Die Risiken von Wikifolio

by • 28. Januar 2014 • Crowd_TradingComments (0)21383

Es klingt mal wieder so einfach und schön: Da gibt es Trader, gute und schlechte, man vergleicht, analysiert, beobachtet und folgt nach einer gewissen Zeit den besten. Mirror Trading, Copy Trading oder ganz allgemein Social Trading, wobei es weder was mit sozial noch viel mit gemeinsam zu tun hat. Die Gemeinsamkeit erschöpft sich meist auf die Plattform, auf der man sich trifft, Trader und Anleger. Eine dieser Plattformen ist Wikifolio, an der auch das Handelsblatt beteiligt ist.

Wikifolio startete am 1. August 2012 und inzwischen gibt es etwa 3000 publizierte Wikifolios und rund 800 investierbare Wikifolios (Stand: 3. Oktober 2013). Anleger sollen die stolze Summe von 63 Millionen Euro investiert haben. Kürzlich las ich, das der Trader Markus Strauch mit seinem Wikifolio-Zertifikat als erster mehr als zehn Millionen Euro eingesammelt hat. Herrn Strauch hat das bekannt gemacht. So bekannt, dass er nun in führender Position für einen Finanzdienstleister tätig wird, wie es heißt es. Sein Wikifolio werde er weiter betreuen, heißt es auch. Na hoffentlich.

Aber was, wenn er plötzlich keine Lust mehr hat oder sein neuer Arbeitgeber seine Arbeitskraft lieber anderweitig einsetzen möchte? Keine Sorge, die Fragen sind rein fiktiv. Herr Strauch wird sein Wikifolio bestimmt weiter hervorragend managen.

Wird aber ein Wikifolio von einem Ersteller tatsächlich nicht mehr aktiv betreut, dann wird es mit „wird geschlossen“ gekennzeichnet. Diese Zertifikate können nur noch verkauft werden. Der Ersteller kann keine Veränderungen mehr vornehmen. Wie kann es dazu kommen? Neben allerlei persönlicher Gründe, die einen einzelnen Trader treffen kann, wie eine Grippe, persönliche Probleme, kann ihm sogar der eigenen Erfolg zum Verhängnis werden.

Wikifolio das klingt nach Wikipedia, nach Schwarm und Crowd und Open Source und frei. Ist es aber nicht, sondern Wikifolio ist ein Wirtschaftsunternehmen.


Deshalb bekommen bei Wikifolio die Trader eine (anteilige) Erfolgsprämie, die von der Performance abhängt. Klingt sinnvoll. Allerdings gibt es auch eine sogenannte High-Watermark. Dies deutet, dass der Trader nur bei einem neuen Hoch seine Erfolgsprämie ausgezahlt bekommt, was auch sinnvoll ist. Der Nachteil ist allerdings, wenn ein Portfolio nach einem Kursrutsch weit in Minus gefallen ist und der Trader kaum Chancen hat, diesen Verlust in absehbarer Zeit wettzumachen, sinkt womöglich auch dessen Motivation dieses Portfolio weiter zu betreuen, gerade, wenn er lange Zeit mit dem Portfolio erfolgreich war und immer gut verdient hat. Ein Hintertürchen bei der Hochwassermarke gibt es jedoch: Sie gilt nur für ein Kalenderjahr.

Ein weiteres Risiko, das der Anleger trägt ist das sogenannte Emittentenrisiko. Die Zertifikate werden von Lang & Schwarz Tradecenter begeben. Bei einer Insolvenz der Emittentin ist die gesamte Einlage vermutlich futsch, völlig unabhängig davon, wie gut der Trader ist.

Fazit: Die Idee hat viel Charme, auch ich mag grundsätzlich Mirror- oder Copy-Trading, sie birgt aber für Anleger auch reichlich Gefahren. Deshalb finde ich finde, mehr als Risikokapital, vulgo Spielgeld, kann man kaum investieren – und schon gar nicht, sollte man nur auf ein Wikifolio-Zertifikat setzen, sondern man sollte gut streuen. Dadurch darf allerdings die nicht investierte Gesamtsumme steigen, da sonst wieder das Emittentenrisiko wieder zunimmt (wenn ausgerechnet dieser eine Emittent bankrott geht). Auch die Altersvorsorge sollte man nicht unbedingt und ausschließlich auf Wikifolio-Zertifikate aufbauen. Vielleicht ist ja der Star-Trader von gestern morgen schon der Dauerpechvogel.

 

Bildquelle: Wikifolio


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