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Was ein weicher Euro kostet

by • 29. Juli 2014 • PlusvisionenComments (0)5162

Der Trend geht ja zur Weichwährung. Bei uns, also in der Eurozone, heißt es etwa: Der Euro sei stabil, zu stabil. Das sagt zum Beispiel Finanzminister Wolfgang Schäuble. Oder aus unserem Nachbarland Frankreich kommt schon lange der Ruf, die Europäische Zentralbank (EZB) müsse endlich den Euro weichklopfen. Aber auch in anderen Teilen der Welt ist man an einer schwachen Währung interessiert. Japans Premier Shinzo Abe hat dafür die Abenomics erfunden, die unter anderem den Yen aufweichen sollen. China drängelt sich auch nicht vor, wenn es um die Aufwertung seines chronisch unterbewerteten Renminbi geht. Als der Schweizer Franken während der Eurokrise gegenüber dem Euro hemmungslos nach oben schoss, koppelte die Schweizer Nationalbank den Franken kurzerhand an den Euro und legte einen Mindestkurs fest. Und natürlich achten auch die Amerikaner sehr genau darauf, dass ihr Dollar nicht zu stark wird.

Warum dieser Abwertungsreigen? Währungsabwertung haben etwas unglaublich praktisches für die Politik: sie tun zunächst nicht weh und müssen nicht langatmig politisch durchgesetzt werden. Gleichzeitig ist die Wirkung erstaunlich: Man wertet die eigenen Währung um, sagen wir einmal, 30 Prozent ab und schon sind auch die Waren aus dem eigenen Land auf den Weltmärkten 30 Prozent günstiger. Ohne eine solche Abwertung muss man real abwerten, das heißt, man muss im eigenen Land Kosten senken und Löhne drücken, was meist zu steigender Arbeitslosigkeit und vielen unangenehmen Protesten führt. In der Eurozone mussten/müssen Länder wie Spanien, Griechenland, Portugal oder Italien diesen weg gehen, da sie ja durch den Euro nicht mehr über eigene Währungen verfügen, die sie abwerten können. Langfristig führen reale Abwertung meist zum Erfolg, aber sie tun kurzfristig weh, bei Währungsabwertung es eher umgekehrt – sie tun langfristig weh.

Allerdings hat man heute einen Dreh gefunden, damit es nicht mehr so sehr schmerzt. Früher, als die Kapitalmarktzinsen noch auf freien Märkten gebildet wurden, folgte auf eine Währungsabwertung prompt eine ebenso deutliche Zinserhöhung. Klar, jeder Investor wollte für das Abwertungsrisiko (er muss ja seine Anlagen wieder in seine Währung tauschen und macht dann bei einer Abwertung der Anlagewährung Verluste) einen Risikoausgleich. Heute können Notenbanken Leitzinsen senken und Anleihen am Markt kaufen, wodurch sie erreichen, dass die Kapitalmarktzinsen niedrig bleiben (oder wieder fallen) und gleichzeitig frisches Geld auf den Markt kommt, was die Währung verwässert.

Weltmeister im Aufkaufen eigener Staatsanleihen (Staatsschulden) sind derzeit die Bank of Japan (BoJ) und die Federal Reserve (Fed/US-Notenbank). Die BoJ kauft seit April 2013 Monat für Monat Staatsanleihen im Wert von umgerechnet 60 Milliarden Euro auf. Die Fed kaufte zeitweise monatlich Papiere in einer Größenordnung von 63 Milliarden Euro (inzwischen sind es 30 Milliarden Euro). Die Bilanzsumme der Fed beträgt dadurch nun rund 4,4 Billionen Dollar und die US-Notenbank ist zum wichtigsten Gläubiger der USA geworden, neben China (1,27 Billionen Dollar), Japan (1,22 Billionen Dollar) und Belgien (362 Milliarden Dollar).


Die EZB hielt sich bei Anleihekäufen bislang ziemlich zurück, beziehungsweise sie sterilisierte (heißt so) die Käufe, indem sie das dafür ausgegebene Geld wieder einsammelte und ihre Bilanz nicht aufblähe (siehe Grafik unten, ein Grund, warum der Euro so stabil gegen den Dollar ist). Aber die Rufe werden lauter, dass auch die EZB endlich ins Quantitative Easing, so der Fachbegriff für den Anleihekauf, einsteigen soll.

Warum auch nicht, wenn doch dadurch die Zinsen fallen, die Währung weicher und so die in dieser Währung gehandelten Produkte wettbewerbsfähiger werden und man sich überhaupt viel Ärger erspart? Aber es gibt eben doch eine Kehrseite: die Importe. Beispiel Deutschland: Wir haben eine Exportquote von 40 Prozent (2013) im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt(BIP). Gleichzeitig haben wir jedoch auch eine Importabhängigkeitsquote von 35,3 Prozent, was die durch Einfuhren gedeckte Inlandsnachfrage ist. Diese 35,3 Prozent verteuern sich natürlich durch eine Währungsabwertung. Für die verbilligten Exporte müssen wir somit beim Einkauf von gut einem Drittel aller Produkte (Importanteil) bluten, richtig, mehr bezahlen. There is no free lunch! Die Gewinne der günstigen Exporte bleiben bei den Unternehmen.

Für die Aficionados unter Ihnen: Die Terms of Trade (TOT) haben sich von 103,8 (2009) auf 97,9 (2013) reduziert. Volkswirtssprechen in diesem Zusammenhang auch von Verelendungswachstum, weil die TOT anzeigen, welche Importmenge man für eine Exportmenge bekommt – wenn die inländische Währung nichts mehr wert ist, erhält man dafür auch kaum noch was im Ausland. Nostalgiker könnten nun sagen: Ach, was waren das für schöne harte DM-Zeiten: billige Auslandsurlaube und günstig Waren einkaufen, Sozialdividende nannte man das auch einmal – aber dafür mussten die deutschen Unternehmen auch ihre Produktivität mindestens in dem Maße steigern, wie die Mark zulegt. Wer will so etwas mühsames heute noch. Und überhaupt, wenn die anderen doch auch abwerten … aber irgendwann ist halt Schluss und alle brauchen eine neue Währung.

Und nein, das ist kein Plädoyer gegen den Euro in seiner jetzigen Form. Wir brauchen den Euro in einer globalen Welt und sollten deshalb gut auf ihn achten.

Fed- und EZB-Bilanzsummen

 

Bildquellle: Deutsche Bundesbank


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