Das Konzept von Tin Inn ist bestechend: 16 alte beziehungsweise nicht mehr genutzte Seecontainer, die es am Markt schon für ein paar hundert Euro zu kaufen gibt, weil es sich für Reedereien oft nicht lohnt, diese nach dem Löschen wieder leer nach Asien zurückzutransportieren, werden upgecycelt und zu einem Hotel zusammengestellt. Das geschieht in Serie und automatisiert:
Derzeit arbeiten fünf Roboter im Einschichtbetrieb daran einen Seecontainer in ein Hotelzimmer zu verwandeln. 20 Hotels können auf diese Weise aktuell im Jahr gebaut werden. Die Produktionszeit beträgt vier Monate und soll künftig (bis 2028) auf zweieinhalb Monate sinken. Die Herstellungskosten liegen dabei bei zwei Millionen Euro; bis 2028 sind 1,4 Millionen Euro angestrebt.
Ein Hotel (Zielgruppe: Handlungsreisende) besteht einheitlich aus 20 Zimmern, zehn Einzel- und zehn Doppelzimmer. Die Zahl der Zimmer kann nur modular erhöht werden, also durch ein zweites Hotel-Element auf 40 Zimmer und so weiter. Zurzeit sind sechs Hotels – ein weiteres ist in Eröffnung – in sechs deutschen (20.000 bis 30.000 Einwohner-) Städten (zum Beispiel Montabauer, Heinsberg, Erkelenz) in Betrieb. Die durchschnittliche Belegungsrate wird mit 72 Prozent bei einem durchschnittlichen Zimmerpreis von 77 Euro angegeben.
Die RevPar liegt laut Präsentation bei 55 Euro. Sie zeigt den Umsatz pro verfügbaren Zimmer an. Bei 100 Prozent Auslastung und einem Zimmerpreis von 90 Euro, liegt die RevPar bei 90 Euro. Betrüge die Auslastung lediglich 50 Prozent, aber der Zimmerpreis 200 Euro, würde die RevPar auf 100 Euro steigen. Als gute RevPar gilt 100, aber bei Tin Inn sind die Kosten auch sehr niedrig, wodurch schneller der Break–Even erreicht wird. Der Hotelbauer und Hotelbetreiber wirtschaftet mit seinen Modul-Hotels, nach eigenen Angaben, schon von Beginn an profitabel; acht Zimmer müssen einem 20-Zimmer-Hotel belegt sein.
Sieben Hotels mit insgesamt 140 Zimmern, einem Durchschnittspreis von 77 Euro bei einer Belegungsrate von 72 würden einen (theoretischen) Hotelbetrieb-Jahresumsatz von rund 2,8 Millionen Euro bedeuten. Fünf weitere Hotel sind derzeit in Produktion und mehr als 20 in der Pipeline. 2026 soll es 17 Tin Inns geben, 2027 sollen es 32 und 2028 rund 50 Hotels sein. 50 Hotels würde 1.000 Zimmer und nach der obigen Rechnung einen Zimmer-Umsatz von 20,2 Millionen Euro ergeben.
Im ersten Halbjahr 2025 erzielte Tin Inn einen Umsatz von 3,7 Millionen Euro und die Gesamtleistung lag bei 8,7 Millionen Euro, einschließlich sonstiger Erträge und Bestandsveränderungen aus Projekten im Bau. Der operative Gewinn (Ebitda) bezifferte sich auf 3,2 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2025 bestätigt der Vorstand die Prognose und erwartet unverändert eine Gesamtleistung von rund 14 Millionen Euro, ein Ebitda von rund 4,1 Millionen Euro und einen Betriebsgewinn (Ebit) von 2,5 Millionen Euro.
Derzeit kommt Tin Inn auf einen Börsenwert von 337 Millionen Euro, was auch angesichts der stattlichen Marge, weiterer möglicher Effizienzgewinne und des Bedarfs an günstigen und schicken Hotels durchaus stattlich ist.
Die Bilanzsumme beträgt 68,5 Millionen Euro. Geschäfts– und Firmenwerte werden mit 31,2 Millionen Euro und das Eigenkapital mit 34,3 Millionen Euro angegeben.
Im November hat Tin Inn auch die Emission einer Schuldverschreibung mit einem Volumen von 15 Millionen Euro und einer Laufzeit von fünf Jahren – Kupon zwischen 8,5 und 9,5 Prozent – beschlossen. Die Patronatserklärung dafür kommt von Dominik Benner (The Platform Group).
Nachtrag vom 5. Dezember 2025: Die geplante Emission einer besicherten Schuldverschreibung ist in der kommunizierten Form abgesagt. Angestrebt sei nun eine direkte Platzierung bei Finanzierungspartnern. Tin Inn erhofft sich so bessere Konditionen.
Tin Inn-Aktie (Tageschart): steiler Aufwärtstrend



