Richtig rund geht es derzeit bei Hugo Boss. Zunächst entzog der Großaktionär, die Frasers Group, dem Aufsichtsratschef das Vertrauen. Dann folgte am gestrigen Dienstag ein düsterer Ausblick auf das bevorstehende Geschäftsjahr 2026. Kein Wunder also, dass die Hugo Boss-Aktie unter Druck steht und sich ihrem Jahrestief nähert. Doch es gibt auch Chancen.
Der Reihe nach: Noch zum Ende der Vorwoche sorgte die Nachricht für Verwunderung, dass die Frasers Group, die mit einer direkten Beteiligung von 25 Prozent der größte Einzelaktionär des Konzerns ist und wohl über mehr als 30 Prozent der Stimmrechte verfügt, dem Aufsichtsratsvorsitzenden Stephan Sturm das Vertrauen entzogen hat. Bereits seit geraumer Zeit gibt es vor allem über die Dividenden-Politik unterschiedliche Auffassungen zwischen Aufsichtsrat und Großaktionär. Während Frasers höhere Ausschüttungen wünscht, will der Aufsichtsrat die Substanz des Unternehmens stärken.
Mit Blick auf den schwachen Ausblick 2026, scheint die Strategie von Sturm sinnvoller. Denn Hugo Boss stellt seine Anleger vor eine Geduldsprobe. So spricht das Management für 2026 von einem Jahr der Anpassung. Es geht vor allem um die Straffung von Prozessen, die Überarbeitung des Sortiments und die Optimierung des Vertriebs. Dabei sieht die Planung vor, dass der Umsatz im kommenden Jahr währungsbereinigt im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich sinkt. Erst ab 2027 will das MDAX-Unternehmen wieder wachsen und 2008 sogar richtig Fahrt aufnehmen.
Bei der Prognose für das operative Ergebnis, geht die Verwaltung aktuell von einem sinkenden Gewinn aus. Kein Wunder, dass die Hugo Boss-Aktie (A1PHFF) in diesem Umfeld deutlich an Wert verloren hat und sich wieder dem Jahrestief vom April unter der 32-Euro-Marke nähert. Mit Blick auf sinkende Gewinne stellt eigentlich auch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf und eine Dividenden-Rendite von 3,6 Prozent kein Kaufargument dar, zumal es bei der Dividende sogar zu Kürzungen kommen kann.
Doch es gilt bei Hugo Boss noch weitere Dinge zu beachten. So scheint Mike Ashley, der hinter der Frasers Group steht, auch gewillt zu sein, die Mehrheit an Hugo Boss zu übernehmen. Dies könnte den Aktienkurs deutlich nach oben treiben, beispielsweise in einem Übernahmekampf. Dies halten wir durchaus für möglich. Schließlich ist Hugo Boss die letzte börsennotierte deutsche Modegesellschaft. Somit könnten sich größere Finanzinvestoren gegen die Übernahme stemmen und entsprechende Gegenpositionen aufbauen, was den Kurs antreibt.
Mit Blick auf die Charttechnik können daher spekulativ orientierte Anleger durchaus im Bereich von 32 Euro Stücke einsammeln. Allerdings scheint dann Geduld gefragt zu sein. Denn bei einem Ausbleiben eines Übernahmekampf wird die Aktie wohl erst Ende 2026 von guten Prognosen für 2027 wieder profitieren können.
Als Einstiegsmöglichkeit für Langfristanleger bietet sich aber auch ein Discount-Zertifikat (UN1B62) mit Cap bei 32,50 Euro und Bewertungstag am 18. September 2026 an. Geht die Aktie über dem Cap bei 32,50 Euro über die Ziellinie, ist aktuell eine Maximalrendite von 9,1 Prozent (11,2 Prozent p.a.) möglich. Verweilt der Basiswert am Laufzeitende weiter unter 32,50 Euro, tilgt der Emittent via Aktienlieferung. Der Einstandskurs liegt dann bei 29,79 Euro, was einem Rabatt gegenüber dem Direktinvestment von rund 15 Prozent entspricht.
Hugo Boss-Aktie (Tageschart): Luft nach unten bis 32 Euro



