Gerstenmayer, AT&S

Time is Money // Schnell ein paar Fragen an AT&S-Chef Andreas Gerstenmayer über Hidden Champions und Verstecke in der Steiermark

by • 30. Juli 2015 • Time_is_MoneyComments (0)1606

Einer der weltweit führenden Leiterplattenhersteller, AT&S, hat seinen Sitz in der Steiermark. Nicht unbedingt der Ort, wo man ein Top-High-Tech-Unternehmen vermutet. Aber AT&S gilt nach wie vor als sogenannter Hidden Champion – und vielleicht braucht man dieses Versteck als Schutz vor der Konkurrenz in Asien. Plusvisionen.de hat bei Andreas Gerstenmayer, Chef von AT&S und Österreichs CEO des Jahres 2014, nachgefragt.

Time is Money. Effiziente Antworten sind gefragt, schließlich geht es um Wirtschaft und Geld.

 

Warum die Steiermark? Ist es ein gutes Versteck vor der Konkurrenz aus Asien?
Historisch bedingt, hier liegen die Wurzeln des Unternehmens. Mittlerweile produzieren wir aber knapp 80 Prozent unseres Umsatzes in Asien, in Österreich haben wir uns auf Nischenprodukte in Kleinserien spezialisiert.

Was sind Leiterplatten und wofür braucht man sie?
Leiterplatten sind das Herzstück jedes elektronischen Geräts: Sie stellen im Wesentlichen die Verbindung zwischen den elektronischen Bauteilen her. Bildlich könnte man sagen – sie sind das Nervenzentrum jedes elektrischen oder elektronischen Gerätes. Leiterplatten werden für alle elektronischen Geräte benötigt. AT&S konzentriert sich auf das High-End Leiterplattensegment und beliefert mobile Endgeräte wie Smartphones oder Kameras, Automotive wie Fahrerassistenzsysteme oder Sicherheitssysteme, Industrie sowie die Medizintechnik für MRT, Hörgeräte oder Herzschrittmacher.

Laufen die Geschäfte gut?
AT&S ist dank seiner High-End Strategie sehr erfolgreich bei den relevanten Markt- und Technologieführern in den bereits genannten Industrien positioniert. Dies führt zu einer überdurchschnittlich hohen Auslastung, einem sehr guten Produktmix und damit einer über der Branche liegenden Profitabilität. Durch die klare Positionierung am Markt ist es uns gelungen, über die vergangenen fünf Jahre kontinuierlich zu wachsen – im Durchschnitt 8 Prozent pro Jahr – und eine konstant hohe Profitabilität – 18 bis 25 Prozent Betriebsgewinn – zu generieren.


Gibt es im Leiterplatten-Geschäft ähnliche Schweinezyklen wie bei der Halbleiterherstellung?
Moore’s law – die Komplexität von Schaltkreisen verdoppelt sich alle 2 Jahre –gilt in der Leiterplattenindustrie nicht im gleichen Maße, aber die Komplexität und damit die Anforderung immer kleinere, leistungsfähigere Leiterplatten herzustellen, steigt kontinuierlich und mit großer Geschwindigkeit. Beispiel: Innerhalb von zehn Jahren, von 2003 bis 2013, hat sich die Leiterplatte eines Smartphones auf ein Viertel reduziert – bei ungleich höherer Leistungsfähigkeit. In weiteren fünf bis sechs Jahren wird die gesamte Funktionalität eines Smartphones voraussichtlich auf einem Sechzehntel einer Leiterplatte von 2013 Platz finden.

Ist AT&S für Sie ein Hidden Champion?
Ja! Wir sind ein globaler Technologieführer aus Europa in einem von asiatischen Wettbewerbern dominierten Umfeld. Wir sind überdurchschnittlich profitabel, aber nicht die größten – wollen wir auch nicht sein. Wir werden aufgrund unserer Marktkapitalisierung von rund 600 Millionen Euro manchmal noch „übersehen“.

Wie sieht die AT&S-Zukunft aus?
Kommt meiner Meinung nach ganz gut in unserer Vision – First choice for advanced applications – zum Ausdruck. Zusammengefasst: Technologieführerschaft, Kundenbindung, Wachstum, Profitabilität. Das bedeutet: Durch frühzeitige Investitionen weiterhin die Technologiespitze besetzen, mit den Marktführern als Kunden weiter wachsen und unsere hohe Profitabilität halten. Konkret investieren wir derzeit 480 Millionen Euro in zwei neue Technologien am neuen Standort in Chongqing, China, mit denen wir 2016 starten werden.

Die Aktie hat sich seit 2014 rund verdoppelt. Was könnte jetzt einen Einstieg noch reizvoll machen?
Die AT&S-Aktie notieren derzeit gerade mal auf Buchwert. Die Aktie ist im Peer-Vergleich attraktiv bewertet und AT&S steht nach dem Ramp der zwei neuen Werke in Chongqing ab 2016 vor dem nächsten Wachstums- und Technologiesprung.

 

 Bildquelle: AT&S [bearbeitet]

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