So richtig rund lief es in Deutschland bei Börsengängen zuletzt nicht. Gerade erst hat der Arzneimittelhersteller Stada laut Medienberichten seine Rückkehr an die Börse abgeblasen. Damit setzt sich der maue Trend aus 2024 fort, als die Zahl der IPOs im regulierten Markt in Deutschland mit vier nur unwesentlich höher war als im Vorjahr (drei). Das Volumen sank sogar noch einmal um 25 Prozent. International hingegen brummt das IPO-Geschehen. Die renommierte Emissionsberatung Blättchen & Partner erwartet auch im laufenden Jahr nicht, dass es in Deutschland zu einer Belebung kommt. Es mangle, so Konrad Bösl, Partner der Emissionsberatung, auch an attraktiven IPO-Kandidaten. Eine Ausnahme scheint die Pfisterer Holding SE zu sein.
Laut Unternehmensangaben prüft Pfisterer derzeit die Kapitalmarktfähigkeit. Im Finanz-Sprech bedeutet das, der Börsengang ist wahrscheinlich nicht weit und es sieht so aus als wenn der Anbieter von Produkten für die Energieinfrastruktur sehr viel mitbringt, um den deutschen Kapitalmarkt wirklich zu bereichern: Pfisterer entwickelt und produziert Komponenten wie Isolatoren und Transformatoren und Anschlusssysteme für moderne Stromnetze.
Mithilfe der Pfisterer-Produkte werden elektrische Leiter unter anderem bei Windkraftanlagen, industriellen Anlagen, Freileitungen und Erdkabelsystemen verbunden, kontaktiert und isoliert. Dabei deckt das Unternehmen mit Hauptsitz in Winterbach (bei Stuttgart) die gesamte Wertschöpfungskette ab und positioniert sich als unabhängiger Anbieter für Netzbetreiber, Energieversorgung oder Kabelhersteller. Diese Kunden sind aufgrund des kritischen Charakters von Energieinfrastruktur in aller Regel extrem risikoavers bei der Auswahl ihrer Lieferanten und setzen gern auf bewährte Partner. Ein klarer Vorteil für Pfisterer mit mehr als 100 Jahren Firmengeschichte und Erfahrung in dem Sektor.
Den Schwaben, die längst weltweit aufgestellt sind und mittlerweile gut 40 Prozent ihrer Umsätze außerhalb Europas erwirtschaften, spielen die steigende Nachfrage nach Elektrizität, die international veraltete Infrastruktur und der technologische Umbruch bei Energielösungen in die Karten. Eine zunehmende Rolle im Energiemarkt spielt beispielsweise Gleichstrom, weil er im Vergleich mit Wechselstrom als umweltschonender gilt und bei seiner Übertragung weniger Übertragungsverluste auftreten. Schon heute positioniert sich Pfisterer auch in diesem Segment.
Insgesamt soll der Markt, in dem sich das Unternehmen bewegt, laut Studien bis 2030 um 11,6 Prozent jährlich wachsen. Pfisterer scheint diese Steigerungsraten sogar noch übertreffen zu können. Zwischen 2022 und 2024 soll der Umsatz um rund 15 Prozent pro Jahr auf rund 380 Millionen Euro gewachsen und Pfisterer auch beim Nettoergebnis ganz deutlich profitabel gewesen sein. Für die kommenden Jahre sind die USA, der Mittlere Osten und Asien neben Europa die Regionen, in denen Pfisterer am stärksten expandieren will. Die jüngsten Unternehmensmeldungen zeigen, dass sich dies offenkundig gut klappt, von neuen Standorten, Partnern und Projekten war zu lesen.
Für den Kapitalmarkt – wenn es das Unternehmen denn tatsächlich dahinzieht – bringt Pfisterer eine Story mit, die Investoren gefallen dürfte: Ein traditionsreiches Familienunternehmen mit hohem Innovationspotenzial, global aufgestellt in einem langfristig stark wachsenden Markt. Direkte Wettbewerber finden sich an der Börse nicht. Wenn Anleger jedoch zumindest nach ähnlichen Vergleichsunternehmen Ausschau halten, stoßen sie auf Namen wie das italienische Unternehmen Prysmian (A0MP84) oder der französischen Nexans (676168). Deren Kursentwicklung dürfte auch für Pfisterer zuversichtlich stimmen – in den vergangenen fünf Jahren stand bei den Aktien jeweils ein Plus von rund 240 Prozent zu Buche. Vielleicht kann Pfisterer ja dazu beitragen, dass auch im Small- und Midcap-Bereich neuer Schwung in die deutsche IPO-Landschaft kommt.
Nachtrag vom 7. April 2025: Pfisterer meldet die vollständige Übernahme von Power CSL, einem führenden technischen Spezialunternehmen, welches Produkte und Dienstleistungen für die Verbindung von Seekabeln für die weltweite Offshore-Industrie anbietet.
Nachtrag vom 24. April 2025: Pfisterer gab bekannt, dass der Börsengang im zweiten Quartal 2025 erfolgen soll, um das weltweite Wachstum zu beschleunigen


