Hylea Group

Hylea-Anleihe // Paranüsse in Bedrängnis

Von • 11. Juni 2021 • AnleihenvisionenComments (0)788

Ökologisch wertvoll, sozial engagiert – und ein finanzieller Engpass. So lässt sich die Situation der Hylea Group aktuell beschreiben. Denn der Anleihe-Emittent und Paranuss-Produzent muss für seinen 2017/22-iger Bond (A19S80) für Ende Juni eine Gläubigerversammlung einberufen. Zinskupon (von 7,25 auf 4,25 Prozent p.a.) runter, Laufzeit (von 2022 auf 2029) hoch, das möchte sich das Unternehmen von den Gläubigern genehmigen lassen.

Notwendig wird das Ganze, weil Hylea in den vergangenen drei Jahren eine Reihe von Schicksalsschlägen einstecken musste. Erst wurde eine hochmoderne Paranussfabrik im bolivianischen Regenwald aufgrund von Wetterkapriolen mit Verspätung fertig, anschließend blockierten politische Auseinandersetzungen die Transportwege in dem südamerikanischen Land und dann kam Corona. Der Marktpreis für Paranüsse brach ein und vor allem war es in den Lockdowns so gut wie unmöglich, die Ware von Bolivien auf den Weltmarkt zu bringen. Immerhin rund 70 Prozent des globalen Angebots an Paranüssen stammt aus Bolivien und Hylea ist die Nummer 3 auf der Welt in dem Markt.

Für Hylea bedeutete die Abfolge von Sondersituationen: Die Einnahmen massiv geschrumpft, das Millioneninvestment für die neue Fabrik noch nicht verdaut und 30 Millionen Anleihe-Verbindlichkeiten in der Bilanz. Hylea CEO Aimé Hecker kämpft nun um die Restrukturierung des operativen Geschäfts und der Anleihe sowie um das Lebenswerk seiner Familie, die das Unternehmen bereits in vierter Generation und seit über 100 Jahren betreibt.

Bei auf Nachhaltigkeit bedachten Investor kann Hylea mutmaßlich punkten. Denn das Unternehmen bedeutet für rund 1.500 Paranusssammler und ihre Familien den Broterwerb und in der Verarbeitung der Nüsse und dem Export sind noch einmal einige hundert Menschen beschäftigt. Sie alle schützen naturgemäß vor Ort als Existenzgrundlage den südamerikanischen Regenwald, denn nur dort wächst die Wildparanuss und kann nicht kultiviert werden. Die Investitionen in Infrastruktur, Schulen, Krankenhäuser und Trinkwasserversorgung in Bolivien hat der Gründerfamilie Ehrungen und Orden eingebracht, für die Anleihe-Gläubiger dürfte kurzfristig allerdings wichtiger sein, wie Hylea operativ wieder Tritt fassen will.

Der CEO hat hierzu ein Restrukturierungskonzept entwickelt, dass effizientere Prozesse in Verarbeitung, Lagerhaltung und Export vorsieht. Zudem soll der Direktvertrieb in Europa ausgebaut werden. Der Trend zu gesunder Ernährung dürfte der sehr spurenelementhaltigen Nuss dabei in den Supermarktregalen ebenso helfen wie die steigende Nachfragte nach fair gehandelten Waren.

Zudem will Hylea CEO Hecker einen CFO ins Unternehmen holen, um das Finanzmanagement noch professioneller zu gestalten und den Aufsichtsrat so erweitern, dass zusätzliche Kompetenz für die Bereiche Handel und Vertrieb gewonnen wird. Wenn die Planungen umgesetzt werden, dürfte Hylea durchaus Chancen haben, die Kurve zu kriegen. Immerhin, die Paranusspreise auf dem Weltmarkt ziehen bereits wieder an und der Hylea CEO erwartet in den kommenden Monaten eine Lockerung der Transporteinschränkungen in Bolivien.

Für die Anleihe-Gläubiger scheint es ohnehin wenig Alternativen zu geben, als den geplanten Anpassungen der Anleihe-Bedingungen zuzustimmen. Es haben schon Unternehmen erfolgreich darum geworben, die weit weniger sozial und ökologisch aufgestellt waren.

Hylea-Anleihe: Aktuelle Situation sorgte beim Bond für kräftige Kursverluste

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Bildquelle: majomka / Pixabay

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