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Trumps Börsen-Crash // Clockwork Orange

Thomas Schumm10. April 20254 Min.0
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Das Zelebrieren von Macht, Gewalt, auch gegenüber Wehrlosen, Herrschaft, aber Selbstüberschätzung und Hilflosigkeit sind die Themen von Stanley Kubricks Meisterwert Clockwork Orange. Dieser Tag konnten sich Börsianer – und die Welt, nein, es geht nicht kleiner – immer wieder an den bizarren Plot des Films (beziehungsweise der gleichnamigen dystopischen Romanvorlage von Anthony Burgess) erinnert fühlen.

Die Zoll-Volten des orangenen Manns im Weißen Haus haben die (Börsen-) Welt gewaltig in Unruhe versetzt. Was war passiert? Donald Trump hat, verkürzt, Zölle auf alles und jeden erlassen, um, so wohl sein Masterplan, das Handelsbilanzdefizit der USA mit all jenen Ländern der Welt auszugleichen, die sich, so Trumps Ansicht, an den USA (schamlos?) bereichern.

Das ist eine durchaus eigenwillig Sicht der Dinge, denn das amerikanische Geschäftsmodell bestand in den vergangenen Jahren darin, alles an Waren aufzusaugen, was es global zu kaufen gab und dafür mit grünlich bedruckten Scheinchen (Dollars) zu bezahlen. Die Verkäufer nahmen dann diese Dollars und kauften davon US-Staatsanleihen (US-Schulden) und finanzierten so einen sehr großen Teil des amerikanischen Staatsdefizits von derzeit 36,5 Billionen Dollar oder 123 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, worauf in diesem Jahr voraussichtlich 1,2 Billionen Dollar Zinsen fällig werden.

Donald Trump stellt dieses Geschäftsmodell nun in Frage. Was er damit erreichen will? Ein Plan soll wohl sein, dass Unternehmen ihre Produktion in die USA verlagern, was eine verwegene Idee ist, sich vorzustellen, dass demnächst Rednecks Nikes zusammenkleben oder iPhones bestücken. Andere vermuten, dass Trump möchte, das beispielsweise die Europäer him mehr Fracking-Gas abkaufen, um das Handelsdefizit auszugleichen. Wieder andere vermuten, dass Trump eine Rezession provoziere, damit die Zinsen fallen und so die Schuldenfinanzierung erleichtert wird.

Letztlich sind das alles Schnapsideen – und insbesondere das letzte Vorhaben, so es eines war, ist grandios gescheitert. Durch Trumps Zoll-Rand stiegen die Zinsen am langen Ende plötzlich steil an, die zehnjährigen Treasuries bis auf 4,51 Prozent, nach 3,87 Prozent am Montag. Die Märkte verloren offenbar das Vertrauen in die USA oder die Chinesen, als einer der größten Gläubiger der USA, verkauften – um Druck zu machen? – US-Staatspapiere. Das brachte Trump zügig unter Druck und seine Füsse wurden anscheinend schnell sehr kalt. Zudem dachte wohl die Trump-Administration darüber nach chinesische ADRs oder GDRs von den amerikanischen Börsen delisten zu lassen. In Sachen Vertrauen wäre das ein herber Schlag für die Wall Street geworden.

Da war Trump angezählt. Kurze Zeit später knickte er ein, obwohl das seine Sprecherin zuvor immer wieder vereint hat, und setzte die reziproken Zölle (Gegenzölle) für 90 Tage aus. Die Leute hätten Angst bekommen, meinte er. Der wirtschaftliche Amoklauf der USA macht erstmal Pause, vorbei ist es allerdings noch nicht, auch wenn die Märkte Trumps Milde ordentlich feierten.

Wobei weiterhin ein Grundzoll von zehn Prozent für die meisten Länder gilt, Ausnahme ist China, die Trump mit 125 Prozent [Nachtrag: inzwischen 145 Prozent] abstraft, weil die Chinesen zu wenig Respekt gezeigt hätten.

Wie geht es weiter? Es dürfte volatil bleiben. Trump ist unberechenbar, scheint besessen von der Zoll-Idee und vom Wahn, die Welt würde die USA (eines der reichsten Länder) benachteiligen. Damit erodiert er das Vertrauen in die USA, was für ein Land mit dieser Staatsverschuldung kein zu vernachlässigender Faktor ist. Das Wachstum in den USA (und nicht nur dort) wird leiden, da Investoren und Konsumenten verunsichert sind. Das könnte nachgebende Anleihen-Renditen (steigende Anleihen-Kurse) und einen nur mäßig performenden Aktienmarkt bedeuten, sofern Trump seinen Zoll-Plan abmildert. Gold sollte weiter gefragt bleiben als sicherer Hafen.

Ob das mit Trump und der Wall Street noch etwas wird? Das Verhältnis ist (stark) angeschlagen. Für Trump stellt das eine Gefahr dar, da die Amerikaner es lieben Geld zu verdienen und sie lieben ihre aktienbasierte Altersvorsorge, entsprechende Voraussetzungen wollen sie haben. Zerstört Trump diese Basis, wird es es sehr schwer haben. Darin liegt auch eine gewisse Hoffnung.

Bleibt Trump bei seinem (harten) Zoll-Plan, dann bedeutet das für die Amerikaner steigende Konsumentenpreise, tendenziell deutlich höhere Zinsen, durch den Vertrauensverlust und weil das Ausland keine Kapitalüberschüsse mehr aus Handelsüberschüssen zur Finanzierung des US-Defizits hat sowie spürbar niedrigere Aktienkurse (Abdiskontierung der Gewinn durch höhre Zinsen). Ob sich die Amerikaner auf diesen Wohlstandsverlust einlassen?

Clockwork Orange endet mit dem Satz: „I was cured all right.“ Immerhin besteht die Möglichkeit, dass die Wall Street Donald Trump kurieren wird.

Bildquelle: Bundesbank; © Nils Thies

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