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Marktberichte // Fluch für die Aktionärskultur

by • 28. Juni 2017 • Feature, PlusvisionenComments (1)1263

Ich habe mir abgewöhnt (tägliche/stündliche) Marktberichte über das tägliche Börsen-Geschehen zu lesen, zu hören oder mir anzusehen. Sie machen mich einfach wahnsinnig nervös. Sie bringen nichts – und im übelsten Fall kosten sie auch noch Geld. Schnappatmung! Nach einem schönen Börsenvortag steht man als Anleger früh nichtsahnend auf und liest: „Verkaufswelle rollt“, „Jetzt kommt die erwartete Korrektur“, „Kursrutsch“. Dabei war gestern noch die Börsenwelt vollkommen in Ordnung. Da war davon die Rede, dass sich die Hausse fortsetze, die Konjunktur laufe und überhaupt die Notenbanken und Trump und die Wahlen und Marcon, Merkel und der Schulz-Zug … Puh! Vergessen? Nun werde es eng für die Optimisten. Plötzlich. OMG! Ich bin einer. Demnächst zerquetscht von der Baisse?

Bei genauerer Betrachtung des Indexstandes erkennt der Anleger dann womöglich ein kleines Minus von 0,63 Prozent im Vergleich zum Vortag. Soll das die Verkaufswelle sein? Oder kommt diese noch? Offenbar denken Marktberichtschreiber im Sekundentakt wie sogenannte Scalper. Für diese währt ein langfristiger Trend in der Regel eine Minute, vielleicht auch zwei.

Überhaupt scheinen die (sehr) unterschiedlichen zeitlichen Vorstellungen ein wesentliches Manko für die Nützlichkeit von Marktberichten zu sein. Die einen denken in Sekunden/Minuten und die anderen haben sich vielleicht gerade eine Aktie in der Hoffnung gekauft, diese auch ein Jahr(!) oder gar noch länger halten zu wollen. Aber dann rollen die Verkaufswellen im Sekundentakt über das Anlegergemüt hinweg. Das verunsichert, gewaltig. So sind Marktberichte (im Online-Zeitalter) längst zum Fluch für die Aktienkultur in Deutschland (und sicherlich auch anderswo) geworden.


Dieses Dauerprasseln an Nachrichten hält wohl mehr vom Investieren ab, als zum Investieren in Aktien zu animieren, was durchaus sinnvoll erschiene mit Blick auf die Altersvorsorge, aber eben nicht im Sekundentakt. So aber taumelt der Börsianer zwischen missglückten Derivate-Spekulationen, Fusionsverhandlungen oder Analystenkommentaren – und kann dabei den Blick für das Wesentliche leicht verlieren.

Als Anleger kann einem nichts Schlimmeres passieren, weil dann letztlich nie (in Aktien) investiert wird. Stattdessen wartet der Marktberichtleser auf die nächste Korrektur, die anstehende Hausse, das Hoch, das Tief, die Notenbank und so weiter und so weiter … Dabei ist es meist nicht so wichtig, wann man einsteigt [ein gutes Timing schafft letztlich keiner], sondern dass man einsteigt, in ein paar solide Werte.

Hier noch zwei Zitate von Börsenlegende Warren Buffett zum Thema:

Wenn du eine Aktie nicht 10 Jahre lang halten möchtest, denk gar nicht erst darüber nach, sie auch nur für 10 Minuten zu halten. Stell ein Portfolio mit Unternehmen zusammen, deren Gewinne mit den Jahren steigen und so wird das auch der Marktwert deines Portfolios tun.”

Kaufe nie eine Aktie, wenn du nicht damit leben kannst, dass sich der Kurs halbiert.”

Und hier noch ein Test für das Wesentliche:


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