AURELIUS

Interview Matthias Täubl / Aurelius // Net Asset Value mit Reserven

Von • 6. April 2022 • Feature, Time_is_MoneyComments (0)1581

Time is Money // Schnell ein paar Fragen an Matthias Täubl, CEO der Münchner Aurelius Equity Opportunites (A0JK2A), zum operativen Gewinnsprung in 2021, der überraschenden Dividenden-Anhebung auf 1,50 Euro je Aktie, den transaktionsreichen Start ins Geschäftsjahr 2022 und zur Frage, warum ihm die nachhaltige Stärkung des Shareholder Value besonders wichtig ist. Vom aktuellen Kursniveau hat die Aurelius-Aktie ein Potenzial von mehr als 40 Prozent bis zum ausgewiesenen Netto-Net Asset Value (NAV).

Herr Täubl, mit der Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2021 wird deutlich, dass Sie vor allem in operativer Hinsicht viel geschafft haben, abzulesen an der Steigerung des operativen Ebitda um 50 Prozent auf 249,7 Millionen Euro. Sind Sie mit dem Geschäftsjahr 2021 zufrieden?
Ich bin sogar sehr zufrieden, wie das Geschäftsjahr 2021 für Aurelius gelaufen ist. Wir konnten auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie zeigen, dass wir unsere Konzernunternehmen nachhaltig solide aufgestellt haben. Von Vorteil war dabei auch die eingeschlagene strategische Ausrichtung hin zum Erwerb von profitableren Unternehmen mit hohem operativen Verbesserungspotenzial. Besonders hervorheben möchte ich dabei die positive Entwicklung unserer Beteiligungen Distrelec, moveero, Silvan, VAG sowie Zentia. Unser operativer Ansatz mit rund 100 Kollegen, die hierfür täglich vor Ort in den Konzernunternehmen im Einsatz sind, zahlt sich dabei aus. Ihnen und dem gesamten Team gilt mein Dank!

Während das operative Ebitda um 50 Prozent zulegen konnte, war das Ebitda des Gesamtkonzerns im Geschäftsjahr 2021 rückläufig. Könnten Sie unseren Lesern diese Entwicklung und die Unterschiede bitte kurz erläutern?
Die Steigerung des operativen Ebitda spiegelt die deutlich erhöhte operative Leistungsfähigkeit unserer Portfoliounternehmen wider. Das Gesamt-Ebitda errechnet sich aus dem operativen Ebitda zuzüglich der Ergebnisbestandteile aus dem Kauf und Verkauf von Unternehmen sowie abzüglich der erforderlichen Restrukturierungsaufwendungen für die Neuausrichtung der Konzernunternehmen. Der Rückgang des Gesamt-Ebitda ist auf die deutlich geringeren Erträge aus der Auflösung negativer Unterschiedsbeträge aus der Kapitalkonsolidierung („bargain purchase“) im Vergleich zu 2020 zurückzuführen. Diese Erträge entstehen, vereinfacht gesprochen, wenn wir neue Beteiligungen unterhalb des Buchwertes kaufen. Das Exit-Ergebnis konnte in 2021 hingegen auf 163,7 Millionen Euro mehr als verdoppelt werden. Die Restrukturierungsaufwendungen sanken trotz eines anspruchsvollen Umfeldes leicht. Dies ist ebenfalls auf die gute Performance unserer Konzernunternehmen zurückzuführen.

Mit Blick auf 2022 sprechen Sie von einem dynamischen Start. Was sind die bisherigen Highlights im laufenden Jahr?
Wir haben auf der Transaktionsseite weiter zugelegt und bereits fünf Add-on Erwerbe und fünf Co-Investments vollzogen. Diese erhöhte Schlagzahl ist auf den verbreiterten Investitions-Fokus zurückzuführen. Ohne die Bedeutung der Zukäufe zu schmälern: Ein Highlight bisher ist sicher der sehr lukrative Verkauf der AKAD University. Hieran wird deutlich, wie sich gute Zukäufe nach ein paar Jahren für alle Stakeholder auszahlen. Mit über 45 Millionen Euro lag der Verkaufspreis signifikant über dem in Q3 berechneten NAV von 25 Millionen Euro.

Wie beurteilen Sie aktuell das Umfeld für weitere Zukäufe? Wie sehen Ihre Akquisitionspipeline und Ihr finanzieller Spielraum aus?
Das wirtschaftliche Umfeld ist weiterhin sehr volatil und unsicher. Im Transaktionsbereich kommt uns das zugute. Zeiten des Umbruchs sind in der Regel gute Zeiten für Aurelius. Viele Großkonzerne überdenken ihre bestehenden Aktivitäten und trennen sich verstärkt von Randbereichen. Das wird auch mit Blick auf die aktuell sehr gut gefüllte Deal-Pipeline deutlich. Für den weiteren Jahresverlauf sehen wir attraktive Übernahmekandidaten in allen drei Investmentsegmenten: Plattformerwerbe, Add-on-Akquisitionen und Co-Investments. Wir haben zum Jahresende fast 450 Millionen Euro Cash im Konzern ausgewiesen, davon steht uns ein beträchtlicher Anteil auf Holding-Ebene für M&A-Aktivitäten zur Verfügung. Entsprechend gehen wir für das laufende Geschäftsjahr von einer vitalen Transaktionstätigkeit aus.

Mit welcher operativen Entwicklung rechnen Sie im laufenden Jahr? Und wie stark beeinflusst Sie die aktuelle wirtschaftliche und geopolitische Entwicklung im operativen Geschäft, vor allem im Hinblick auf Energiepreise, Lieferketten, Materialpreise, Materialversorgung?
Wir sind mit einem robusten Portfolio ins Jahr gestartet und ich bin grundsätzlich auch zuversichtlich, was die Entwicklung unserer Konzernunternehmen angeht. Was die geopolitische Lage und damit einhergehende Themen wie Inflation, Engpässe sowie Lieferschwierigkeiten angeht, so schwanken die Expertenprognosen derzeit noch ziemlich. Sicher ist, dass auch wir entsprechende Auswirkungen spüren werden. Während der andauernden Pandemie haben wir unser Portfolio aber resilient ausgebaut. Exogenen Verwerfungen können wir durch die große operative Nähe unserer Aurelius Spezialisten der Task Force insgesamt gut meistern. Somit gehen wir von einem verbesserten operativen Ebitda gegenüber 2021 aus.

Wie sehen Ihre Exitpläne für 2022 und 2023 aus?
In den nächsten 24 Monaten werden Konzernunternehmen mit einem operativen Ebitda-Beitrag in der Größenordnung von rund 100 Millionen Euro exitreif sein. Werden diese mit einem marktüblichen Multiple von rund sieben multipliziert, zeigt sich der Umfang potenzieller Exiterlöse, die wir im angesprochenen Zeitraum realisieren könnten. Die Veräußerung von Wychem Ende 2021 und der Verkauf der AKAD University stimmen uns zusätzlich optimistisch mit Blick auf weitere Exits. Vorbehaltlich der genannten Marktturbulenzen erwarte ich entsprechend starke Verkaufsaktivitäten.

Mit den Jahreszahlen 2021 weisen Sie erstmals auch einen Netto-NAV aus. Warum diese Änderung? Und könnten Sie uns den Unterschied zwischen Brutto- und Netto-NAV bitte näher erläutern?
Diese Kennzahl ist ein weiterer Detailgrad für Investoren und Aktionäre. Der bisher ausgewiesene Brutto-NAV wird dabei um zu erwartende Transaktionskosten bei der Veräußerung der Portfoliounternehmen sowie um sämtliche mit den einzelnen Portfoliounternehmen im Zusammenhang stehenden Managementvergütungen bereinigt. Zudem haben wir uns vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Unwägbarkeiten, aufgrund der kriegerischen Aktivitäten in der Ukraine, dazu entschieden, einen Sicherheitsabschlag in Höhe von acht Prozent auf den NAV zum Jahresende 2021 vorzunehmen. Im veröffentlichten Netto-NAV von 1 Milliarde Euro bzw. 35,26 Euro je Aktie ist dieser Sicherheitsabschlag bereits berücksichtigt.

Sie haben eine Erhöhung der Dividende auf 1,50 Euro je Aktie angekündigt, zuvor hatten Sie für das Geschäftsjahr 2021 eine Ausschüttung je Aktie von 1,25 Euro in Aussicht gestellt. Warum diese Erhöhung? Und wie sieht Ihre künftige Dividendenstrategie aus?
Wir haben das Thema Shareholder Value ganz oben auf unsere Agenda gesetzt. Das Geschäftsjahr 2021 lief operativ sehr gut und wir konnten erfolgreiche Exits vollziehen. Im ersten Quartal 2022 kam der Verkauf der AKAD University hinzu. An diesen Erfolgen sollen die Aktionäre beteiligt werden – heute, aber auch in Zukunft. Wir setzen einen klaren Fokus auf die Wertschaffung für unsere Aktionärinnen und Aktionäre. So entspricht die vorgezogene Erhöhung der Dividende auf 1,50 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2021 aktuell einer Dividenden-Rendite von knapp sechs Prozent. Auch für das laufende Geschäftsjahr 2022 sehen wir eine Ausschüttung in Höhe von 1,50 Euro vor.

Wie weit ist Ihr Aktienrückkaufprogramm fortgeschritten? Und wie viele Aktien wollen Sie noch zurückkaufen?
Wir haben in den vergangenen fünf Monaten bereits mehr als 600.000 eigene Aktien zurückgekauft. Dies entspricht gut zwei Prozent der insgesamt ausstehenden Aktien. Im laufenden Rückkaufprogramm dürfen wir bis zu einer Million Aktien zurückkaufen. Wir prüfen dabei regelmäßig das Volumen und damit die Geschwindigkeit, mit der wir Aktien zurückkaufen.

Trotz der guten Geschäftsentwicklung bewegt sich die Aurelius-Aktie in einer engen Bandbreite um 26 Euro herum. Was können Sie noch tun, um den Abschlag zum NAV zu reduzieren?
Vom aktuellen Kursniveau hat die Aurelius-Aktie ein Potenzial von mehr als 40 Prozent bis zum ausgewiesenen Netto-NAV. Dieser Abschlag erscheint deutlich zu hoch, zumal der Verkauf der AKAD University, wie dargelegt, zu einem Wert erfolgte, der rund 80 Prozent über dem in Q3 berechneten NAV lag. Dies zeigt die Leistungsfähigkeit unseres Geschäftsmodells sowie unseres Teams. Wir werden weiter konsequent unsere Arbeit erledigen und unsere Konzernunternehmen für erfolgreiche Exits zu Preisen oberhalb des NAV aufbauen.
Das Vertrauen der Investoren in unsere Gesellschaft und unser Geschäftsmodell ist ein Kern unserer Strategie. Daher setzen wir den Kurs der Aurelius auch weiterhin auf die nachhaltige Stärkung des Shareholder Value.

Herr Täubl, vielen Dank für das schnelle Interview.

Bildquelle: Aurelius

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