Publity, Thomas Olek

Interview Publity – Thomas Olek // Vom eigenen Optimismus fortgerissen worden

by • 27. November 2018 • Feature, Time_is_MoneyComments (0)1373

Time is Money // Schnell ein paar Fragen an Thomas Olek von Publity (Aktien-WKN: 697250) warum der Firmengründer und Großaktionär in den vergangenen Wochen und Monaten seinen Anteil nochmals massiv aufgestockt hat, warum er am Kapitalmarkt nicht nur Freunde hat und warum die Wandelanleihe kein Thema mehr ist.

Herr Olek, nach dem heftigen Kursabsturz seit Jahresbeginn ist die Publity-Aktie in den vergangenen Wochen im schwachen Marktumfeld deutlich gestiegen. Woran liegt das?
Zunächst einmal muss man sagen, dass wir die drastischen Kursverluste längst noch nicht aufgeholt haben, aber immerhin hat sich unsere Aktie seit Mitte Oktober etwa verdoppelt. Die Gründe sind schnell erzählt, die wilden Spekulationen am Kapitalmarkt um Publity haben aufgehört und wir konnten eine Vielzahl von soliden, guten Meldungen veröffentlichen, die zeigen, dass wir operativ erfolgreich sind. Wir haben bei publity in den vergangenen Monaten einen erheblichen Kraftakt vollbracht, um unser Unternehmen fit für die Zukunft zu machen.

„Unser Unternehmen“ klingt fast ein bisschen gewagt, Sie kaufen als Großaktionär nahezu täglich massiv Publity-Aktien, haben die letzte Kapitalerhöhung überwiegend selbst gezeichnet und halten inzwischen etwa 53 Prozent des Aktienkapitals …
Aktuell sind es um genau zu sein gut 58 Prozent …

… oh, Entschuldigung. Aber warum diese Kaufwut?
Weil ich die Aktie von Publity für ein gutes Investment halte. Ich bin Vorstand, Großaktionär und Publity ist seit gut zwei Jahrzehnten mein Baby. Und wenn ich eine sehr gute Gelegenheit sehe, dann investiere ich – so wie jetzt gerade.

Es läuft also wieder bei Publity?
Vordergründig könnte man das an der Anhebung unserer Prognose Mitte November festmachen. Das wäre aber zu kurz gedacht, denn die erhöhte Prognose, die von einer Steigerung von Umsatz und Gewinn von 20 bis 30 Prozent gegenüber Vorjahr ausgeht, ist ja nur Folge einer guten operativen Entwicklung von publity und damit aufgehellter Perspektiven insgesamt. Wir haben in den vergangenen Monaten mehrere große Portfolien beziehungsweise Einzelimmobilien für unsere Kunden mit deutlichem Gewinn verkauft. An diesem Gewinn haben wir als Asset Manager sehr ordentlich partizipiert – zusätzlich zu unseren laufenden Asset Management Fees. Und wir haben die Voraussetzungen geschaffen, um auch künftig als Käufer und Verkäufer erfolgreich zu sein.

Na ja, Objekte zu verkaufen dürfte im aktuellen Marktumfeld nicht so furchtbar schwierig sein, oder?
Es geht ja nicht nur darum, einen Käufer zu finden, sondern auch bei der Preisgestaltung für unsere Kunden einen sehr guten Job zu machen. Das ist nicht banal und das haben wir geschafft. Aber wir haben ja auch nicht nur verkauft, sondern auch zahlreiche Objekte für unsere Kunden erworben. Insgesamt werden wir bis Jahresende auch Immobilien im mittleren bis oberen dreistelligen Millionen-Eurobereich ins Portfolio genommen haben.

Wir dachten, der Markt sei leer …
Das sagen immer diejenigen, die nichts zu adäquaten Preisen finden. Das ist natürlich mühsamer geworden als vor einigen Jahren, aber ein guter Asset Manager findet auch jetzt noch gute Objekte zu guten Preisen. Wir haben unser Marktresearch nochmals deutlich intensiviert, eine sehr umfangreiche Datenbank mit mehreren tausend Objekten, die den Anforderungen unsere Kunden entsprechen aufgebaut und verfügen entsprechend über eine sehr ordentliche Pipeline. Das ist natürlich im aktuellen Umfeld ein deutlicher Wettbewerbsvorteil.

Kaufen und verkaufen ist ein Teil der Aufgabenstellung für einen Asset Manager, aber er soll natürlich auch mit den Objekten aktiv arbeiten. Tun Sie das?
Oh ja. Wir entwickeln die Immobilien für unsere Kunden in den Bereich „Core“, also das beste Segment, in dem sich an sehr guten Standorten vollvermietete Immobilien in gutem Zustand befinden. Alleine in den vergangenen zwei Jahren haben wir fast 200.000 Quadratmeter an Fläche für unsere Kunden neu vermietet.

Im Vorstand sind Sie jetzt wieder zu zweit …
Ich bin sehr froh, dass wir mit Frank Schneider einen COO gewinnen konnten, der als Kenner des Immobilienmarktes und Spezialist für Baurecht einen hervorragenden Ruf hat. Er war viele Jahre Partner bei CMS Hasche Sigle, der größten Wirtschaftskanzlei Deutschlands. Es ist keine Selbstverständlichkeit, solch eine Persönlichkeit an Bord zu holen. Damit verstärken wir unser ohnehin starkes Team weiter, denn Publity ist eine starke Mannschaft und keine One-Man-Show.

Sie werden aber als Mr. Publity wahrgenommen und polarisieren auch durchaus …
Ich weiß, dass ich am Kapitalmarkt nicht nur Freunde habe. Und natürlich habe ich dazu auch teilweise beigetragen. In der Vergangenheit habe ich mich das eine oder andere Mal von meinem eigenen Optimismus fortreißen lassen und die Dinge haben sich dann doch nicht so positiv entwickelt, wie erwartet. Daraus habe ich gelernt und ich werde diesen Fehler nicht noch einmal machen. Er war mir aber auch Ansporn, Publity wieder auf die Erfolgsspur zu bringen und mich persönlich und finanziell dabei bis an meine Grenzen zu engagieren.

Dauerbrennerthema Wandelanleihe. Das hat für mächtige Turbulenzen zum Jahresanfang gesorgt, was ist aktueller Stand?
Zum Glück ist das kein Thema mehr. Spätestens nach unserer Kapitalerhöhung über rund 40,5 Millionen Euro ist Ruhe eingekehrt, weil der Markt und die Anleihegläubiger wissen, dass wir finanziell bestens ausgestattet sind. Wir haben wieder ein gutes Verhältnis zu unseren Anleihegläubigern, werden den Wandler bis zur Fälligkeit im November 2020 durchlaufen lassen und dann ablösen. Punkt und Thema damit dann erledigt.

Letzte Frage, die Aktie notierte einst bei rund 40 Euro, fiel dann auf rund zehn Euro und steht jetzt bei ungefähr 20 Euro – was raten Sie Anlegern?
Es ist nicht meine Aufgabe, Anlegern Ratschläge zu erteilen, ich will die operativen Geschäfte positiv entwickeln. Wie der Anleger Olek zur Zeit agiert, haben wir ja bereits besprochen. Andere Anleger müssen sich ein eigenes Bild machen. Um das umfassend zu ermöglichen, erstellt Publity für das laufende Geschäftsjahr erstmals einen Konzernabschluss nach IFRS-Rechnungslegung. Damit sorgen wir für höchste Transparenz. Und wer als Investor dann noch weitere Informationsquellen sucht, der wirft vielleicht einen Blick in das aktuelle Research von First Berlin zu Publity. Ich nenne hier bewusst nicht das Kursziel der Kaufempfehlung, damit mir das nicht als Kurstreiberei und Beeinflussung ausgelegt wird.

Vielen Dank für das Gespräch.

Publity-Aktie (Wochenchart): kräftige Kurserholung nach dem Absturz

Publity, Aktie

 

Bildquelle: publity AG

 

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