Lloyd Fonds

Interview Achim Plate / Lloyd Fonds // Weiter auf Wachstumskurs

Von • 11. Februar 2022 • Anlagevisionen, Feature, Time_is_MoneyComments (1)1328

Time is Money // Schnell ein paar Fragen an Achim Plate, CEO des Hamburger Finanzhauses Lloyd Fonds (A12UP2), zu den Hintergründen der aktuellen Kapitalerhöhung und seinen Erwartungen an die beiden Zukäufe BV Holding und growney.

Herr Plate, Lloyd Fonds hat sich 98 Prozent der Anteile am Münchner Vermögensverwalter BV Holding gesichert. Können Sie kurz die unmittelbaren Benefits für Lloyd Fonds skizzieren?
Mit der Akquisition der Bayerische Vermögen-Gruppe wird unsere persönliche Vermögensverwaltung, die wir im Geschäftsfeld Lloyd Vermögen gebündelt haben, massiv gestärkt. Die Gruppe verwaltet mit über 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern derzeit ein AuM-Vermögen von rund 2,5 Milliarden Euro vom Hauptstandort München und den drei weiteren Standorten in Chiemgau, Tegernsee und Main-Spessart. Mit Vollzug der Transaktion wird das verwaltete AuM-Volumen im Geschäftsfeld Lloyd Vermögen dann auf 3 Milliarden Euro ansteigen.

Entscheidender Faktor für die Akquisition ist aber neben der Steigerung der AuM die strategische Vertiefung unserer Wertschöpfungskette. Neben der Betreuung vermögender Privatkunden hat die Bayerische Vermögen-Gruppe einen ausgesprochenen Fokus auf das Geschäft mit institutionellen Kunden und agiert hier mit einem sehr erfahrenen Team im Markt. Diese Kompetenz im institutionellen Geschäft hatten wir bis dato so nicht. Durch die Akquisition wachsen wir also nicht nur im Segment der klassischen Vermögensverwaltung, sondern vertiefen auch unsere Wertschöpfungskette durch den Zugewinn im Segment des institutionellen Kapitals.

Wo sehen Sie konkrete Synergiepotenziale im Hinblick auf die Integration der BV Holding? Werden die bisherigen Marken der BV Holding so beibehalten und eigenständig bleiben oder werden diese komplett in die Lloyd Fonds aufgehen?
Die Bayerische Vermögen-Gruppe wurde in den vergangenen Jahren durch den Vorstand und Aufsichtsrat konsequent weiterentwickelt und ist aus unserer Sicht hervorragend aufgestellt. Kosteneinsparungseffekte im klassischen Sinne sehen wir nicht. Wir werden aber unsere gegenseitigen Kompetenzen einbringen, so soll beispielsweise das stärkere Know-how der Lloyd Fonds beim Thema der Digitalisierung und Nutzerzentrierung für die Kundenbetreuung zum Tragen kommen. Hier werden wir unsere gesamte aufgebaute digitale Plattform einbringen.

Wichtig ist uns hierbei jedoch, dass die Marke Bayerische Vermögen, übrigens genauso wie unsere Hamburger Vermögensverwaltung Lange Assets & Consulting, eigenständig bleiben wird. Alles andere macht aus unserer Sicht keinen Sinn, da gerade die vorhandene Kompetenz und Unabhängigkeit in der Beratung ein wesentlicher Erfolgsgarant in der persönlichen Vermögensverwaltung sind. Sie müssen sehen, dass sich die Bayerische Vermögen mit 2.400 betreuten Kunden im süddeutschen Raum ein beachtliches Renommee aufgebaut hat.

Gibt es bereits Reaktionen auf den Eigentümerwechsel aus dem Kundenkreis der BV Holding, insbesondere im Hinblick auf den Anteil institutioneller Kunden mit einem Anteil von 1,7 Milliarden Euro der AuM? Befürchten Sie durch den Eigentümerwechsel Abflüsse oder erwarten Sie eher Zuflüsse?
Alle Kunden wurden transparent und umfassend, auch in persönlichen Gesprächen durch das verantwortliche Management, über den anstehenden Eigentümerwechsel informiert. Unsere Argumentation im Hinblick auf eine gemeinsame Zukunft beider Gesellschaften stieß auf ein positives Feedback. Ein weiterer Beleg hierfür ist aus unserer Sicht auch die mit 98 Prozent sehr hohe Zustimmungsquote der BV-Aktionäre zu dieser Transaktion, insbesondere, wenn man bedenkt, dass diese größtenteils auch Kunden der Bayerischen Vermögen-Gruppe sind. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir durch die Integration ein verbessertes Leistungsangebot in der Betreuung vermögender privater und insbesondere auch institutioneller Kunden erwarten, was sich natürlich auch in einer Steigerung der AuM messen lassen wird.

Zudem sind Sie mit 17,75 Prozent beim Berliner FinTech Growney eingestiegen. Was versprechen Sie sich von dieser Beteiligung? Welche weiteren Pläne verfolgen Sie mit growney?
Durch die strategische Partnerschaft mit dem Robo Advisor growney, der seit 2016 sehr erfolgreich sein auf das B2C ausgerichtete Endkundengeschäft aufgebaut hat, wollen wir beginnend in diesem Jahr unser digitales Angebot im Geschäftsfeld Lloyd Digital zu einem Full-Service-Lösungsanbieter ausbauen. Wir bieten dann im Rahmen einer Zwei-Marken-Strategie einerseits vermögenden und institutionellen Kunden individuell gesteuerte Strategien im Portfoliomanagement mit einem besonderen Fokus auf das Risikomanagement über unser WealthTech Laic an. Andererseits adressieren wir Privatanleger mit digital gesteuerten Anlagestrategien bzw. Portfolios auf Basis von ETFs als kostengünstige Lösung über das FinTech growney. Wir sprechen damit also unterschiedliche Kundengruppen mit verschiedenen Produktlösungen, Preisvorstellungen und Vertriebskanälen an, wodurch wir auch hier unsere Wertschöpfungskette vertiefen.

Seit dem 2. Februar läuft eine Barkapitalerhöhung im Verhältnis 21 zu 1 zur teilweisen Finanzierung der jüngsten Zukäufe. Es wird aber nicht der volle Cash-Bedarf von 13,4 Millionen Euro damit gedeckt. Gestern haben Sie den Bezugskurs auf zwölf Euro festgelegt. Erfolgt die weitere Finanzierung über Fremdkapital oder aus bestehenden liquiden Mitteln? Warum haben Sie keine größere Kapitalerhöhung, zum Beispiel im Verhältnis zehn zu eins, umgesetzt?
Wir haben mit der Meldung unserer vorläufigen Ergebnisse am 11. Januar 2022 neben dem stark verbesserten Konzernergebnis nach Steuern, das sich von minus 0,7 Millionen Euro auf 4,0 Millionen Euro erhöht hat, auch über einen sehr hohen operativen Cash-flow von rund 20 Millionen Euro berichtet. Mit anderen Worten: Die weitere Finanzierung der beiden Akquisitionen erfolgt neben den Mitteln aus der Kapitalerhöhung aus dem aufgebauten Cash-Bestand. Zu ihrer zweiten Teilfrage: Aufgrund des hohen Cash-Bestands, mit dem wir die Finanzierung der beiden Akquisitionen gut stemmen werden, haben wir uns bewusst für die jetzt durchgeführte moderate Kapitalerhöhung von bis zu 4,6 Prozent des Grundkapitals entschieden, auch im Hinblick auf eine mögliche Verwässerung unserer Aktionäre.

Parallel zum Bezugsangebot läuft eine Privatplatzierung für nicht im Rahmen des Angebots bezogene Aktien. Gibt es bereits Investoren, die Interesse bekundet haben? Wenn ja, in welchem Umfang?
Ja, natürlich haben uns in den vergangenen Tagen auch Investoren angesprochen, die von unserer Wachstumsstrategie 2023/25 überzeugt sind und sich im Rahmen des Private Placements engagieren wollen. Ich gehe also zum gegenwärtigen Zeitpunkt von einer erfolgreichen Platzierung und Überzeichnung der Barkapitalerhöhung aus. Über den konkreten Umfang der Privatplatzierung können wir jedoch erst ab dem 15. Februar 2022, nach Ende der zweiwöchigen Bezugsfrist, berichten.

Die Aktienmärkte sind sehr turbulent ins Börsenjahr 2022 gestartet. Inwiefern erschwert Ihnen diese hohe Volatilität die Planungen für das laufende Geschäftsjahr?
Die momentan hohe Volatilität an den Kapitalmärkten erschwert sicherlich, wie bei allen anderen Asset Managern, die kurzfristige Planungssicherheit. Mittel- und langfristig ergeben sich hieraus jedoch auch immer Chancen und wir arbeiten Tag für Tag daran, diese zu identifizieren und zu nutzen. Rein operativ kann ich an dieser Stelle auch wieder auf unsere unterjährige Aufteilung unserer Abrechnungszeiträume hinweisen. Nicht ein einzelnes Quartal ist entscheidend, sondern alle vier ergeben in Summe ein Geschäftsjahr und für dieses sehen wir uns zum jetzigen Zeitpunkt sehr gut positioniert und gerüstet.

Ein für die unmittelbare Zukunft auch sehr wichtiger Aspekt ist, dass wir durch die Übernahme der BV Holding AG die AuM-Basis auf 5 Milliarden Euro nahezu verdoppeln werden. Diese gestiegene Umsatzbasis reduziert entsprechend die Abhängigkeit von erfolgsabhängigen Fee-Strukturen und ist gleichzeitig ein solides Fundament für eine Fortsetzung unseres angestrebten Umsatz- und Gewinnwachstums. An unserer mittelfristigen Zielsetzung bis Ende 2024 eine Ebitda-Marge von über 45 Prozent auf den Nettoumsatz zu erzielen, halten wir fest.

Mit der Übernahme der BV-Holding haben Sie die kommunizierten AuM-Ziele per 2023/25 von fünf bis sieben Milliarden Euro zumindest am unteren Ende bereits erreicht. Ist damit Ihre Expansionshunger vorerst gestillt oder werden Sie Ihre Buy-and-Build-Strategie in den kommenden Jahren fortsetzen?
Beide Akquisitionen, sowohl die Bayerische Vermögen als auch growney, ergänzen unsere derzeitige Positionierung zu 100 Prozent, weshalb nun der weitere Ausbau, der für die Zukunftsfähigkeit der Industrie maßgeblichen Nutzerzentrierung im Fokus unserer weiteren Wachstumsstrategie steht. Zielbild ist dabei, datengetriebene Lösungen für Kunden und Partner mit hoher Skalierbarkeit zu liefern. Also klarer Fokus auf weiteres organisches Wachstum in allen Geschäftsfeldern in diesem Jahr. Zusätzliches anorganisches Wachstum habe ich aber bis dato nie ausgeschlossen, wenn sich eine Chance bietet, dadurch in einem dynamischen Wettbewerbsumfeld schneller Marktanteile zu generieren und auch Kosten und Synergien zu optimieren.

Herr Plate, vielen Dank für das schnelle Interview!

Bildquelle: Lloyd Fonds

Empfohlen

Eine Antwort auf Interview Achim Plate / Lloyd Fonds // Weiter auf Wachstumskurs

  1. […] mögliche Verwässerung unserer Aktionäre“, sagte er zuletzt im Interview bei den Kollegen von Plusvisionen […]

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Simple Share Buttons