Die Immobilienkrise schlägt bei der Merkur Privatbank ins Kontor. Der Spezialist für Bauträger-, Mittelstands- und Leasing-Finanzierungen rechnet im Immobilienbereich mit einem rückläufigen Neugeschäft. Der Zinsüberschuss 2026 dürfte somit aufgrund der geplanten restriktiveren Kreditvergabe und Rückführungen von Kreditvolumina unter dem Vorjahresniveau liegen. Zudem könnten Neubewertungen bei einzelnen Immobilienfinanzierungen zu einer spürbar höheren Risikovorsorge der Bank als bislang angenommen führen – letztlich hänge dies aber von der weiteren Marktentwicklung ab.
Hart für die Aktionäre: Entsprechend haben Geschäftsführung und Aufsichtsrat beschlossen, der am 15. Juni stattfindenden Hauptversammlung vorzuschlagen, den Bilanzgewinn für das Geschäftsjahr 2025 vollständig in die Gewinnrücklagen einzustellen und auf die Ausschüttung einer Dividende zu verzichten; im Vorjahr wurden 0,50 Euro je Aktie ausgezahlt.
„Während wir im Vermögensmanagement weiter optimistisch sind, trüben steigende Inflationserwartungen und Zinsen die Aussichten für unser Immobilien- und Finanzierungsgeschäft. Als vorsichtige Kaufleute planen wir daher, unser Kreditvolumen spürbar zu reduzieren. Zudem beabsichtigen wir unsere Rücklagen zu erhöhen und für 2025 keine Dividende auszuschütten.“
Marcus Lingel, Vorsitzender der Geschäftsführung und persönlich haftender Gesellschafter
Im ersten Quartal 2026 konnte die Privatbank, dank einer gut laufenden Vermögensverwaltung, den Provisionsüberschuss im Jahresvergleich von 8,4 auf 8,9 Millionen Euro steigern. Die Assets under Management kletterten seit Jahresende 2025 von 5,0 auf rund 5,1 Milliarden Euro. Allerdings fiel der Zinsüberschuss, wegen veränderten Zinsumfelds und des zurückhaltenderen Finanzierungsgeschäfts, von 27,6 auf 26,4 Millionen Euro.
Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit sank, aufgrund einer Risikovorsorge von 6,2 Millionen Euro und weiteren Zuführungen für allgemeine Bankrisiken von 500.000. Euro, von 8,9 auf 7,9 Millionen Euro und der Periodengewinn um acht Prozent auf 2,8 Millionen Euro.
Herausfordernde Zeiten für die Merkur Privatbank. Der schwache Immobilienmarkt dürfte die Bank weiter Schwierigkeiten bereiten. Die gestrichene Dividende ist ein klares Signal für ein gesteigertes Risikobewusstsein und ein erhöhtes Maß an Vorsicht. Gut, dass die Bank eine solide laufende Vermögensverwaltung als Stabilitätsanker hat. Dennoch, ohne eine Besserung am Immobilienmarkt wird sich die Bank schwertun das Gesamtergebnis zu steigern.
Die Börse hat ebenfalls auf die gestiegenen Risiken reagiert und den Aktienkurs deutlich zurückgenommen – das Papier ist in den Bereich der jahrelangen Seitwärtsbewegung zurückgefallen (siehe Tageschart unten).
Merkur Privatbank-Aktie (Tageschart): Aufwärtstrend angegkratzt



