Die Probleme von Bertrandt lassen sich bereits auf Seite drei der Präsentation von CFO Markus Ruf auf den von Montega veranstalteten Hamburger Investorentagen erahnen: Der Ingenieurdienstleistung-Anbieter macht 76 Prozent seines Umsatzes in Deutschland, wobei 86 Prozent aus Automotiv–Branche (Porsche ist mit 29 Prozent größter Einzelaktionär) kommen. Aerospace/ Defense und Industrie liefern lediglich sechs beziehungsweise acht Prozent. Nun ist bekannt, dass es weder mit der Konjunktur noch mit der Automobil-Industrie hierzulande sonderlich gut läuft. Ruf spricht von 100 Gewinnwarnungen im vergangenen Jahr aus diesem Bereich.
Abzulesen ist diese schwierige Situation auch im Kursverlauf der Bertrandt-Aktie, die sich 2025 vor allem, abgesehen von einem kurzen kräftigen Anstieg zu Jahresbeginn, im Wesentlichen seitwärts bewegt; die Untergrenze war dabei die Linie von 17 Euro (siehe auch Tageschart unten). Aus charttechnischer Sicht sollte diese auch nicht unterschritten werden. Fall doch, drohen weitere – deutlichere? – Kursverluste, insbesondere wenn auch das 2024er-Tief bei rund 16 Euro fallen sollte.
Zündende Hoffnung auf Besserung konnte Ruf denn auch nicht verbreiten. Was blieb war der Hinweis, dass Bertrandt in der Vergangenheit immer gut gewachsen sei – von 2009 bis 2025 waren es immerhin sechs Prozent pro Jahr im Schnitt – und dass Bertrandt Krisen, wie beispielsweise die Diesel–Krise, immer gut gemeistert habe.
Was beim Jahresbericht 2024/25 (bis 30. September 2025) positiv auffällt ist, dass Bertrandt trotz eines Rückgangs der Gesamtleistung um 18 Prozent auf 978 Millionen Euro, den Betriebsgewinn (Ebit) von minus 98 auf minus 36 Millionen Euro steigern konnte – das Ergebnisoptimierungsprogramms Fit for Future zeigt Wirkung, wobei das Vorjahr zusätzlich durch Sonderaufwendungen belastet war, aber das ist so ein Hauch von Turnaround.
Für das Geschäftsjahr 2025/26 strebt Bertrandt einen moderaten Anstieg der Gesamtleistung und einen deutlichen Anstieg beim Ebit auf ein positives Ergebnisniveau an. Ziel des Konzerns ist es, in einem „normalisierten Marktumfeld“ mittelfristig, über die nächsten drei Geschäftsjahre, eine Ebit–Marge von sechs bis neun Prozent zu erzielen.
Beachtlich bleiben die Bilanz-Kennziffern von Bertrandt: Bei einer aktuellen Marktkapitalisierung von 182,6 Millionen Euro beträgt das Eigenkapital 307,1 Millionen Euro und der Kassenbestand 85,7 Millionen Euro. Der freie Cash-flow kommt auf 18,5 Millionen Euro (2024: 54,5 Millionen Euro). Die Finanzschulden (kurz- und langfristig) summieren sich auf 235,6 Millionen Euro. Fast der gesamte Börsenwert ist somit von Substanz abgedeckt.
Eine Investition in die Bertrandt-Aktie bleibt ein Wagnis und eine Wette auf eine bessere automobile Zukunft in Deutschland und diese ist vage. Erst heute meldet das Ifo Institut, dass die Unternehmen der Automobil-Industrie ihre aktuelle Geschäftslage schlechter beurteilten, aber immerhin den kommenden Monaten weniger pessimistisch entgegensehen. Allerdings gesteht die Börse dem Papier derzeit nahezu keinerlei Fantasie zu, weshalb schon kleine Besserungshinweise in der Autobranche zu einem Kursanstieg führen könnten.
Bertrandt-Aktie (Tageschart): Seitwärtsbewegung

Vergleich der Aktien Bertrandt (rot) und Porsche (grau): auffälliger Gleichklang



