Rechenzentrum, Klimaschutz

Klimaschutz / Digitalisierung // Grünes Potenzial der Rechenzentren

Von • 10. September 2021 • ServiceComments (0)387

Digitale Technologien können einen maßgeblichen Beitrag zum Erreichen der deutschen Klimaschutzziele leisten. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Branchenverband Bitkom veranlasste und jüngst erschiene Studie. Nach einem dort vorgestellten Szenario könnten fast die Hälfte der bis 2030 angestrebten CO2-Einsparungen in Deutschland durch den konsequenten Einsatz digitaler Anwendungen erzielt werden. Doch ein beschleunigter Digitalisierungskurs wirft auch die Frage nach der Klimabilanz der immer häufiger beanspruchten Rechenzentren auf.

129 Megatonnen eingespartes CO-2: Die Vision einer grünen Digitalisierung. Die Studie präsentiert zwei Szenarien – sowohl das einer moderaten Digitalisierung wie sie derzeit in Deutschland verläuft als auch das eines beschleunigten digitalen Fortschrittsgeschehens. Nach Letzterem würde die verstärkte Integration von digitalen Anwendungen allein fast die Hälfte der bis 2030 erforderlichen CO2-Einsparungen (129 Megatonnen) einbringen, bei gleichbleibend moderater Dynamik immerhin noch ein Drittel. Darin eingepreist ist der Aufwand für die Hardware und den Betrieb der Rechenzentren, die die enorm anwachsenden Datenmengen der Technologien von KI, Big Data und IoT, die für die Synergien von morgen sorgen sollen, verarbeiten müssen. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Nachfrage nach Rechenleistung, steigt auch der Energiebedarf der deutschen Server-Anlagen kontinuierlich – laut dem Borderstep Institut allein im letzten Jahr um sieben Prozent auf 16 Milliarden kWh. Doch die Betreiber reagieren auf diese Entwicklung und präsentieren neue Ansätze, die in Zukunft weiter auf eine verbesserte Klimabilanz Deutschlands einzahlen könnten.

Energieversorgung- und Effizienz: Hebel zum „grünen“ Rechenzentrum. Grob lassen sich die Fortschritte der Rechenzentren in zwei verschiedene Aspekte unterteilen. Zum einen rücken zunehmend regenerative Energiequellen für die intensive Stromversorgung in den Fokus. Exemplarisch hierfür steht die zu Jahresbeginn erfolgte Übernahme eines vollständig durch erneuerbare Energien versorgten Server-Standorts in Nordschweden durch den Frankfurter Betreiber Northern Data. Das Anforderungsprofil einer umfangreichen und zugleich „grünen“ Versorgung mit Elektrizität kann am Standort Deutschland nicht immer entsprochen werden, weil es an ausreichend Energiequellen fehlt. Zwar könnte sich das im Zuge der Energiewende noch ändern, aber mit mobilen High-Tech-Rechenzentren versucht man schon jetzt, möglichst nah an die erneuerbaren Energiequellen weltweit heranzurücken.

Gleichzeitig versprechen neue Herangehensweisen in Sachen Energieeffizienz deutliche Verbesserungen für die Energiebilanz der Server-Zentren. Vieles dreht sich dabei um die Kühlung der leistungsstarken Server, für die bisher nicht selten ein Drittel des Energieverbrauchs einer Anlage aufgewandt wird. An den Prozessoren aufgeschraubte Kühlwärmetauscher nutzen Wasser statt wie sonst Luft zur Klimatisierung der Rechenanlagen, welches dann erwärmt in benachbarte Heizungssysteme von Büro- oder Wohninfrastruktur eingespeist werden soll. Der Blick weitet sich auch gen neue architektonische Konzepte, die die passive Kühlung durch natürliche Luftströmungen im Datenzentrum unterstützen sollen. Außerdem kommt KI nicht nur in den industriellen Fertigungsprozessen, wo mit die größten Effizienzgewinne durch die Digitalisierung erwartet werden, sondern auch in den Rechenzentren selbst zur Anwendung. Bei Northern Data etwa in Form einer selbst entwickelten Management-Software, die jeden einzelnen Server überwacht und abgestimmt auf die Klimatisierung am Leistungsoptimum steuert.

Emissionsfreiheit bis 2030: Innovationen sorgen für neue Ambitionen. Mit der Vielfalt an nachhaltigen Entwicklungsmöglichkeiten für das Rechenzentrum scheint auch ein neues Selbstbewusstsein bei vielen Betreibern heranzuwachsen. Im Climate Neutral Data Centre Pact setzen sich einige von ihnen das ambitionierte Ziel, bereits bis 2030 und damit zwanzig Jahre vor der EU-Zielsetzung Klimaneutralität zu erreichen.

Bildquelle: ElasticComputeFarm / Pixabay

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