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Robo-Advisor // Neuer Investmenttrend für Privatanleger

by • 24. April 2017 • Feature, ServiceComments (0)1194

Seit fast nun einer Dekade gibt es sogenannte Robo-Advisor in den USA – alleine die beiden größten Anbieter (Betterment und Wealthfront) verwalten Vermögen im Wert von rund 10 Milliarden Euro. Bei uns sind solch clevere Finanzalgorithmen erst im Kommen und müssen daher noch das Vertrauen bei den Anlegern gewinnen. Die Experten vom unabhängigen Robo-Advisor-Portal robo-advisor.de haben sich den deutschen Markt genau angeschaut und alle 13 bisher verfügbaren Anbieter unter die Lupe genommen. Mit einem vergleichsweise noch kleinen Volumen von 397 Millionen Euro steht die deutsche Robo-Advisor-Landschaft noch am Anfang ihrer Entwicklung.

Wie funktioniert ein Robo-Advisor? Ein Robo-Advisor ist ein Finanzalgorithmus, der den digitalen Fondsmanager ersetzen will. Um solch ein Service zu nutzen, muss der Anleger im Grunde nur zwei Variablen festlegen:

  • Welches Risiko soll eingegangen werden? (Risikoneigung)
  • Wie lange soll der Betrag angelegt werden? (Anlagedauer)

Hat der Robo-Advisor diese Informationen, fängt er an zu arbeiten und baut ein entsprechendes Portfolio aus ETFs, was sich maßgeblich an der Risikoneigung aber auch an der Anlagedauer orientiert. Ist ein Anleger eher risikofreudig, so werden vermehrt Aktien eingekauft. Scheut der Anleger das Risiko und will lieber lange investieren, wird eher in sichere Häfen wie zum Beispiel Staatsanleihen investiert.

Nachdem der Algorithmus auf Einkaufstour war, macht der Robo-Advisor entweder erstmal gar nichts oder er beobachtet ständig die Aktivitäten des Marktes. Dabei unterscheidet man zwischen aktiven und passiven Robo-Advisor. Der Passive analysiert das Portfolio meistens erst wieder nach einem Jahr und nimmt dann ein Rebalancing vor, um den vorab definierten Variablen wieder zu entsprechen. Der aktive Robo-Advisor hingegen sondiert den Markt regelmäßig, um bei Abweichungen zur Ausgangslange sofort reagieren zu können. Er verhält sich also wie ein privater, immer verfügbarer Fondsmanager und hütet das Portfolio – und ist dabei noch um ein vielfaches günstiger. Wo branchenübliche Fondsgebühren von 1,2 bis 2,0 Prozent pro Jahr nehmen, kommen oftmals noch Ausgabenaufschläge von bis zu 5,0 Prozent hinzu, die die Provision für den Bankberater darstellen. Nikolas Vogt von robo-advisor.de meint dazu:

“Diese Gebühren sind nicht mehr zeitgemäß. Im Internet gibt es alle Informationen gratis. Sie müssen nicht mehr zur Bankfiliale fahren. Robo-Advisor wollen günstiger sein als klassische, aktiv gemanagte Fonds. Das schaffen sie, weil ausschließlich Algorithmen für das Geld arbeiten und in passiv gemanagte ETFs investieren, die fast ohne menschliches Zutun auskommen und deswegen besonders günstig sind.“

Warum ein Robo-Advisor eine sinnvolle Anlageform ist. Denn ein Robo-Advisor verlangt eben keine Provisionen für einen Menschen, der dann oftmals nicht unbedingt die richtigen Voraussagen trifft und am Ende die Rendite noch gewaltig schmälern kann. Selbst den besten Fondsmanagern gelänge es in der Vergangenheit nicht, ihre Mehrkosten langfristig durch ein Mehr an Rendite wieder einzufahren, sagt Vogt. Deswegen seien ETFs zurzeit so beliebt. So setzt sich die Nutzung eines Robo-Advisor typischerweise aus den Gebühren für die Beschaffung der ETFs von einer Bank und der Nutzung für die Dienstleistung des Robo-Advisor selbst zusammen. Kombiniert liegen diese in Deutschland bei durchschnittlich 0,86 Prozent. Davon sind 0,25 Prozent ETF-Gebühren und 0,61 Prozent Nutzungsgebühren für einen Robo-Advisor. Doch diese Gebühren lohnen sich.

Klassische Anlageformen wie Zinsen bringen kaum bis nichts mehr ein und der Immobilienmarkt ist völlig überhitzt. Die Preise für Immobilien liegen oftmals bis zu 10% über dem Durchschnitt, was für viele Ökonomen ein deutliches Warnsignal vor einem Crash ist. Der DAX hingegen ist in 2016 um fast 7,0 Prozent gewachsen. Wer in dieser Zeit in einen Robo-Advisor investiert hätte, hätte ordentliche Erträge erzielt. Dennoch scheuen viele Menschen den Aktienmarkt, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Zugang lange erschwert war. Auch gibt es genügend Horrorszenarien, bei denen Anleger alles verloren haben, weil der DAX oder andere Indizes einfach abgerutscht sind und es jederzeit wieder passieren kann. Der Mix im Portfolio macht die sichere Rendite. Ein Robo-Advisor schaffte es durch seinen komplexen Algorithmus Schwankungen schnell zu korrigieren und kann durch ein oftmals ausgeglichenes Portfolio Verluste gut abfangen. So wird das Risiko langfristig minimiert.


Der Anbieter Scalable Capital nutzt bei der Risikoberechnung die Kennzahl Value at Risk [hier nachzulesen ]. Wird das Risiko zu hoch, fängt der Algorithmus an, das Portfolio so umzuschichten, dass das Risiko entsprechend der Risikoneigung verringert wird. Diese Kennzahl hat der Anleger vorab selbst bestimmt und kann so das maximale Verlustrisiko in einem bestimmten Zeitraum festlegen. Der Anleger weiß also, ob er zum Beispiel fünf, zehn oder 20,0 Prozent Verlust pro Jahr hinnehmen würde. Wird der festgelegte Verlust überschritten, greift der Algorithmus ein. Der Anbieter Whitebox hingegen nutzt die Kennzahl Conditional Value at Risk (CVaR). Dieser gibt neben der Wahrscheinlichkeit auch die mögliche Verlusthöhe an. Dabei wird eine Soll-Allokation des Portfolios mit der aktuellen Umsetzung verglichen und entsprechend angepasst; wobei kleine Schwankungen auf einzelnen Positionen zunächst toleriert werden, um unnötige Umschichtungsgebühren zu vermeiden.

Welche Robo-Advisor werden empfohlen? Im Vergleich zu den großen amerikanischen Anbietern sind deutsche Robo-Advisor noch recht teuer. Bis zu 144,0 Prozent Unterschied kann das ausmachen. Um langfristig konkurrieren zu können, müssen die Robo-Advisor das Gebührenproblem lösen, was maßgeblich durch die hohen Marketingkosten verursacht wird. Diese sind aber noch nötig, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Der deutsche Anleger ist eher konservativ und muss aufwendig überzeugt werden. Wer sich etwas mit den Märkten auskennt, kann aber auch selber aktiv werden. So können ETF-Sparpläne als Alternative gegenüber deutschen Robo-Advisor angesehen werden. Ein normales ETF-Portfolio könne jeder Privatanleger selbst zusammenstellen – eine Raketenwissenschaft sei das nicht, so Vogt. Anleger würden dann rund 0,5 Prozent Gebühren sparen. Auf 13 Jahre gerechnet mache das bei einem ursprünglichen Anlagebetrag von 10.000 Euro ganze 1.517 Euro mehr Gewinn für Anleger, die selbst Hand anlegten.

Nun kennt aber eben nicht jeder Anleger die Märkte und will vielleicht trotzdem auf einen Fondsmanager verzichten. Gerade dafür empfiehlt robo-advisor.de die Anbieter von Whitebox oder Scalable Capital. Beide schichten aktiv um und arbeiten so regelmäßig für Ihr Geld. Besonders Scalable Capital konnte zeigen, dass das Risikomanagement im Jahr 2016 positiv überzeigt hat. Die Performance war so gut, dass sie gegenüber den Märkten wesentlich weniger verloren haben. Wenn das so weitergeht, bieten Robo-Avisor äußerst vernünftige Anlagestrategien, die wohlwollend und hoffentlich langfristig empfohlen werden können.

 

Bildquelle: Dieter Schütz / pixelio.de

 


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