Anna Stupnytska: Goldman Sachs AM erwartet mehr Wachstum 2014

by • 27. Januar 2014 • AußenvisionenComments (0)1746

Eine Außenvision von Anna Stupnytska, Makroökonomin in der Global Portfolio Solutions (GPS) Group bei Goldman Sachs Asset Management in London. Sie gibt einen globalen Konjunkturausblick.

Für die Weltwirtschaft erwarten wir in diesem Jahr ein leicht über der Konsensprognose und knapp unter dem Trend liegendes Wachstum von 3,7 Prozent. 2015 rechnen wir dann mit einer Wachstumsbeschleunigung auf 3,9 Prozent. Eine Konvergenz in Richtung Wachstumstrend dürfte vor 2015 kein großes Thema sein.

Auch was die Industrieländer angeht, liegen wir etwas über der Konsensprognose, weil wir in den USA für 2014 und 2015 ein über dem Trend liegendes Wachstum vorhersagen. Die wesentlichen Elemente dieser Auffassung sind ein Nachlassen der fiskalpolitischen Bremswirkungen, eine Zunahme des privaten Verbrauchs dank der sich verbessernden Arbeitsmarktlage, eine erneute Belebung im Wohnungsbau und in der Bauwirtschaft insgesamt, sowie eine Erholung bei den Unternehmensinvestitionen.

Die konjunkturelle Belebung in der Eurozone wird sich wohl fortsetzen, wobei allerdings das Tempo vor allem wegen des schwachen Kreditwachstums wahrscheinlich mäßig ausfallen dürfte. Die erheblichen Fortschritte der Peripherieländer bei der Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und der Durchsetzung von Strukturreformen sollten sich positiv auf das Wachstum auswirken.

Japan steht 2014 vor einer großen Herausforderung; denn das Land versucht, die positiven Wachstumsimpulse ausgehend von den „Abenomics”, der neuen Wirtschaftspolitik unter Ministerpräsident Abe, vor dem Hintergrund der Erhöhung von Verbrauchssteuern aufrechtzuerhalten. Ein rund 4 Billionen Yen schweres Konjunkturprogramm soll auf den Weg gebracht werden. Trotz erheblicher Schwankungen im Wachstumsverlauf erwarten wir für Japan 2014 eine dem Trend entsprechende Wachstumsrate von 1,5 Prozent.

Nach einem schwachen Jahr 2013 vermuten wir, dass die Wachstums- und Schwellenländer trotz weltweit moderat höherer Zinssätze endlich wieder Fahrt aufnehmen. Unserer Meinung nach wird aber keines der acht Wachstumsländer, für die wir Prognosen aufstellen, 2014 zu seinem trendmäßigen Wachstum zurückfinden.


Der Druck, der von den weltweit steigenden Zinssätzen auf die Außenfinanzierung ausgeht und ein langsameres Wachstum in China werden in Zukunft dennoch für Gegenwind sorgen. Länder mit hartnäckigen Leistungsbilanzdefiziten wie die Türkei, Südafrika, Brasilien, Indien und Indonesien dürften den Druck zu spüren bekommen, der aus strengeren finanziellen Rahmenbedingungen resultiert – insbesondere angesichts hoher Inflationsraten.

Unserer Meinung nach besitzen Aktien in der jetzigen Zyklusphase die besten Voraussetzungen für eine starke Performance, und wir halten deshalb in unseren taktischen, mehrere Anlageklassen umfassenden Portfolios (Multi-Assetklassen-Portfolios) an der Übergewichtung von Aktien aus Industrieländern fest. Obwohl bereits umfangreiche Mittel in die zuletzt genannten Papiere geflossen sind, erwarten wir vor allem in Europa und Japan steigende Unternehmensgewinne, die zu einer Fortsetzung der Rally an den Aktienmärkten beitragen dürften. Die Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die Notenbank Japans könnte in Verbindung mit der dort stattfindenden Umschichtung von Geldern in riskantere Vermögenswerte dem Aktienmarkt des Landes kräftigen Auftrieb geben.

Bis auf weiteres bleiben wir bei einer neutralen Position zu Aktien und Renten aus Schwellenländern, halten aber weiter Ausschau nach makroökonomischen Katalysatoren im Hinblick auf mögliche Engagements in bestimmten Märkten mit solideren Fundamentaldaten wie zum Beispiel Südkorea.

Die wesentlichen Risiken für unsere Auffassungen konzentrieren sich unserer Meinung nach auf drei Aspekte: eine Wachstumsschwäche in den USA, eine unerwartet strenge Geldpolitik in den USA und Spannungen in Chinas Finanzsystem. Tritt einer der beiden erst genannten Fälle ein, käme es an den Aktienmärkten wahrscheinlich zu einer massiven Verkaufswelle – entweder infolge niedrigerer Unternehmensgewinne oder aufgrund nachlassender Wirkungen der lockeren Geldpolitik. Obwohl Chinas Staatsbilanz nach wie vor sehr solide ist, könnte eine unbeabsichtigte Verschärfung für Hersteller von Grunderzeugnissen und für die Wachstums- und Schwellenländer im Allgemeinen besondere Herausforderungen mit sich bringen.

 

Bildquelle: Goldman Sachs Asset Management – GSAM [bearbeitet]


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