Die Sorge, dass sich die Konjunkturentwicklung auch bei Wacker Neuson negativ niederschlägt, hatte den Kurs der Wacker Neuson-Aktie (WACK01) im Sommer deutlich unter Druck gebracht. Am vergangenen Dienstag (2. Dezember) folgte allerdings die Nachricht, dass ein Übernahmeangebot für den deutschen Konzern folgen könnte. Ein südkoreanisches Unternehmen – Doosan Bobcat – hat wohl ein Auge auf den Baumaschinen-Hersteller geworfen, was der Aktie Rückenwind gab.
Die Mitte November veröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal konnten nur bedingt überzeugen. Zwar steigerte Wacker Neuson den Umsatz um 6,3 Prozent auf 550,3 Millionen Euro und verbesserte die operative Marge (Ebit-Marge) um 2,7 Punkte auf 7,5 Prozent. Doch diese Margen-Verbesserung war vor allem auf Kostenreduzierungen zurückzuführen. Ein Blick auf die Neun-Monats-Zahlen zeigt zudem, dass von Wachstum derzeit keine Rede sein kann. Denn hier kam es beim Umsatz zu einem Rückgang um 5,6 Prozent auf rund 1,63 Milliarden Euro.
Immerhin bestätigte beziehungsweise konkretisierte der Vorstand die Prognose für das Gesamtjahr. So wird nun ein Konzernumsatz zwischen 2,15 und 2,25 Milliarden Euro erwartet, nachdem die vorherige Guidance bei 2,10 bis 2,30 Milliarden Euro lag. Bei der Ebit-Marge musste das Management allerdings zurückrudern: Nachdem das obere Ende der Erwartung vorher 7,5 Prozent betrug, wurde dieses nun auf 6,8 Prozent gesenkt, während das untere Ende der Spanne unverändert bei 6,5 Prozent steht.
Die langfristigen Perspektiven des Konzerns stufen wir, vor allem mit Blick auf die Marktposition und die herausragende Produktqualität, weiter als gut ein. Dies sehen wohl auch die Firmenlenker des südkoreanischen Doosan Bobcat-Konzerns so, die wohl ein Übernahmeangebot für den deutschen Konzern planen.
Mit Blick auf die Aktionärsstruktur bei Wagner Neuson könnte ein solches Angebot schnell zu einer Mehrheit für die Koreaner führen. Denn in einer Wacker-Familiengesellschaft sind rund 15 Prozent der Anteile gesammelt, während eine Stiftung mit dem Namen PIN 26 Prozent der Aktien hält und eine SWRW Verwaltungsgesellschaft weitere 17 Prozent besitzt. Allein diese drei Großaktionäre halten gemeinsam 58 Prozent des Grundkapitals. Kein Wunder also, dass Bobcat erwägt insgesamt zunächst 63 Prozent des Grundkapitals von allen größeren Eignergruppen einzusammeln. Anschließend sollte dann ein öffentliches Übernahmeangebot in Form eines Barangebots an die Kleinaktionäre folgen.
Nach dem Kurssprung sehen wir allerdings wenig Potenzial für noch höhere Kurse. Darauf deutet einerseits die Charttechnik hin, denn das Hoch aus dem Sommer ist bereits nahezu erreicht. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 sehen wir zudem als gut bezahlt an, vor allem vor dem Hintergrund der sich weiterhin nicht positiv entwickelten Konjunktur. Andererseits wird der Konzern aktuell mit knapp 1,7 Milliarden Euro bewertet, was weniger als dem Jahresumsatz entspricht, der in diesem Jahr wohl rund 2,2 Milliarden Euro erreichen wird.
Einen Einstieg in die Wacker Neuson-Aktie, der mit der Hoffnung auf eine Übernahmeschlacht verbunden sein müsste, halten wir trotzdem aktuell nicht für ratsam. Wer allerdings die Aktie bereits im Bestand hat, kann die Position halten und die Entwicklung in aller Ruhe abwarten.
Schade, dass es auf diesen Basiswert aktuell Anlagezertifikate gibt, denn speziell Discounter könnten vor dem Hintergrund der gestiegenen Volatilität jetzt attraktive Konditionen aufweisen. Mit Blick auf die mögliche Übernahme werden die Emittenten sicherlich bei diesem Basiswert nicht nachlegen.
Wacker Neuson-Aktie (Tageschart): Am Jahreshoch angekommen



