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Nanorepro-Aktie // Viel Covid-19-Test-Fantasie und sonst?

by • 4. November 2020 • Anlagevisionen, Feature, PlusvisionenComments (0)2387

Beim Blick auf den Tageschart (siehe unten) der Nanorepro-Aktie fällt schnell eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Verlauf der Covid-19-Infektionszahlen in Deutschland in diesem Jahr auf. Das kommt nicht von ungefähr.

Nanorepro ist traditionell im Diagnostik-Business tätig. Mittels Schnelltests können der Laktose-, der Vaginalpilz-, der Darm-, der Helicobacter-, der Gluten- oder der Fertilitäts-Status überprüft werden. Und sollte etwas nicht mit den Werten stimmen, dann gibt es – klar – Nahrungsergänzungsmittel wie Vitaminen und Mineralien um entsprechend gegenzusteuern. Nahrungsergänzungsmittel sind eigentlich das große Geschäft, nur bei Nanorepro hat sich das nicht so recht ausgezahlt – auch im Kursverlauf nicht, bis Februar dieses Jahres ging es zumeist bergab.

Doch dann kam Covid-19 und es wurde schnell deutlich, dass für dieses neue Virus neue Tests benötigt würden. Naheliegend, dass auch Nanorepro in dieses Segment einstieg. Schon Anfang März kündigte das Unternehmen einen B2B-Schnelltest auf Basis von Antikörpern an und Ende März sogar für jedermann (Massenmarkt, B2C).

Der B2B-Antikörper-Schnelltest wurde zunächst ein Renner [siehe auch Plusvisionen hier]: Im ersten Halbjahr 2020 kletterte wegen hoher Nachfrage nach Corona-Schnelltests der Nanorepro-Umsatz um 179 Prozent auf 2.208.000 Euro. Der Vorjahreswert lag bei 790.000 Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Wertberichtigungen stieg von minus 729.000 Euro im Vorjahreszeitraum auf plus 580.000 Euro.

Die Antikörper-Schnelltest verkauften sich im Sommer, durch die gesunkenen Infektionszahlen, allerdings nur noch schleppend: Da betrugen die Umsätze, so CEO Lisa Jüngst auf einer heute von der BankM organisierten Videokonferenz, nur noch 5.000 bis 10.000 Euro. Derzeit habe man noch eine sechsstellige Anzahl an Tests auf Lager, sei aber zuversichtlich, dass sich diese noch abverkaufen lassen.

Das könnte schwierig werden, denn nun fragt der Markt vor allem Antigen-Schnelltests nach (neben dem Goldstandard PCR-Test durch Labore). Seit dem Start bei Nanorepro am 22. September gibt es inzwischen einen Bestelleingang für diese Tests mit einem Volumen von 8,5 Millionen Euro (Stand 3. November). Allein ein Kunde, den Jüngst auf Nachfrage nicht nennen wollte, habe 1,5 Millionen Einheiten geordert. Auch an staatliche Stellen wurde ein Angebot über 50(!) Millionen Einheiten abgegeben. Ein weiterer Nanorepro-Kunde ist Geratherm.

Die Schnelltest bezieht Nanorepro von einem Anbieter aus Kanada, einem aus den USA und zwei Anbietern aus Asien. Die asiatischen Unternehmen verkaufen kostengünstiger. Die Preise für die Tests muss Nanorepro grundsätzlich immer aufs Neue verhandeln. Die Produzenten säßen derzeit am längeren Hebel, so Jüngst. Die Margen (brutto) für Nanorepro scheinen aber doch einträglich zu sein. Sie lägen bei mindestens 28 Prozent und gehen bis 70/80 Prozent.

Bei den Test handelt es sich allesamt um B2B-Tests, da Test für Zuhause (mit einem Ergebnis sofort Zuhause) zurzeit nicht zugelassen sind. Die Abstriche (Rachen) darf nur geschultes Personal vornehmen. Die B2C-Zulassung werde nach Einschätzung von Nanorepro dauern, wenn sie überhaupt erteilt werde. Kunden der Tests sind Klinken, Pflegeeinrichtungen, Ärzte und Apotheken.

Mit seinen 14 Mitarbeitern arbeitet Nanorepro aktuell an seiner Kapazitätsgrenze. Jüngst: „Jeder arbeitet dreimal so viel wie normal.“ Ob das nachhaltig ist? Größere Neueinstellungen seien nicht geplant, auch eine weitere (letzte im März) Kapitalerhöhung nicht. Man wolle jetzt mitnehmen, was möglich ist, sagt Jüngst und dann weitersehen. Möglich, dass die Covid-19-Tests eine Sogwirkung auf andere Nanorepro-Produkte entfalten.

Die Nanorepro-Aktie bleibt spekulativ, auch wenn die Geschichte aussichtsreich klingt. Das Unternehmen scheint aber immer (nur) auf Sicht zu wirtschaften. Die Perspektive bleibt etwas unklar. Sollten neue Großaufträge hereinkommen, dürften Umsatz und Ergebnis explodieren. Allerdings ist mittel- bis langfristig bei Covid-19-Test mit (stark) sinkenden Margen, auch durch womöglich steigende Personalkosten, zu rechnen.

Charttechnisch ist das neue Hoch positiv und letztlich eine Bestätigung des Aufwärtstrend. Der Abstand zur 200-Tage-Durchschnittslinie ist sehr üppig. Ein mulmiges Gefühl hinterlässt der Hanging Man vom 3. November und der Doji am Folgetag.


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Nanorepro-Aktie (Tageschart): neues Hoch

Nanorepro Aktie

Bildquelle: Gerd Altmann / Pixabay

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