bis 2023 verlängert hat, zuzuordnen.

Schon am nächsten Tag wurde Günther von den neu berufenden Aufsichtsräten Lars Wittan und Alexander Granderath um den Vorsitzenden Röhrig gefeuert. Das kann der Aufsichtsrat grundsätzlich tun, aber – eigentlich – muss er triftige Gründe dafür haben. Diffuse Animositäten reichen nicht. Vielleicht wird sich die Casa Günther und Francotyp Postalia vor dem Kadi fortsetzen.

Günther war bei Elgeti schon seit einiger Zeit nicht mehr wohlgelitten. Vulgo: Er wollten ihn – unbedingt – loshaben. Dazu wurde mit Carsten Lind auch schon ein Nachfolger installiert, obwohl auch das rechtlich sehr fragwürdig war.

Lind fasst die Kritik an Günther in Worte: Der Aktienkurs sei zu niedrig. Das Potenzial der Digitalisierung werde nicht ausgenutzt, insbesondere die Chancen des Internet of Things (IoT) und auch die Unternehmensführung wie die Steuerung der Prozesse und die Umsetzung des Restrukturierungsprogramms sei nicht optimal.

Günther wird das sicherlich anders sehen. Die Börse fackelt nach dem Rausschmiss Günthers kein Freudenfeuer ab wie das vielleicht der Kreis um Elgeti erwartet hatte, zumindest als ersten Impuls. Der Kurs sank seit der Hauptversammlung von rund 3,30 auf 3,10 Euro.

Die Francotyp Postalia-Aktie befindet sich seit März in einer Seitwärtsbewegung meist knapp unter der 200-Tage-Durchschnittsline. Künftig will der Spezialmaschinenbauer wohl stärker auf Software und Softwaredienstleitungen setzten. Ob das zur Erfolgsgeschichte für Francotyp Postalia wird? Die Börse sieht das noch nicht. Sicherlich ist das aber ein spannendes Zukunftsfeld und könnten die bisherigen Geschäftsbereiche gut ergänzen. Auch Günther arbeitete an der Transformation in ein digitales Sicherheitsunternehmen.

Doch vielleicht verfolgt das Trio Elgeti, Röhrig und Lind andere Ziele und wollen Francotyp Postalia filetieren, getreu dem alten Investmentbankermotto: buy it, strip it, flip it.


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Francotyp Postalia-Aktie (Tageschart): Seitwärtsbewegung

Francotyp Postalia Aktie

Bildquelle: Francotyp Postalia

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