FinTech Scalable Capital // Risiken für die Geld-Anlage nutzen

by • 28. Oktober 2015 • FinTech // CrowdComments (0)3202

Börse ist Risiko. Rendite kommt viel später. Investmentlegende Benjamin Graham wusste das, als er davon sprach, dass es bei der Aktien-Anlage auf das Management des Risikos ankomme und nicht so sehr auf das der Renditen. Auch kurzfristige Trauer kennen die Unsicherheit von Signalen am Aktien-Markt und die Notwendigkeit Verluste strikt zu begrenzen und wohl auch Privatanleger ahnen zumindest die Risiken. Sie handeln deshalb meist risikoscheu und legen lediglich kümmerliche sieben Prozent ihres Geldvermögens in Aktien oder Aktienfonds an. Oder, wenn sie in Aktien investieren, dann treibt sie die Furcht vor Risiken häufig dazu, dass sie Gewinne zu schnell mitnehmen und Verluste laufen lassen. Klar, Gewinne bereiten Freude, Verluste werden gerne ausgeblendet.

Herdentrieb, Emotionen, Schwankungen – das im Dezember 2014 gegründete FinTech Scalable Capital will sich ausgerechnet Risiken zunutze machen und so die Geldanlage auch für Privatanleger professionalisieren.

Wie andere FinTechs diesem Bereich, will auch Scalable Capital die Geld-Anlage vereinfachen und Kosten reduzieren (durch ETFs). Anleger sollen überhaupt erst einmal investiert sein, um so von Aufwärtsbewegungen an der Börse partizipieren zu können. Auf lange Sicht ist es ein Haupt-Rendite-Killer diese Phasen nicht mitzunehmen. Doch der Clou bei Scalable Capital ist ein Risiko-Algorithmus, den Stefan Mittnik, Professor für Finanzstatistik an der LMU in München, mit ausgetüftelt hat.

Dieser Risiko-Algorithmus ist kein starres Risiko-Management-System, welches die Depot-Gewichtungen von Aktien und Anleihen je nach Risikoneigung des Anlegers festlegt oder um reine globale Diversifikation, sondern um eine fortlaufende (dynamische) Risiko-Betrachtung der Märkte. Derartige Systeme waren bislang meist nur Hedgefonds oder großen Vermögensverwaltungen vorbehalten.

Im Zentrum steht der sogenannte Value at Risk. Er umschreibt das Risiko für eine Portfolio-Position. Fortlaufend wird geprüft, dass eine bestimmte Verlusthöhe innerhalb eines gegebenen Zeitraums mit einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird.

Entsprechend seiner Risiko-Neigung kann der Anleger bei Scalable Capital wählen, welche Verluste er zu tragen bereit ist. Ist er beispielsweise bereit einen möglichen Verlust von 15 Prozent im Jahr zu verkraften, wird dieses Risiko-Ziel mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent nicht überschritten.


Das Erweckungserlebnis für diese Art von Anlage-Systemen war die Erkenntnis, dass sich Risiken sich im Gegensatz zu Renditen (Kursen) bis zu einem gewissen Grad vorhersagen lassen.

Glaubt man Nobelpreisträger Eugene Fama, dann unterliegen Kurse dem Zufall. Sie können jeden Tag mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent fallen oder steigen. Prognosen rückt das in das Reich von Märchen und Sagen. Für die Vorhersagen könnte man jeden Tag eine Münze werfen. Deshalb beschäftigt sich das Scalable-System auch nicht mit Kursprognosen.

Anders das Risiko, dort kann man Risiko-Cluster beobachten, hat Nobelpreisträger Robert Engle bei allgemeinen Forschungen zur Risikoeinschätzung herausgefunden. Nach einem Tag mit hohen Ausschlägen folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent ebenfalls ein schwankungsreicher Tag. Die Finanzwirtschaft erkannte sofort den Wert dieser Forschungen. Mit diesen Risikoeinschätzungen – Scalable berechnet pro Portfolio pro Woche rund 10.000 – lassen sich Depot-Positionen entsprechend ihres aktuellen Value at Risk steuern. Steigt das Risiko steigt auch das System aus dieser Position aus, fällt es, wird gegebenenfalls zugekauft.

Dieser professionell-rationale Umgang mit Risiken und der Zugang für Privatanleger ist sehr zu begrüßen. Aber auch das ist keine 100-prozentiger Schutz vor Verlusten, darüber sollten sich Anleger im Klaren sein. Es bleiben immer noch die 5 Prozent Rest-Wahrscheinlichkeit. Für die Aficinados: das sind die Fat Tails an den Ränder der Verteilungskurve. Dort schwimmen vorzugsweise Talebs Schwarzen Schwäne, also Ereignisse wie die Lehman-Pleite, die zu drastischen und schnellen (Gaps am Markt) führen können. In der fiktiven Simulation (Zurückrechnung) hat das Scalable-System zwar auch die Lehman-Risiken gewittert, allerdings ist das keine Garantie, dass es auch künftig so gut laufen muss.

Bei Scalable Capital können Anleger ab 10.000 Euro einsteigen. Besonderheit: Scalable Capital verfügt durch eine Bafin-Zulassung über ein eigenes Haftungsdach.


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