Dem Volkswagen-Konzern geht es schlecht. Nun will der Vorstand 100.000 Jobs streichen und vier Werke dicht machen (auch das Werk Zwickau in Sachsen, siehe Foto oben, steht wohl auf der Aus-Liste), einschließlich des Audi-Produktionsstandorts in Neckarsulm.
Traditionell hat VW ein Kostenproblem, was zum Teil auch daran liegt, dass das Land Niedersachsen mit 20 Prozent der Stimmrechte beteiligt und bei wichtigen Konzernentscheidungen eine Mehrheit von 80 Prozent erforderlich ist. Das Land Niedersachsen verfügt somit über eine Sperrminorität und kann Beschlüsse blockieren.
Lange Zeit wurden die Kostenprobleme durch global gut laufende Geschäfte kaschiert. Mit den Absatzschwierigkeiten in China und dem teuren Aufbau einer E-Auto-Sparte (quasi ein neuer Geschäftszweig) wurden die Kosten jedoch immer relevanter. Nun muss drastisch gespart werden.
Und die Börse? Seit gut fünf Jahren ist die Volkswagen-Aktie (hier die Vorzüge, 766403, die etwas unter den Stämmen notieren und in derVergangenheit eine höhere Dividende boten) am Fallen. Zuletzt hatte sich der Abwärtstrend wieder beschleunigt und die wichtige Unterstützungslinie im Bereich von 80 Euro wurde unterschritten. Offenbar sieht der Markt weitere Risiken bei Volkswagen.

Inzwischen wird Volkswagen an der Börse mit rund 70 Milliarden Euro bewertet, das entspricht ungefähr dem Umsatz im ersten Quartal 2026 von 75,7 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis lag da bei 2,5 Milliarden Euro.
Im Gesamtjahr 2025 kam Volkswagen auf einen Umsatz von 321,9 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis von 8,9 Milliarden Euro. Abgesetzt wurden neun Millionen Fahrzeuge. In der Bilanz stand ein Eigenkapital von 203,1 Milliarden Euro und eine Nettoliquidität von 34,5 Milliarden Euro. Offenbar geht die Börse von erheblichen Umstrukturierungsverlusten in nächster Zeit aus, anders ist die Diskrepanz wischen Eigenkapital und Marktkapitalisierung nicht zu erklären.
Eine drastische Botschaft sendet der Langfrist-Chart (hier Vorzüge): In den Jahren 2015 und 2021 hat sich ein gewaltiges Doppeltop gebildet, dass nun mit dem Rutsch unter den Bereich bei 80/90 Euro vollendet wurde, so sich die jüngsten Verluste nicht noch als Bärenfalle herausstellen sollten. Diese Doppeltop hätte ein – theoretisches! – Abwärtspotenzial bis auf 40/30 Euro (Kursniveau während der Finanzkrise).

Ob es dazu kommt? Zunächst sind aus charttechnischer Sicht weitere Verluste bis auf 55 Euro bei den Vorzügen durchaus wahrscheinlich. Dann wäre VW nochmals 20 Prozent weniger wert – rund 56 Milliarden Euro, was in Richtung der Liquidität ging.
Die Börse übertreibt bekanntlich sehr gerne beim Blick in die Zukunft. Auch wenn Volkswagen unübersehbar in Schwierigkeiten steckt, baut das Unternehmen nach wie vor Autos, verkauft diese auch und ist global mit guten Marken präsent. Derzeit handelt die Börse fast schon eine Pleite von VW. Gleichwohl sollten Anleger die Warnung von der Börse nicht gänzlich von der Hand weisen.
Aktuell besteht auch für mutige Investoren kein Einstiegsbedarf, da noch keine Kursstabilisierung sichtbar ist. Längerfristig könnten sich im Bereich von 55 oder darüber, bei einer Stabilisierung, Kurschancen ergeben. Auf eine Dividende (zuletzt 5,26 Euro je Vorzugsaktie) sollten Anleger nicht unbedingt hoffen. Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen könnte diese auch gestrichen werden.


