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Carsten Mumm Donner & Reuschel Interview // DAX könnte in eine Euphoriephase kommen

by • 24. Januar 2018 • Feature, Time_is_MoneyComments (0)1723

Time is Money // Schnell ein paar Fragen an Carsten Mumm, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Bank Donner & Reuschel, zum Jahresausblick für die Kapitalmärkte 2018.

Hier das komplette Interview als Podcast. Das Gespräch wurde am 19. Januar 2018 aufgezeichnet.

 

Herr Mumm, mit Blick auf die Aktienmärkte, haben Sie Angst vor einer Überbewertung?
Vor einer Überbewertung habe ich keine Angst. Es gibt momentan keine Anzeichen, die in diese Richtung deuten. Natürlich ist die Fallhöhe größer geworden, auch beim DAX. Aber wegen der Bewertung mache ich mir keine Sorgen, da die Unternehmen parallel dazu in der Lage waren ihre Gewinne deutlich auszubauen. Die KGVs liegen im DAX zwischen 13 und 14, was ein moderates Niveau ist. Diese Bewertung ist kein Grund, keine Aktien zu kaufen.

Die Weltwirtschaft ist ein wichtiger Faktor für den Aktienmarkt. Voraussichtlich wird sie auch 2018 wieder expandieren. Was sind die Treiber für diese Entwicklung?
Der IWF rechnet global mit einem Wachstum von 3,7 Prozent, was ein wenig über dem Niveau vom letzten Jahr liegt. Das Entscheidende ist zurzeit, dass es unisono in vielen Regionen der Welt nach oben geht. Auch die Krisenregionen der vergangenen Jahre, wie Lateinamerika oder Russland sind nun wieder einen Wachstumsmodus eingetreten.

Wie lange wird dieser Aufschwung noch tragen?
In den nächsten Monaten müssen wir uns um das konjunkturelle Bild keine Sorgen machen. Die erste Region, die in eine Phase schwächeren Wachstums eintreten könnte, könnten die USA sein, eben auch deswegen, weil hier der Zyklus schon sehr lang ist. Allerdings wird die eben verabschiedete Steuerreform die Phase schwächeren Wachstums spürbar nach hinten ziehen. Bis mindestens 2019 werden wir global betrachtet dynamisches Wachstum haben.

Sie glauben, dass die US-Steuerreform positive Effekte auf die Wirtschaft haben wird?
Eindeutig. Über zwei Wege: Einmal gibt es den direkten Effekt, weil Unternehmen ab sofort Steuern sparen und dadurch höhere Gewinne ausweisen können und zudem durch die Zweitrundeneffekte. Beispielsweise dadurch, dass die Unternehmen mehr Geld an die Mitarbeiter auszahlen können, was wiederum den Konsum stützt.

Zu möglichen negativen Effekten: Der Öl-Preis für die Nordseesorte Brent hat wieder die Marke von 70 Dollar erreicht. Könnte das einen Dämpfer für die Weltkonjunktur bedeuten?
Die Weltwirtschaft hängt nach wie vor am Tropf des Öls. Öl ist noch nicht aus der Verantwortung als Hauptenergielieferant heraus. Nun kommt die Fracking-Industrie ins Spiel: Bei diesem Öl-Preis-Niveau dürfte das Angebot aus den USA wieder steigen. Die 70 Dollar sollten somit etwa die Obergrenze sein. Für die globale Wirtschaft ist dieses Niveau aber kein Problem, gerade auch deswegen, weil der Öl-Preis so stark gestiegen ist, weil die Konjunktur so gut läuft.

Könnte der Öl-Preis einen Inflationsschub auslösen?
Den Anstieg der Inflationsrate ist in erster Linie dem Öl-Preis geschuldet. Generell könnten die Preise für Rohstoffe weiter steigen und damit die Inflation nach oben treiben. 2018 könnte die Inflationsrate durchaus mal über die Marke von zwei Prozent hinausschießen.

Werden höhere Inflationsraten eine Leitzinserhöhung provozieren?
Wir gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank ihre Wertpapieranleihekäufe im September beenden und frühestens ab 2019 die erste Zinserhöhung vornehmen wird. Sollten aber steigende Rohstoffpreise oder höhere Löhne dazu führen, dass die Inflationsrate mal in Richtung 2,5 Prozent tendiert, kann das deutlich steigende Zinsen am langen Ende bedeuten. Das könnte dazu führen, dass Anleihekurse fallen und Immobilien- und Aktien-Preise neu bewertet werden.

Was sollten Anleger mit Bundesanleihen tun?
Sie sollten einen größeren Bogen darum machen, wenn sie nicht in Bundesanleihen investieren müssen.

Wie werden sich Zinsänderungen auf den Kurs von Euro und Dollar auswirken?
Für den steigenden Euro gab es für mich zwei Gründe: Die sich stabilisierende politische Situation in Europa und die instabile Situation in den USA sowie das EZB-Protokoll, wonach die Europäische Notenbank vielleicht doch früher mit den Anleihekäufen aufhören könnte. Das ist in den Kursen nun drin. 1,22/1,23 Dollar halte ich für die Obergrenze. Mit Blick auf die kommenden Monate würde ich tendenziell einen höheren Dollar erwarten.

Drückt der höhere Euro auf die Gewinne der europäischen Unternehmen?
Ein steigender Euro ist für exportorientiere Unternehmen ein negativer Faktor und kann auch auf die Gewinne drücken. Gleichzeitig muss man sagen, dass es aber auch einen positiven Effekt für die Importe gibt. Ich glaube nicht, dass ein steigender Euro, selbst bei 1,30 Dollar, die europäische Konjunktur abwürgen würde.

Japan, auch eine Exportnation, können Anleger dort wieder am Aktienmarkt investieren?
In den vergangenen Monaten gab es schon deutliche Kurssteigerungen. Angesichts der Wachstumschancen in dieser Region haben aber japanische Aktien noch weiteres Potenzial.

Ihre Prognose für den DAX 2018?
Unsere Prognose für den DAX liegt bei 14.500 Punkten. Wir wollen aufzeigen: Aktien haben Potenzial. Deutsche Aktien haben Potenzial. Die konjunkturelle Dynamik ist da und die EZB ist weiter expansiv. Im Laufe des Jahres 2018 könnten die Aktienmärkte sogar in eine euphorische Phase hineinkommen.

Der größte Gefahrenfaktor für den deutschen Aktienmarkt ist …?
… eine überschießende Inflation und daraus resultierend eine restriktive Geldpolitik mit der Folge stark anziehender Zinsen.

Welches Aktiensegment bevorzugen Sie am deutschen Aktienmarkt?
Insbesondere konjunktursensible Titel, auch aus der zweiten und dritten Reihe. Dividendentitel bleiben ein Basisinvestment.

Bleiben Dividenden die neuen Zinsen?
In Europa auf absehbare Zeit bedingt ja. Allerdings ist das Kursrisiko auf der Aktienseite auch spürbar höher. So gesehen hinkt der Vergleich. In den USA sind langfristige Zinsen und Dividenden auf etwa dem gleichen Niveau. Dort funktioniert das Argument nicht mehr.

Ihre Einschätzung zum Bitcoin. Wird er wieder verschwinden?
Kryptowährungen und die zugrundeliegende Technik, die Blockchain, haben mit Sicherheit eine Daseinsberechtigung. Zurzeit sind wir in einer Hype-Phase und in den nächsten Jahren wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Für mich ist es ein wenig vergleichbar mit dem Neuen Markt Ende der 1990er-Jahre: Das war damals die Vorstufe der digitalisierten Ökonomie wie sie sich heute realisiert – und ich kann mir gut vorstellen, dass die Kryptowährungen einen ähnlichen Verlauf zeigen. Also, erster Evolutionsschritt Hype, der wieder zusammenbricht und aus dem wir unsere Lehren ziehen werden. Danach können wir die tatsächliche Implementierung der Kryptowährungen vornehmen.

 

Bildquelle: Carten Mumm, Donner & Reuschel [bearbeitet]

 

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