Carmignac-Stratege Didier Saint-Georges // Anfällig für Schocks

by • 23. Oktober 2014 • AußenvisionenComments (0)1311

Eine Außenvision von Didier Saint-Georges. Er ist Mitglied des Investmentkomitees von Carmignac Gestion und beleuchtet hier die derzeitige makroökonomische Entwicklungen und die aktuelle Anlagestrategie für die Eurozone.

Ein radikal deflationistisches Szenario in der Eurozone wäre gewiss übertrieben. Zudem ist die Entschlossenheit Mario Draghis, die Wirtschaft in der Eurozone mit allen ihm verfügbaren Mitteln zu unterstützen, ein beachtlicher Vorteil. Aber die äußerst niedrige Inflation, von der selbst Mario Draghi zugibt, dass sie mittelfristig auf diesem Stand verharren wird, stellt ebenso wie das geringe Wachstum ein Problem für die Zukunft derjenigen Länder dar, die unter einer hohen Staatsverschuldung und unzureichender Wettbewerbsfähigkeit leiden. In dieser Hinsicht bereiten uns Italien und Frankreich Sorgen.

Während die Deflation wie in Spanien, Portugal und Irland vor allem bedeutenden Bemühungen zur Produktivitätssteigerung zu verdanken ist, die heute zur Erholung des Außenhandels beitragen, geht es in Frankreich und Italien um die schwache Wirtschaftsaktivität. Zwar hat Italien immer noch einen Haushaltsüberschuss von 2,3 Prozent vor Schuldenbelastung. Unseren Schätzungen zufolge bräuchte Italien jedoch einen doppelt so hohen Überschuss, um seine Staatsverschuldung (die derzeit bei 135 Prozent des BIP liegt) wieder zurückfahren zu können. Dieses Problem stellt ein zusätzliches Risiko für das Wirtschaftswachstum dar, was durch die Bemühungen Matteo Renzis um die Umsetzung seines – notwendigen – Strukturreformprogramms noch verstärkt wird. Was Frankreich anbelangt, so liegt seine Staatsverschuldung schon beinahe bei 100 Prozent des BIP. Zudem leidet das Land anders als Italien unter einem strukturellen Haushaltsdefizit vor Schuldenbelastung.

In Anbetracht der sehr niedrigen Inflation werden die notwendigen Anpassungen zur Kontrolle der französischen Staatsfinanzen unfehlbar weiterhin das Wachstum bremsen. In Deutschland hat sich das Geschäftsklima (Ifo) seit Jahresbeginn deutlich verschlechtert, und die Bundesregierung hat ihre Entschlossenheit bekräftigt, für einen ausgeglichenen Haushalt zu sorgen, und gleichzeitig eine fiskalische Unterstützung ihrer europäischen Partner ausgeschlossen. Bleibt noch zu berichten, dass ein anhaltender Rückgang des Euro, zu dem die Initiativen der EZB beigetragen haben, den Exportwirtschaften zugutekommen wird.

Aber wir sollten uns nicht täuschen: einerseits wird vor allem Deutschland dank seines starken Außenhandels davon profitieren, und andererseits wirkt sich dieser Rückgang der Einheitswährung wie eine Zusatzsteuer auf die Kaufkraft der italienischen und französischen Verbraucher aus.

Das von der Europäischen Zentralbank eingerichtete Sicherheitsnetz dürfte dafür sorgen, dass das Vertrauen der ausländischen Anleger in die Stabilität des europäischen Finanzsystems weiterhin intakt bleibt. Zudem kann der Einsatz von Anreizen zur Kreditvergabe durch die Banken die Finanzierung mittlerer Unternehmen ein wenig verbessern. Aber dafür muss die Eurozone mittelfristig erst einmal wieder auf einen überzeugenden Kurs gebracht werden. Wir haben vor kurzem unser Exposure im europäischen Konjunkturrisiko nochmals verringert.

 

Bildquelle: Carmignac Gestion

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