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Interview

Florian Homm Interview // Im Gefängnis kann man jeden Tag ums Überleben spekulieren

Thomas Schumm10. Februar 2016aktualisiert:2. Mai 20166 Min.2
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Florian Homm
Quelle: Florian Homm

Time is Money // Schnell ein paar Fragen an Florian Homm. Wenn es ihn nicht gäbe, man müsste ihn (fast) erfinden, allein der Geschichte wegen. Er war so eine Art Lemmy Kilmister der Finanzindustrie. Dicke Zigarren. Dicke Auto. Dicke Häuser. Dicke Auftritte. Dicke Konten. Zeitweise hat der Hedgefonds Absolute Capital Management (ACM) von Homm drei Milliarden Dollar verwaltet. 2007 dann der Zusammenbruch. Investoren sollen 200 Millionen Dollar verloren haben. Homm taucht unter. FBI, SEC und DEA schreiben ihn zur Fahndung aus. Ein Privatermittler setzt ein Kopfgeld von 1,5 Millionen Dollar auf Homm aus. In Caracas wird er angeschossen und dabei schwer verletzt. 2013 verhaftet ihn die italienische Polizei nach Hinweisen von Zielfahndern des FBI in Florenz. Nachdem die Höchstdauer der Untersuchungshaft abgelaufen war, wird Homm 2014 freigelassen. Nach der Haft fühlt sich Florian Homm geläutert. Seine Botschaft nun: Barmherzigkeit. Heute lebt Homm in Deutschland, von wo er, trotz Haftbefehl des FBI und der Schweiz, nicht ausgeliefert wird. Ungeklärt bleiben Geld- und Gold-Transaktionen in Millionen-Höhe mit der Schweizer Bank Reichmuth und der UBS, die Homm unter dem Pseudonym Colin Trainor mit Fake-Pass durchgeführt haben soll.

Schon mal ein Sparbuch besessen?
Ja. Das haben meine Eltern für mich angelegt.

Bausparer?
Auf keinen Fall.

Lebensversicherung?
Nein.

Von ihrem ersten Taschengeld haben Sie was gekauft?
Weiß ich nicht mehr.

Haben Short-Spekulationen etwas Destruktives?
Selten. Manchmal werden auch vielversprechende, aber schlecht finanzierte, forschungsintensive Unternehmen dabei zerstört. Das ist schade.

Ihre Lieblings-Short-Position?
In Deutschland: MLP, WCM, Bremer Vulkan.

Ihre erste Short-Position?
Öl, vor genau 34 Jahren. Das war eine wunderbare Zeit. Ich war jung und für mein Alter sehr liquide.

Wer hat Ihnen das Spekulieren beigebracht?
Ich habe mit 18 Jahren auf Anraten meines damalig besten Freundes Michael Kagan – heute Clear Bridge Investments – erfolgreich in Übernahmen investiert. Später habe ich selber in Small Caps, Kupfer, Öl und so weiter gezockt.

Deprimiert Short sein auf Dauer?
Als reiner Short-Manager lautet die Antwort: 100 prozentig. Sie freuen sich nur noch über Debakel und Katastrophen. Das ist ungesund.

Warum geht man short?
Gewinn und, weil da weniger Konkurrenz ist. Fast alle denken immer nur an steigende Kurse.

Mehr gewonnen oder verloren?
Viel mehr gewonnen. Mein Track-Record als Short-Seller ist viel besser als der als Long-Only-Manager.

Lassen Sie uns über Moral reden. Fühlen Sie Barmherzigkeit für Long-Buyer?
Für eine Wirtschaft ist es elementar, dass das Kapital nicht nur gewinnbringend sondern auch intelligent für das Gemeinwohl und eine nachhaltige positive Wirtschafsentwicklung eingesetzt wird. Der Long-Buyer hat dabei eine viel wichtigere Funktion als der Short-Seller – aber Aasgeier sind auch notwendig, um potentiell sehr schädliche Infektionen einzudämmen. Wagnis-Kapital-Investoren sind noch wichtiger. Das mache ich seit 1978, damals durch meine erste Firmengründung mit 19 Jahren. Dumme Long-Buyer verursachen sogar Schaden, weil sie Mittel in nutzlosen Schrott investieren – Kapitalfehlallokation. Das ist nackte Kapitalvernichtung: blöd und schlecht.

Fühlen Sie sich irgendwie geläutert?
Massiv. Fast verreckt. Kohle weg. Familie kaputt. Horror-Knast. Mehr geht kaum. Ich bin dankbar für diesen sauschweren Weg. Heute bin ich glücklicher als damals als Dollar Milliardär.

Schon mal in Lourdes gewesen?
Ja!

Ist Hedgefondsmanager ein ehrenwerter Beruf?
Welch‘ eine unsinnige Frage. Die Antwort lautet: ja und nein! Habe sie ein Jahr, um das zu diskutieren? Ich nicht.

Waren Sie ein Guter oder Böser?
Ich habe damals für meine weltliche Aufgabe 90 Prozent meiner Zeit für unsere Kunden exzellent eingesetzt. Dabei gab es Supersachen, die auch viel Gutes gebracht haben: Jdate, die BVB Sanierung, Clinuvel.com und Our-School-Liberia.com und so weiter. Gott sei Dank.

Hölle oder Fegefeuer?
Himmel. So Gott will.

Beten Sie (manchmal) für fallende Kurse?
Damals nicht und heute erst recht nicht. Damals wäre es einfach unprofessionell und albern gewesen und aus heutiger Sicht wäre es nur pervers.

Kann man im Gefängnis spekulieren?
Jeden Tag. Ums überleben, wenn sie mit Schutzgeld-Erpressern dealen müssen.

Das Essen im italienischen Knast?
Highlight: Die Pasta ist al dente, aber zu viele sterben an Lebensmittelvergiftungen, verseuchtem Wasser oder beschissenen hygienischen Zuständen. Wie zum Beispiel mein amerikanischer Freund James Edward Burke in Pisa im Juli 2014.

Noch Zigarren?
Das ist vorbei.

Kuba?
Ich liebe Kuba.

Der größte Spekulant aller Zeiten?
König Salomon.

EZB-Präsident Mario Draghi ist ein …
ein Mensch mit extrem viel Macht, der absolut null Risiko hat. Okay auf englisch: MD has zero skin in the game. Und das ist absurd.

Und Fed-Vorsitzende Janet Yellen?
Die Krönung der Idiotie. Janet setzt wie Mario Draghi Maßnahmen ein, die seit mehr als zwei Jahrzehnten in Japan nicht funktioniert haben und erwartet dabei in Amerika und Europa andere Resultate. 1000 Jahre Ponzi-/Fiat-Geld-Geschichte argumentieren gegen Bernanke, Wellen, Draghi. Das sind „very poor odds“. Das wird nicht funktionieren. End of Story.

Wie sieht Ihr Depot aktuell aus?
Circa 150.000 Euro Miese bei meinen Anwälten, meiner Familie, meinen Freunden und rund 30 Millionen Schweizer Franken, Geldmarkt und anderes Zeug in der Schweiz eingefroren.

Wie übersteht man nun am besten den Meltdown – und was ist das eigentlich?
Bei einem Zusammenbruch des Finanzsystems kommt sehr auf die persönlichen Möglichkeiten an. Als Faustformel gilt für Mittelschicht: Wenn es zum Chaos kommen sollte, ist Gold wirklich Gold wert. Wer mehr wissen will, sollte mein Buch Endspiel lesen.

Wird man zum Außenseiter, wenn man die Kernschmelze des Finanzsystems sicher überstanden hat?
Das ist schwachsinnige Moralapostelei. Sie müssen sich, ihre Familien sicher durch dieses Desaster bringen. Das ist ihre christliche und menschliche Aufgabe!

Macht Geld glücklich?
Dazu gibt es so viele empirisch verlässliche Studien. Ab circa 60.000 Euro netto pro Jahr lautet die Antwort: nein. Wenn sie aber ihre nicht lebensnotwendige Kohle nützlich und menschlich einsetzen hilf das definitiv ihrer Glückseligkeit. Siehe Bill Gates.

Welches Finanzsystem wird sich nach der Kernschmelze etablieren?
Ein kerngesundes, einfacheres, sinnvolles.

Und wie geht es nun weiter?
Es geht um ihre Existenz und der ihrer/unserer Kinder: es sieht eher nach einer schnellen als einer schmerzhaften langsamen Kernschmelze aus. Deflation oder fiese Stagflation. Mehr und mehr finanzielle und politische Repression. Dann kommt Entwertung und Währungsreform. Es ist seit circa 1.000 Jahren immer der selbe Zyklus. Um die Systeme zu bereinigen, braucht es diesmal zwischen 7 bis 15 Jahren. Glauben sie bitte nicht Yellen, Bernanke, Draghi, aber auch nicht Obama, Hollande oder Merkel. Das sind reine Theoretiker. Die spielen nur noch auf Zeit. Was da verzapft wird, ist nackte Volksverdummung.[divider]

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2 Kommentare

  1. Pete J. Probe auf 20. Dezember 2016 07:17

    Guten Morgen,
    meine finanzielle Lage spielt für mich als Pensionär keine besondere Rolle mehr.
    Geld immer gut bewahrt mit seriösen Gewinnen hochverzinst. Aber das ist `Finance-History´, Schnee von gestern.
    Das ist zunächst alles, was für mich jetzt zählt:
    „Es geht um ihre Existenz und der ihrer/unserer Kinder“.
    MfG und geruhsame Weihnachten
    PJP

  2. Richard auf 16. Februar 2016 12:21

    Ex-Hedge-Fonds-Star Florian Homm in „Endspiel“-Stimmung: Crash 2017 – DAX auf 3000 – 4000 Punkte

    http://aktien-boersen.blogspot.de/2016/02/ex-hedge-fonds-star-florian-homm-in.html

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