Die Börse macht sich (immer) so ihre Gedanken wie es wohl weitergeht mit der Wirtschaft und den Unternehmen, wobei die Börse natürlich Anleger sind, die ihr Geld möglichst gewinnbringend investieren wollen. Das unterscheidet Anleger auch vom Staat, der Subventionen nach anderen Kriterien vergibt und damit oft scheitert (gerade wurde das Aus für eine Batteriefabrik in Rheinland-Pfalz bekannt – 437 Millionen Euro Förderung sind damit wohl futsch), aber das ist eine andere Geschichte.
Das beherrschende Thema an der Börse ist derzeit letztlich künstliche Intelligenz (KI), englisch AI für Artificial Intelligence, weil diese Technologie disruptiv wirkt und das Potenzial hat so ziemlich alle Geschäftsmodelle umzukrempeln oder gar einzustampfen.
In den vergangenen Tagen standen Software–Hersteller wie Oracle, Salesforce, Servicenow (Partnerschaft mit KI-Anbieter Anthropic), SAP oder Microsoft erheblich unter Druck. Der Markt zweifelt, ob deren Geschäfte auch künftig überhaupt oder zumindest noch so margenstark laufen werden oder, ob KI (zum Beispiel von Anthropic – Model Context Protocol) deren Software zu einem Bruchteil der Kosten ersetzen kann. Sicher vermag das aktuell keiner einzuschätzen, vielleicht bedeutet KI für diese Unternehmen auch eine Bereicherung und neue Verdienstmöglichkeiten, aber das Risiko, dass es anderes laufen könnte, will die Börse im Kurs berücksichtig sehen – die Bewertung wird zurückgenommen.
So ergeht es auch den Aktien von Unternehmensberatungen wie Capgemini oder Accenture. Investoren gehen davon aus, dass Präsentationen durch die KI für lau erstellt werden, wofür bislang ein Stab von Beratern notwendig war.
Jüngstes KI-Opfer: Papiere von Versicherungsmaklern. Klar, KI kann Vergleiche sehr viel schneller und günstiger erstellen. Ähnlich wird es vielen Investmentbankern (Unterlagen für eine Börsengang), Rechtsanwälten oder Vermögensverwaltern ergehen. KI wird alles umpflügen auf der Suche nach Ineffizienzen.
Was bleibt dann noch? Vor allem, was physisch (analog) erstellt wird, zum Beispiel Maschinen. Hier hätte Deutschland mit seinem traditionell starken Maschinenbau ein richtiges Pfund mit dem das Land wuchern könnte, wenn eine ideologisch geprägte Politik nicht auf die Idee gekommen wäre, um die Welt zu retten, die eigene Energieversorgung vom Wetter abhängig zu machen und Kraftwerke zu sprengen … Nun, jetzt sollen wieder zig Gas-Kraftwerke gebaut werden, allerdings nur als Backup, wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint, was eine niedrige Auslastung und, BWL erstes Semester, hohe Kosten und eine geringe Rentabilität bedeutet. Resultat: der Strom ist hierzulande sehr teuer, weshalb er mit Steuergeldern wieder herunter-subventioniert wird. Aber jeder weiß: Subventionen bedeuten Steuern woanders.
So ist Deutschland teuer, energie-wackelig und durch eine wuchernde Bürokratie auch ineffizient geworden, während in den USA und China Rechenzentren samt angeschlossener Kraftwerke aus dem Boden schießen.
Was brauchen diese Datenfarmen? Halbleiter (Chips) in allen Varianten, vor allem auch Speicherchips, wodurch die Kurse von Halbleiter-Produzenten wie Micron Technology oder SK Hynix in den vergangenen Monaten haussierten. Deutschland kann davon profitieren, in dem es Maschinen für die Herstellung und Bearbeitung von Chips liefert. Da finden sich Maschinenbauer wie Suss Microtec, PVA Tepla oder Aixtron, die jüngst erfreulich entwickelt haben (siehe auch Aixtron-Chart unten) und wohl auch noch weitere Chancen bieten. Spannend könnten auch Siltronic sein, die Wafer liefern (PVA Tepla baut die Anlagen für die Kristallzucht).
Aixtron-Aktie (Tageschart): gelungene Wende



