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Oliver Flaskämper von Bitcoin.de: „Mt. Gox wurde schleichend um seine Kundeneinlagen gebracht“

by • 25. Februar 2014 • PlusvisionenComments (0)3202

Oliver Flaskämper, Aufsichtsratsvorsitzender vom deutschen Bitcoin-Marktplatz Bitcoin.de, sieht im (vorläufigen) Aus von Mt. Gox vor allem einen Fall von schwerer Cyberkriminalität.

Wie kann eine Bitcoin-Handelsbörse pleite gehen?
Wenn es stimmt was man liest, dann haben kriminelle Elemente über Jahre hinweg die seit 2011 bekannte Schwachstelle im Bitcoin-Netzwerk ausgenutzt und sich bei Mt. Gox-Bitcoins mehrfach auszahlen lassen. Das war nur deshalb möglich, weil Mt. Gox scheinbar einen modifizierten Bitcoin-Client verwendete, der die Transaktion-ID einer Bitcoin-Überweisung als Referenz in der Datenbank benutzt hat. Diese Transaktion-ID, vergleichbar mit dem Verwendungszweck einer Banküberweisung, kann von Angreifern in bestimmten Fällen verändert werden. Und zwar dann, wenn Bitcoin-Überweisungen vom Bitcoin-Netzwerk aus mit nicht bestätigtem Wechselgeld durchgeführt werden. Das hat mutmaßlich dazu geführt, das ausgeführte Bitcoin-Überweisungen bei Mt. Gox im System nicht als ausgeführt verbucht wurden, sodass mehrfache – eventuell unendliche – Auszahlung möglich waren.

Warum ist das Geld, sind die Bitcoins der Mt. Gox-Kunden vermutlich weg?
Mt. Gox wurde mutmaßlich durch die mehrfachen Auszahlungen schleichend um die Kundeneinlagen „erleichtert“.

Liegen die Bitcoins nicht in persönlichen Brieftaschen (Wallets)?
Die Bitcoins liegen nur dann in persönlichen Wallets, wenn Nutzer sich ihre Bitcoins dorthin transferieren. Viele Nutzer scheuen aber aus technischen Gründen und aus Angst vor Schadsoftware auf dem eigenen Rechner ein persönliches Wallet zu nutzen und vertrauen daher lieber Dienstleister, die aber auch keine 100-prozentige Sicherheit bieten können.

Ist eine Bitcoin-Börse mit einer Bank vergleichbar?
Im Prinzip ja, mit dem Unterschied, dass Bitcoins noch nicht als Einlagen gelten, wie dies zum Beispiel für gesetzliche Zahlungsmittel der Fall ist. Daher gibt es auch noch keine Einlagensicherung für Bitcoins. Es ist ein wenig wie bei der Lagerung von Gold im Bankschließfach. In der Regel ist ein Bankschließfach nur mit einem geringen Betrag gegen Diebstahl versichert. Wünscht sich der Kunde eine höhere Absicherung, muss er eine separate Versicherung abschließen. Leider gibt es in Deutschland noch keine Versicherung, die Bitcoins versichert. Das wird vermutlich aber nicht mehr lange auf sich warten lassen.


Warum sind die 1706 Bitcoins bei Bitcoin.de sicher?
Die immer noch im Bitcoin-System vorhandene Schwachstelle konnte und kann wegen der bei bitcoin.de vorhandenen „doppelte Buchhaltung“ für Bitcoin-Überweisungen nicht ausgenutzt werden. Alle unsere Kunden-Einlagen in Bitcoins sind sicher. Das betrifft sowohl die Bitcoins, die auf unserem Marktplatz treuhänderisch im Rahmen von abgeschlossenen Kaufverträgen verwaltet werden, als auch für die Bitcoins die von unseren Kunden in unserem Online-Wallet lagern. Kunden, die diese Aussage überprüfen wollen, können sich ihre von uns verwalteten Bitcoins jederzeit auszahlen lassen. Wir haben keine Angst vor einem „Bankrun“. Unabhängig davon, werden wir uns in den kommenden Wochen das Vorhandensein aller unserer Bitcoin-Kundeneinlagen auch von einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bestätigen lassen. Dies soll das Vertrauen in unser Unternehmen und den Bitcoin insgesamt weiter stärken.

Alles eine Verschwörung der Regierungen, Notenbanken, …?
Ich bin generell kein Fan von Verschwörungstheorien und denke, dass es sich auch diesmal um einen Fall von Cyber-Kriminalität handelt.

Herr Flaskämper, vielen Dank für das Gespräch.


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