Kürzlich verbrachte ich (fahrend) ein paar Stunden auf der Autobahn. Dabei fiel mir auf, dass ich mit meinem (alten) Audi an so machen elektromotorbetriebenen Porsche, der gemächlich auf der rechten Spur zuckelte, vorbeizog. Ich dachte mir: Führer fand sich ein Porsche, gummigebend, „ausschließlich“ auf der linken Fahrbahn. Und zudem: Wie sich wohl der Fahrer fühlt, der 100k plus für den schnittigen Boliden ausgegeben hat – und dann von Lkws überrollt wird?
Nun, der Hedonismus ist längst nicht mehr, was er mal war, aber diese Nummer. Wer sich einen Porsche zulegt, will doch auch King sein – oder? Warum sonst all das Geld ausgeben? Aber Porsche wollte in den zurückliegenden Jahren, so hatte es zumindest den Anschein, diesen Spaß beim Fahren nicht mehr so recht bedienen und wenn, dann nur verschämt. Gefühlt wurden viele Autos an der Kundschaft vorbei gebaut.
Dabei ist Porsche eine herausragende Marke und das Unternehmen kann, wenn es will, auch schöne und besondere Autos bauen, für die dann gerne auch mehr – Marge! – bezahlt wird. Nur müsste das Porsche auch wieder tun.
Ein Strategie–Schwenk ist inzwischen eingeleitet. Porsche will (wieder) „schlanker, schneller und noch begehrlicher“ werden. Der Konzernumsatz 2025 liegt bei 36,3 Milliarden Euro (2024: 40,1 Milliarden Euro), das operative Ergebnis bei 413 Millionen Euro (2024: 5.637 Millionen Euro) und die Konzern-Umsatzrendite bei beklagenswerten 1,1 Prozent. Der Gewinn je Aktie schmolz auf 0,48 je Vorzugsaktie ab, nach 3,95 Euro im Jahr zuvor, was zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von aktuell 85,8 führt.
Die Neuausrichtung hat das Ergebnis erheblich belastet, diese wird auch im laufenden Jahr mit einem dreistelliger Millionenbetrag ins Kontor schlagen. Finanzvorstand Jochen Breckner: „Um mittelfristig Porsche-adäquate Margen zu sichern und langfristig unsere Resilienz zu stärken, nehmen wir diese Belastungen in Kauf.“
Positiv ist die hohe Liquidität von Porsche (Kasse plus Wertpapiere) von 7,3 Milliarden Euro, bei Finanzschulden von 6,5 Milliarden Euro. Das Eigenkapital beträgt 23,1 Milliarden Euro und übersteigt damit den derzeitigen Börsenwert von 18,2 Milliarden Euro.
Nach dem Absacken unter die Unterstützungslinie bei 40 Euro, bewegt sich die Porsche-Aktie aktuell wieder aufwärts und hat sogar die Barriere bei 40 Euro überwunden. Der Abtaucher darunter könnte somit eine Bärenfalle gewesen sein. Die nächsten Widerstände finden sich nun bei 43 Euro (200-Tage-Linie) und bei 48/49 Euro. Ob sich die derzeitige Aufwärtsbewegung fortsetzt, wird davon abhängen wie ernst es Porsche mit seinem Strategie-Wechsel meint und wieder Autos baut, die auch gekauft werden. Die Börse signalisiert Hoffnung.
Porsche-Aktie (Vorzüge, Tageschart): Bärenfalle?



